Autorenarchiv: Jörg Kastning

Passed the CAcert.org Assurer Challenge

Vergangene Woche bin ich auf dem LinuxTag 2014 in Berlin am Stand von CAcert.org hängen geblieben.

Worum geht es bei CAcert.org?

CAcert.org ist eine von einer Gemeinschaft betriebene Zertifizierungsstelle, die kostenfreie Zertifikate für jedermann ausstellt.

Das Ziel von CAcert ist es, das Bewusstsein und die Unterrichtung über Computersicherheit durch die Benutzung von Verschlüsselung zu fördern, insbesondere durch die Herausgabe von Zertifikaten zur Verschlüsselung. Diese Zertifikate können benutzt werden, um E-Mails digital zu unterschreiben und zu verschlüsseln, einen Anwender beim Zugang zu Webseiten zu beglaubigen und zu berechtigen und eine gesicherte Datenübertragung über das Internet zu ermöglichen. Jede Anwendung, die das gesicherte Übertragungsprotokoll mit SSL oder TLS unterstützt, kann von Zertifikaten Gebrauch machen, die von CAcert signiert wurden, ebenso jede Anwendung, die X.509-Zertifikate benutzt, z.B. für Verschlüsselung oder Signierung von Code oder Dokumenten.

Das Prinzip von CAcert.org basiert dabei auf einem Vertrauensnetzwerk, dem sogenannten Web of Trust. Im Gegensatz zu einer hierarchischen Public-Key-Infrastruktur wird die Echtheit von Zertifikaten (digitalen Schlüsseln) nicht von einer einzelnen Organisation, sondern durch gegenseitige Bestätigung (Assurance) der Mitglieder geprüft.

Zur Verdeutlichung hier ein kleines Beispiel aus der Wikipedia:

Alice signiert den Schlüssel von Bob und vertraut Bobs Schlüsselsignaturen
Bob signiert den Schlüssel von Carl
(Bobs Vertrauen in Carls Schlüsselsignaturen ist weder bekannt noch relevant)
Somit betrachtet Alice den Schlüssel von Carl als gültig.

Es ist also eine Frage des Vertrauens. Und die Frage ist berechtigt, wem man mehr Vertrauen schenkt. Einer kommerziellen Zertifizierungsstelle, oder dem Web of Trust und damit der CAcert.org Community. Ich für meinen Teil habe mir diese Frage bereits beantwortet.

Nachdem wir in Folge des Heartbleed Bug alle SSL-Zertifikate in unserem Unternehmen erneuern mussten ist mein Vertrauen in die kommerziellen Zertifizierungsstellen erschüttert. Die durchgeführten „Verification Calls“ ließen mich sehr stark an der Vertrauenswürdigkeit der Identifizierung zweifeln. So hätte auch ein Praktikant oder jeder x-beliebige Mitarbeiter an ein Zertifikat für eine unser Domains gelangen können. Fest steht, der Anbieter kann sich nicht sicher sein, dass er tatsächlich mit der zur Zertifikatsanforderung berechtigten Person gesprochen hat.

Im Vertrauensnetzwerk von CAcert.org wird die Echtheit eines Zertifikats durch eine persönliche Assurance des Besitzers bestätigt. Dabei prüft ein CAcert Assurer mindestens ein offizielles Ausweisdokument, um die Identität des Zertifikatsinhabers zu bestätigen. Es muss also in jedem Fall ein Treffen von Angesicht zu Angesicht stattgefunden haben, bevor einem Zertifikat das Vertrauen ausgesprochen werden kann. Dieser Prozess wird detailliert in der Assurance Policy for CAcert Community Members definiert.

Ich persönlich habe großes Vertrauen in das Prinzip des Web of Trust und entschied mich vergangene Woche selbst CAcert Assurer zu werden, um die Echtheit von Zertifikaten weiterer CAcert.org Member assuren zu können. Dazu ließ ich meine eigene Identität auf dem LinuxTag gleich von vier CAcert Assurern bestätigen, um die nötigen Assurance Punkte zu sammeln, die nötig sind, um selbst Assurer zu werden. Denn nur Personen, denen ein gewisses Mindestmaß an Vertrauen bestätigt wurde und welche die Assurer Challenge bestanden haben, dürfen die Identität anderer Mitglieder bestätigen.

Gestern habe ich die Assurer Challenge im ersten Anlauf bestanden und stehe euch damit als CAcert Assurer zur Verfügung.

Falls ihr noch nicht sicher seid, wie digitale Signaturen und Zertifikate funktionieren, oder Mitglied der Community wird, empfehle ich euch die Seite „CAcert in kurzen Worten“. Dort wird auch der Registrierungsprozess beschrieben, damit ihr euch anmelden und einloggen könnt.

So get Assured
www.cacert.org

Facebook nervt mit automatisch ablaufenden Videos

Mark Zuckerberg sorgt dafür, dass es auf Facebook nicht langweilig wird. Eine aktuelle Neuerung, auf die man bei Facebook im Browser oder auf dem Smartphone in der Facebook App hingewiesen wird ist, dass Videos in der Timeline nun automatisch ohne Ton wiedergegeben werden.

Während es sicher auch einige Seelen da draußen gibt, die sich über diese „Innovation“ freuen, verursacht sie bei mir nur genervtes Augenrollen. Und gern verrate ich euch auch warum.

Damit ein Video im Browser oder der Smartphone App wiedergegeben werden kann, müssen Daten gestreamt oder heruntergeladen werden. Nutze ihr die Facebook App auf einem Smartphone verringert die automatische Videowiedergabe das Datenvolumen, dass euch monatlich zur Verfügung steht, bevor ihr auf langsame GPRS Geschwindigkeit gedrosselt werdet. Na, war euch das bewusst? Dem könnt ihr entgegenwirken wenn ihr in den App Einstellungen den Punkt sucht und aktiviert, der die Videowiedergabe nur bei einer bestehenden WLAN-Verbindung startet.

Doch stellt die automatische Videowiedergabe in meinem Augen auch ein unnötiges Sicherheitsrisiko dar. Mit der automatischen Videowiedergabe werden Daten an meinen Rechner übertragen. Dabei muss es sich nicht ausschließlich um bewegte Bilder handeln. In den Datenstrom lässt sich dabei auch Malware einbetten, die so nach dem Prinzip des Drive-by-Download automatisch auf eurem Rechner bzw. Smartphone zur Ausführung gebracht werden kann.

Natürlich besteht das Risiko einer Infektion auf diesem Weg auch, wenn ihr ein Video manuell startet, doch ist das Risiko deutlich geringer, als wenn jedes Video in eurer Timeline automatisch wiedergegeben wird.

Glück im Unglück: Facebook hat in einer kleinen Infobox auf das neue Feature hingewiesen. So konnte ich direkt in die Einstellungen gehen und unter dem Punkt Video die automatische Wiedergabe deaktivieren.

Ganz einfach: Widerspruch zur Datenweitergabe durch Meldebehörden

Erst gestern verkündete ein heise-Artikel:

Laut Meldegesetz kann jeder Bürger Meldeämtern die Weitergabe seiner Daten untersagen. Doch kaum jemand nimmt sein Recht in Anspruch.

Doch wussten Sie überhaupt, dass die Meldeämter Ihre Daten ohne Ihr Einverständnis weitergeben dürfen? Nun, jetzt wissen Sie es und ich erkläre Ihnen was Sie dagegen tun können.

In einigen Fällen können die Bürger der Weitergabe widersprechen, zum Beispiel an Parteien, Bürgerinitiativen, Adressbuchverlage oder zur Direktwerbung. Dies geht ganz einfach mit einem Musterbrief (DOC-Datei für Word), welcher vom Bundesverband der Verbraucherzentralen zum Download angeboten wird.

Das Ausfüllen des Musterbriefs dauert keine 5 Minuten. Den ausgefüllten Musterbrief schicken Sie anschließend an Ihr zuständiges Einwohnermeldeamt. Fertig.

VirtualBox VDI Datei in VMware VMDK Datei konvertieren

Schon 2012 habe ich im Artikel Virtualbox und das Open Virtualization Format darüber berichtet, dass sich ins OVF bzw. OVA Format exportierte VMs nicht in einer VMware vSphere Umgebung importieren lassen. Leider hat sich an diesem Umstand bis heute nichts geändert. Daher habe ich mir einen neuen Weg gesucht, um VMs von Virtualbox nach vSphere zu migrieren.

Auf dem ESXi ist zuerst eine neue virtuelle Maschine ohne Festplatte zu erstellen. Um nun die VDI aus VirtualBox nutzen zu können, muss diese zuerst in eine VMDK Datei konvertiert werden.

Eine Lösung fand ich in diesem englischsprachigen Blogpost. Zur Konvertierung nutzen wir das Tool „vboxmanage“ auf der Komandozeile. Der folgende Codeschnipsel zeigt einen Beispielaufruf:

C:\Program Files\Oracle\VirtualBox>vboxmanage clonehd "Pfad zur VDI Datei\quelldatei.vdi" "Pfad zur VDI Datei"\zieldatei.vmdk --format VMDK --variant Standard
vditovmdk

Beispiel einer Konvertierung von VirtualBox zu VMware.

Mit dem obigen Aufruf wird im selben Verzeichnis, in dem die VDI Datei liegt eine VMDK Datei erzeugt. Diese kann nun in den Datastore eines ESXi Hypervisor hochgeladen und als virtuelle Festplatte einer VM hinzugefügt werden.

Anschließend kann man die VM starten und sie weiter nutzen.

Update 16.3.2014: Hier kommt ein wichtiger Nachtrag aus der Praxis. Er soll ich davor bewahren, die gleichen Erfahrungen wie ich machen zu müssen. Die oben beschriebene Migration von VirtualBox zu vSphere führte zu einem wahren Härtetest von vSphere HA.

Nach dem Start der VM im vSphere Cluster sollten im nächsten Schritt die VBox Guest Additions deinstalliert und die VMware Tools installiert werden. Doch soweit bin ich gar nicht erst bekommen.

Denn die migrierte VM hängte sich auf und lies sich nicht mehr steuern. Auch ein Zurücksetzen der VM zeigte keinerlei Wirkung. Nur kurze Zeit später stürzte der ganze Hypervisor ab und der Cluster führte einen Failover durch. Dadurch wurde leider auch die fehlerhafte VM auf einen anderen Host übertragen und brachte diesen ebenfalls zum Absturz, bevor ich die VM stoppen und löschen konnte.

Zwei Hypervisor-Abstürze innerhalb von 30 Minuten sind eindeutig zwei zu viel. Für den VMware Support war dieses Verhalten ebenfalls neu. Hier bekam ich den Rat zukünftig die VirtualBox Guest Additions zu deinstallieren, bevor ich die VDI Datei konvertiere.

Für unseren Betrieb haben wir hingegen festgelegt keine weiteren VMs auf diesem Weg zu migrieren. Wir werden VMs nach einer Testphase durch Neuinstallation ins Cluster überführen. So können wir durch Konvertierung verursachte Fehler ausschließen und erstellte Dokumentationen überprüfen, indem wir das System nach der Dokumentation erneut bereitstellen.

Das BSI warnt – Millionenfacher Identitätsdiebstahl in der Bundesrepublik

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gab am 21.01.2014 in einer Pressemitteilung bekannt, dass es zu einem großflächigen Identitätsdiebstahl gekommen ist.

Dabei wurden 16 Millionen Benutzerkonten kompromittiert, welche sich laut BSI aus einem Benutzernamen in Form einer E-Mail Adresse und einem Passwort verwendet werden, wie sie z.B. zum Login in E-Mail Accounts, Online-Shops und sozialen Netzwerken verwendet werden.

Das BSI hat mit Unterstützung der Deutschen Telekom die Seite https://www.sicherheitstest.bsi.de/ ins Leben gerufen, auf der Anwender prüfen können, ob ihre E-Mail-Adresse ebenfalls von dem Identitätsdiebstahl betroffen ist.

Die Seite für den Sicherheitstest war aufgrund sehr vieler Zugriffe zeitweise nicht erreichbar. Anlässlich des großen Ansturms hat das BSI eine Seite mit Antworten auf die „Häufigsten Fragen zum Mailtest“ eingerichtet.

Identitätsdiebstahl gehört zu den Top-Gefährdungen im Internet. Bitte nehmen Sie den Fall ernst und überprüfen Sie, ob auch Ihre E-Mail Konten von dem Identitätsdiebstahl betroffen sind.

Postfix mit Gmail als Smarthost

Ich blogge hier kurz runter, wie man Postfix mit Gmail als Smarthost einrichtet. So muss ich mir beim nächsten Mal nicht wieder alle Informationen im Internet zusammensuchen.

Den Postfix selbst hab ich auf meinem Raspberry Pi installiert, um Benachrichtungs-E-Mails der „Überwachung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit mit dem SHT21“ versenden zu können. Das Tutorial sollte jedoch auch für alle weiteren auf Debian basierenden Distributionen gelten.

Als erstes werden die folgenden Pakete installiert[1. Artikel im Ubuntuusers.de Wiki]:

sudo apt-get install postfix libsasl2-modules bsd-mailx

Beim Start von Postfix auf meinem Raspberry Pi kam folgende Warnung:

postmulti: warning: inet_protocols: disabling IPv6 name/address support: Address family not supported by protocol
postfix: warning: inet_protocols: disabling IPv6 name/address support: Address family not supported by protocol
.

Um diese Warnmeldungen abzustellen wird folgender Befehl abgesetzt und Postfix neugestartet.[2. Good to Know Database]

pi@raspberrypi ~ $ sudo postconf -e 'inet_protocols = ipv4'
pi@raspberrypi ~ $ sudo /etc/init.d/postfix restart
[ ok ] Stopping Postfix Mail Transport Agent: postfix.
[ ok ] Starting Postfix Mail Transport Agent: postfix.

Jetzt ist die /etc/postfix/main.cf in einem Editor zu öffnen. Falls noch nicht vorhanden, sind folgende Zeilen zu ergänzen:[3. Relaying Postfix SMTP via smtp.gmail.com]

relayhost = [smtp.gmail.com]:587
smtp_sasl_auth_enable = yes
smtp_sasl_password_maps = hash:/etc/postfix/sasl_passwd
smtp_sasl_security_options = noanonymous
smtp_use_tls = yes

Im nächsten Schritt ist die Datei /etc/postfix/sasl_passwd mit folgendem Inhalt zu erstellen.

[smtp.gmail.com]:587 user.name@gmail.com:password

Jetzt beschränken wir noch den Zugriff auf die gerade erstellte Datei und erstellen die sasl_passwd Datenbank.

sudo chmod 600 /etc/postfix/sasl_passwd
sudo postmap /etc/postfix/sasl_passwd

Jetzt wird Postfix noch einmal neugestartet. Anschließend können wir den Mailversand testen:

echo "Das Leben ist schön." | mailx -s "Hello World" user.name@zieldomain.tld

Fertig. E-Mail verschickt und im Postfach empfangen.

Zu beachten: Wenn ihr euch ein neues Gmail Postfach angelegt habt müsst ihr euch einmal über den Webbrowser am Postfach anmelden und die Nutzungsbedingungen akzeptieren, bevor ihr Mails mit Postfix über diesen Account versenden könnt.

Visualisierung von Umweltdaten

In dieser Fortsetzung des Artikels „Überwachung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit mit dem SHT21“ kümmern wir uns um die Visualisierung der gemessenen Daten.

Um die Messdaten auf dem Pi in einem Webbrowser anzeigen zu können, muss zuerst ein Webserver auf dem Pi installiert werden. Ich habe mich für lighttpd[1. http://www.lighttpd.net/] entschieden, da dieser besonders wenig Systemressourcen benötigt. Außer dem Webserver selbst installiere ich noch PHP und aktiviere FastCGI.

sudo apt-get install lighttpd php5-cgi
sudo adduser pi www-data
sudo chown -R www-data:www-data /var/www
sudo chmod -R 775 /var/www
sudo lighty-enable-mod fastcgi
sudo /etc/init.d/lighttpd force-reload

Das DocumentRoot des Lighttpd ist /var/www. Mit obigen Code haben wir auch gleich die Benutzerrechte korrekt gesetzt.

An das Ende der Datei /etc/lighttpd/lighttpd.conf müssen wir noch den folgenden Code einfügen:

# enable PHP and FastCGI
fastcgi.server = (".php" => ((
        "bin-path" => "/usr/bin/php-cgi",
        "socket" => "/tmp/php.socket"
        )))

Im Anschluss muss der Webserver einmal neugestartet werden.

sudo service lighttpd restart

Jetzt kopieren wir den Inhalt des Ordners Raspi-SHT21-V3_0_0/www in das DocumentRoot /var/www/. Zur grafischen Darstellung unserer Messdaten entpacken wir noch die Javascript Libary[2. https://github.com/flot/flot/archive/v0.7.zip] von www.flotcharts.org[3. http://www.flotcharts.org/] in das Verzeichnis /var/www/js/. Wichtig: Nehmt die Version 0.7 von GitHub. Mit der Version 0.8.1 werden die Graphen nicht angezeigt.

Damit unsere Webanwendung die Daten aus unserer Datei sht21-data.csv auslesen kann, muss der Pfad zu dieser Datei noch in der index.php angepasst werden. Es geht aber auch noch etwas einfacher. Ich habe statt dessen einfach einen Symlink im DocumentRoot erstellt, welcher auf die Datei zeigt.

ln -s ~/Raspi-SHT21-V3_0_0/sht21-data.csv sht21-data.csv

Damit haben wir alles was wir brauchen und können unsere Umweltdaten im Browser betrachten.

raspi webapplication

Browseransicht

Alle Ziele dieses kleinen Weekend-Projects wurden erreicht und wir können nun Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Serverraum überwachen. Mein Kollege freut sich bestimmt schon, sich noch ein paar Gedanken zur Integration in Icinga zu machen.[4. http://www.icinga.org/] ;-)

Viel Spaß beim Nachbau.

Überwachung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit mit dem SHT21

Im Artikel „Konzept zur Überwachung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit“ habe ich Überlegungen angestellt, um die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit in einem Serverraum mit Hilfe des Raspberry Pi zu überwachen. In diesem Artikel geht es nun zur Sache.

Voraussetzung für das weitere Vorgehen ist ein RaspPi, welcher in das Netzwerk integriert ist und auf den wir mittels SSH zugreifen können.

Im Vorfeld habe ich in einigen Internetforen recherchiert, um einen geeigneten Sensor für den Pi zu finden. Mir ist wichtig, dass ich nur einen Sensor benötige, um sowohl die Temperatur als auch die Luftfeuchtigkeit messen zu können. Schließlich habe ich mich für den SHT21 entschieden, welchen es bereits konfektioniert z.B. im Online-Shop von emsystech gibt.

Beim Anschluss des SHT21 wird der I2C-Bus des Sensors mit dem PIN 1 des Pi verbunden.

Die Software, um den Sensor auszulesen kann von der Seite des Herstellers heruntergeladen werden. Die in diesem Tutorial verwendete Version kann am Ende dieses Artikels heruntergeladen werden. Inzwischen wird die Software auf GitHub gepflegt. In der dortigen README.md sind die nötigen Informationen enthalten, um die Software zu installieren und den Raspi-SHT21 in Betrieb zu nehmen.

Die Informationen im weiteren Verlauf dieses Artikels sind veraltet und sollten nicht mehr für neue Installationen genutzt werden. Ich lasse sie online, um bereits bestehende, ältere Installationen nachvollziehen zu können.

Das Archiv wird im Home-Verzeichnis des Pi platziert und dort entpackt.

pi@jk-raspberrypi ~ $ ls -lh
insgesamt 44K
drwxr-xr-x 2 pi pi 4,0K Nov 13 21:41 Desktop
-rw-r--r-- 1 pi pi 5,7K Feb  3  2013 ocr_pi.png
drwxrwxr-x 2 pi pi 4,0K Mär 10  2013 python_games
-rw-r--r-- 1 pi pi  26K Jul  5 09:24 Raspi-SHT21-V3_0_0.zip
pi@jk-raspberrypi ~ $ unzip Raspi-SHT21-V3_0_0.zip 
Archive:  Raspi-SHT21-V3_0_0.zip
   creating: Raspi-SHT21-V3_0_0/
  inflating: Raspi-SHT21-V3_0_0/function-cosm-push.sh  
  inflating: Raspi-SHT21-V3_0_0/function-ftp-upload.sh  
  inflating: Raspi-SHT21-V3_0_0/sht21  
  inflating: Raspi-SHT21-V3_0_0/sht21.sh  
   creating: Raspi-SHT21-V3_0_0/source/
  inflating: Raspi-SHT21-V3_0_0/source/buildrun.sh  
  inflating: Raspi-SHT21-V3_0_0/source/i2c.c  
  inflating: Raspi-SHT21-V3_0_0/source/i2c.h  
  inflating: Raspi-SHT21-V3_0_0/source/main.c  
  inflating: Raspi-SHT21-V3_0_0/source/makefile  
  inflating: Raspi-SHT21-V3_0_0/source/raspi.c  
  inflating: Raspi-SHT21-V3_0_0/source/raspi.h  
  inflating: Raspi-SHT21-V3_0_0/source/sht21  
  inflating: Raspi-SHT21-V3_0_0/source/sht21.c  
  inflating: Raspi-SHT21-V3_0_0/source/sht21.h  
  inflating: Raspi-SHT21-V3_0_0/source/std_c.h  
  inflating: Raspi-SHT21-V3_0_0/start-sht21-service.sh  
  inflating: Raspi-SHT21-V3_0_0/stop-sht21-service.sh  
   creating: Raspi-SHT21-V3_0_0/www/
  inflating: Raspi-SHT21-V3_0_0/www/index.php  
   creating: Raspi-SHT21-V3_0_0/www/js/
  inflating: Raspi-SHT21-V3_0_0/www/layout.css  
pi@jk-raspberrypi ~ $

Die Dateien sht21 und sht21.sh müssen noch ausführbar gemacht werden. Z.B. sudo chmod 755 sht21.

Bevor das Programm ausgeführt werden kann, muss noch der I2C-Treiber aktiviert werden. Hierzu befolgen wir diese 5-Schritt-Anleitung.

Nach dem Neustart können wir die Sensorwerte mit dem Programm sht21 abfragen. Je nachdem mit welchem Parameter man das Programm aufruft wird die Ausgabe unterschiedlich formatiert:

pi@jk-raspberrypi ~/Raspi-SHT21-V3_0_0 $ ./sht21 S
21.5	43
pi@jk-raspberrypi ~/Raspi-SHT21-V3_0_0 $ ./sht21 L
temperature=21.5
humidity=43
pi@jk-raspberrypi ~/Raspi-SHT21-V3_0_0 $ ./sht21 C
Temperature,21.5
Humidity,43
pi@jk-raspberrypi ~/Raspi-SHT21-V3_0_0 $ ./sht21
Raspi-SHT21 V3.0.0 by Martin Steppuhn (www.emsystech.de) [Nov 19 2012 23:35:05]
Options:
   S : [20.0 99]
   L : [temperature=20.0][humidity=99]
   C : [Temperature,20,0][Humidity,99]
RaspberryHwRevision=2
0	21.5	43
1	21.5	43
2	21.5	43
3	21.5	43
4	21.5	43

Damit haben wir zwei weitere Ziele unseres kleinen Projekts erreicht.

Dank des RaspberryPi können wir nun die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit überwachen und das unabhängig von vorhandener Hardware.

Ich möchte an dieser Stelle dem Team von emsystech.de danken. Dank des tollen Sensors, des Sourcecodes und der Tipps auf ihrer Website war der Aufbau der Überwachung ein Kinderspiel.

Aktuell schreiben wir die Messwerte alle 10 Minuten in eine CSV-Datei. Wie wir diese Messwerte in einem Webbrowser visualisieren können, beschreibe ich in einem folgenden Artikel.

Konzept zur Überwachung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit

Es ist schön, wenn man Hobby und Beruf miteinander verbinden kann. So auch in diesem Fall. Ich arbeite als IT-Systemadministrator in einem mittelständischen Unternehmen. Wir betreiben zwei Serverräume an unserem Standort, in denen wir die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit überwachen möchten.

Ich möchte versuchen, auf Basis meines Raspberry Pi eine Lösung zu entwickeln, die wir auch auf der Arbeit einsetzen können und die preislich günstiger als kommerzielle Fertiglösungen ist.

Dieses Wochenendprojekt soll folgende Ziele erreichen:

  • Überwachung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit
  • Darstellung der Messwerte auf einer Webseite bzw. in einem Monitoringsystem
  • Dedizierte Lösung – Kein Anschluss von Sensoren an vorhandene Server
  • Günstiger Preis

Werfen wir zuerst einen Blick auf die Kosten.

Kosten für benötigte Hardware und Zubehör

ProduktPreis
Raspberry Pi Model B (512MB), Mainboard39,99 €
Gehäuse für Raspberry Pi Type B7,99 €
Secure Digital SDHC Card 8 GB, Speicherkarte10,99 €
Adapter DVI-D auf HDMI6,99 €
SHT21 für Raspberry Pi35,00 €
System-S Netzteil Netzkabel Adapter Ladegerät Micro USB mit 2A12,99 €
Summe113,95 €

Eine Recherche im Internet ergab, dass vergleichbare Lösungen[1. Web-Thermo-Hygrobarograph mit deutscher Web-Oberfläche][2. MultiSensor-LAN][3. sensorProbe2 inkl. Temperatur-Feuchtigkeitssensor] meist im Bereich 350 – 500 EUR liegen. Deutlich günstiger erhält man noch die Lösungen von Tinkerforge.[4. Tinkerforge Starterkit: Serverraum-Überwachung][5. Tinkerforge Starterkit: Wetterstation] Hier muss man ca. 160 EUR für eine Lösung investieren. Die Wetterstation gibt es zwar schon für 119,99 EUR, doch reicht diese allein nicht aus. Man benötigt für unseren Einsatzzweck noch einen Raspberry Pi dazu.

Damit ist die angestrebte Lösung schon mal die günstigste im Vergleich. Ein Ziel erreicht, noch drei offen. Auf den Aufbau und die Entwicklung der Lösung gehe ich in einem folgenden Artikel ein.

Steuererklärung mit oder ohne Cloud?

Ist es weise, seine Steuererklärung in der Cloud zu erstellen? Warum sollte man dies überhaupt tun? Ich möchte im Folgenden zum Nachdenken anregen und gern andere Meinungen zum Thema hören. Es geht dabei im Wesentlichen um die Frage, wie sehr man einer Cloud vertrauen kann und ob das Vertrauen groß genug ist, um die eigene Steuererklärung einer Cloud anzuvertrauen.

Zuerst will ich kurz erläutern, wie ich dazu kam, mich mit diesen Fragen zu beschäftigen.

Seit etlichen Jahren benutze ich die Software WISO-Sparbuch, zur Erstellung meiner Einkommenssteuererklärung. Diese Software ist aktuell der einzige Grund, warum ich noch eine virtuelle Maschine mit Windows 7 als Gastbetriebssystem benötige, obwohl ich sonst ausschließlich Ubuntu Linux verwende.

Auf meine Anfrage beim Kundenservice, ob es nicht möglich sei, eine Programmversion für Linux zu veröffentlichen, wurde mir das WISO InternetSparbuch als Alternative empfohlen.

Die Vorteile dieser Lösung liegen auf der Hand. Unabhängig von Computer und Betriebssystem kann man seine Steuererklärung im Browser erstellen. Eine lokale Installation ist nicht notwendig. Auch um Updates muss man sich nicht kümmern, da diese auf den Servern des Anbieters eingespielt werden und somit in der Webanwendung automatisch zur Verfügung stehen. Alles in allem ein verlockendes Angebot. Doch wo es Vorteile gibt, da gibt es meist auch Nachteile. In diesem Fall mag es von Nachteil sein, dass man alle Daten, die zur Anfertigung der Steuererklärung benötigt werden, in einer Cloud speichert. Es stellt sich die Frage, in wie weit man dabei die Kontrolle über die eigenen Daten behält. Denn ich möchte nicht, dass mein Steuerfall plötzlich im Internet auftaucht oder Dritte Kenntnis über meine finanziellen Verhältnisse erlangen.

Um diese Frage zu beantworten, hilft ein Blick in die Datenschutzerklärung des Anbieters. Als Erstes fällt hier positiv auf, dass der Anbieter die Datenschutzerklärung nicht auf seiner Website versteckt, sondern diese gleich als ersten Punkt am Anfang der Seite verlinkt.

Zum Zweiten bewerte ich es als positiv, dass mir in der Datenschutzerklärung kein „Juristendeutsch“ oder verklausulierte Formulierungen begegnen. Die Datenschutzerklärung ist in natürlicher Sprache verfasst und leicht verständlich. In ihr finden sich folgende Punkte, die mich die Verwendung des Produkts in Erwägung ziehen lassen:

  1. Wir gehen mit den uns übertragenen Daten vertrauensvoll und verantwortungsbewusst um und halten die geltenden Datenschutzgesetze ein.
  2. Personenbezogene Daten werden von uns nur dann und nur in dem Umfang erhoben, wie Sie sie uns mit Ihrer Kenntnis selbst zur Verfügung stellen.
  3. Wir verkaufen oder verleihen Ihre persönlichen Daten nicht.
  4. Wir verwenden Sicherheitstechnologien auf dem aktuellen Stand der Technik, um Ihre Daten vor Missbrauch zu schützen.
  5. Wir möchten Ihnen eine sichere, reibungslose, effiziente und persönliche Nutzer-Erfahrung bieten.

Die klare Aussage, dass meine Daten weder verkauft noch vermietet werden, ist schon mal viel wert. Auch verspricht die Erklärung, dass ohne ausdrückliche Einwilligung des Benutzers keine Daten an Steuer- und Finanzbehörden übermittelt werden. Letztendlich werden nur die zur Vertragsabwicklung erforderlichen Daten an Dritte weitergeben. Dies sind z.B. die eigenen Bankverbindungsdaten, damit die Beiträge für den Steuer-Spar-Vertrag abgebucht werden können.

Das InternetSparbuch verspricht meine Daten mit aktuellen Sicherheitstechnologien zu schützen. Dies ist in meinen Augen selbstverständlich und doch bleibe ich mißtrauisch. Sind meine Daten wirklich sicher? Was kann damit passieren, wenn die Server des Anbieters kompromittiert werden? Der Abschnitt Datensicherheit hilft bei der Beantwortung dieser Fragen weiter.

Gespeicherte Daten werden verschlüsselt gespeichert. Darüber hinaus werden sie nach einer festgelegten Zeit (4 Monate bzw. 90 Tage) ohne Anmeldung automatisch gelöscht. Das ist gut, hilft aber nicht unbedingt, wenn der Server in diesem Zeitraum kompromittiert wird. Entscheidend ist für mich folgende Aussage:

Zusätzlich haben Sie die Möglichkeit, auch Ihren Steuerfall mit einem Passwort zu schützen und wahlweise bei Ihnen auf einem lokalen Datenträger oder auf unserem Server verschlüsselt zu speichern.

Damit ist es mir möglich, die Kontrolle über meinen Steuerfall zu behalten. Denn speichere ich meinen Steuerfall nicht auf dem Server des Anbieters, so kann er von dort auch nicht entwendet werden. Der Steuerfall selbst wird in einer Datei codiert und ist nicht im Klartext lesbar. So kann man ohne die dazugehörige Anwendung auch mit der Datei, welche meinen Steuerfall enthält, nichts anfangen.

Meine erste Annahme, dass die Daten in der Cloud gespeichert werden und ich sie aus der Hand geben muss war falsch. Ich habe die Wahl, wo mein Steuerfall gespeicher wird. Lediglich die Daten, die benötigt werden, um mir einen Account zur Verfügung zu stellen und die Gebühren für den Steuer-Spar-Vertrag abzuwickeln, werden beim Anbieter gespeichert. Dies ist vorbildlich und einige andere Anbieter könnten sich daran orientieren.

Mich selbst hat das Angebot überzeugt und ich werde es für die nächste Steuererklärung ausprobieren.