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Schwachstellen- und Patchmanagement im Jahre 2026

In diesem Artikel thematisiere ich, wie sich die Anzahl der entdeckten Schwachstellen in den letzten Jahren entwickelt hat und ob wir noch von Zero-Day sprechen, oder eher von Zero-Hour oder Zero-Minute.

Ich werde darstellen, warum es in meinen Augen bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr angemessen ist, nur noch einmal im Jahr oder quartalsweise zu patchen und unter Schmerzen eingeübte Prozesse heute nicht mehr zeitgemäß erscheinen.

Anschließend werde ich euch bitten, eure Erfahrungen anonym mit mir zu teilen. Ich erhoffe mir, so einen besseren Überblick über die Situation da draußen in den Rechenzentren, Serverräumen und IT-Betriebseinheiten zu gewinnen. Mehr dazu unten im Text.

Entwicklung der Bedrohungslage

Die Anzahl der pro Jahr gemeldeten Schwachstellen (CVE) steigt rasant, wie folgendes Diagramm in Abbildung 1 verdeutlicht.

Diagramm welches die Entwicklung der Schwachstellenanzahl pro Jahr für die Jahre 2003 bis 2025 darstellt. Erläuterungen dazu finden sich im Fließtext.
Abbildung 1: Grafische Darstellung der CVE-Metriken für die Jahre 2003 bis 2025 von: https://www.cve.org/About/Metrics

Während sich die Anzahl der CVE pro Jahr erstmalig im Zeitraum von 2016 bis 2017 von ca. 6.500 auf ca. 14.500 mehr als verdoppelt hat, kam es zuletzt in den Jahren 2021 bis 2024 zu einer Verdopplung. Diesmal hat sich die Anzahl jedoch von ca. 20.000 auf knapp über 40.000 gesteigert. Und diese Zahl steigt weiter. So wurden für das erste Quartal 2026 bereits 15.176 CVE gezählt.

Wenn sich dieser Trend fortsetzt, werden wir das Jahr 2026 mit deutlich mehr als 60.000 registrierten CVE abschließen. Das wären 5.000 CVE/Monat oder 164 CVE/Tag.

Gleichzeitig sinkt die mittlere Zeit von der Veröffentlichung eines CVE bis zu einem Exploit, wie Abbildung 2 zeigt.

Abbildung 2: Die mittlere Zeit zwischen der Veröffentlichung einer Schwachstelle und des Exploits sinkt stetig (schwarze Linie). Quelle: https://zerodayclock.com/ (letzter Abruf: 2026-06-28)

Lag die mittlere Zeit zwischen der Veröffentlichung eines CVE und des Exploits 2023 noch bei über 4 Monaten, ist diese auf 21,5 Tage im Jahr 2025 gesunken. Für 2026 wird diese sogar mit nur noch 3 Stunden angegeben.

Noch bedrohlicher wirkt die Lage, wenn man sich ansieht, für wie viele CVE noch am gleichen Tag oder sogar vor deren Veröffentlichung ein Exploit bekannt wird (siehe Abbildung 3). Man spricht hier auch von Zero-Day-Exploits.

Abbildung 3: Rate der Zero-Day-Exploits, gemessen in Prozent an der Anzahl CVE pro Jahr (rote Linie). Quelle: https://zerodayclock.com/ (letzter Abruf: 2026-06-28)

Im Jahr 2024 gab es für 47,9% der CVE einen Zero-Day-Exploit. Im Jahr 2025 war das bereits für mehr als die Hälfte der Fall, nämlich 53,6 %. Das Jahr 2026 ist noch in vollem Gange. Die Rate der Zero-Day-Exploits liegt mit bisher 76,9% nochmals deutlich höher.

Es wird für die Paketbetreuenden, Upstream-Entwickelnden und Software-Herstellenden Menschen immer herausfordernder, einen Patch bereitzustellen, bevor ein Exploit existiert und aktiv gegen verwundbare Systeme eingesetzt wird.

Klassische Ansätze funktionieren nicht mehr

Aus meiner beruflichen Tätigkeit als Red Hat TAM und als Sysadministator bei verschiedenen Unternehmen ist mir bekannt, dass unterschiedliche Unternehmen und Organisationen sehr verschieden mit Schwachstellen und deren Behandlung umgehen.

Allen ist gemein, dass sie für ihre Anwendungen Wartungsfenster vereinbaren, in denen z.B. Sicherheitsaktualisierungen installiert werden, um vorhandene Schwachstellen zu schließen. Einige haben einen Patchday pro Jahr, manche patchen einmal im Quartal und wieder andere monatlich. Einzelne Unternehmen können dies sogar noch schneller.

Die einen haben regelmäßig wiederkehrende Wartungsfenster, die anderen müssen diese bei Bedarf anmelden. Einige haben schlanke Prozesse, einige nutzen Change-Management nach ITIL.

Um die Integrität, Verfügbarkeit und Vertraulichkeit der eigenen Informationssysteme und deren umgebener Infrastruktur zu schützen, sind zwei Grundsätze seit vielen Jahren allgemein bekannt:

  1. Installiere verfügbare Sicherheitsaktualisierungen so schnell wie möglich.
  2. Nutze und implementiere Verteidigung in der Tiefe.

Die beiden Grundsätze stehen nicht in einer Entweder-Oder-Beziehung. Sie sollten beide berücksichtigt werden.

In meinen Augen ist es längst nicht mehr zeitgemäß, Sicherheitsaktualisierungen jährlich oder quartalsweise zu installieren. Eine kleine Ausnahme mögen hier Systeme bilden, deren Nutzerkreis stark eingeschränkt ist und auf die ausschließlich über wenige sehr gut gesicherte Kanäle zugegriffen werden kann.

Um es deutlich zu sagen: „Für wochen- oder tagelange Change-Management-Prozesse bleibt keine Zeit. Wer weiterhin so arbeitet, riskiert die Informationssicherheit seiner Umgebung.“

Wer alle seine Systeme einmal im Monat wartet und neustartet, bewegt sich in meiner Wahrnehmung aktuell im Mittelfeld dessen, was man im Feld findet. Doch auch hierauf darf sich niemand ausruhen. Existiert zu einem CVE ein Exploit und ein Patch, erscheint es fahrlässig, bis zu einem Monat mit dessen Installation zu warten.

Leider fehlt etlichen Unternehmen bzw. Organisationen noch immer die Fähigkeit schnell festzustellen, ob ihre IT-Dienste korrekt ausgeführt werden. Patch-Management-Zyklen sehen hier meist vor, dass zuerst einige Systeme aktualisiert werden, dann wartet man 1-2 Wochen, ob jemand meckert und dann aktualisiert man die restlichen Systeme. Das ist nicht mehr zeitgemäß.

Aus der eingangs beschriebenen Bedrohungslage folgend muss das neue Ziel lauten, jedes individuelle System an jedem Tag aktualisieren und neustarten zu können. Die Funktion von IT-Diensten ist durch automatisierte Mechanismen wie z.B. Monitoring oder automatisierte Tests zu verifizieren, um schnell mit der nächsten Stage fortfahren zu können. Wer dieses Ziel noch nicht erreicht hat, sollte sich schnellstens auf den Weg machen. Selbst wenn die 100% unerreichbar scheinen, ist jedes System, das man schnell absichern kann, ein deutlich geringeres Risiko für die eigene Informationssicherheit.

Wo Sicherheitsaktualisierungen nicht zeitnah eingespielt werden können, lässt sich das Risiko durch Verteidigung in der Tiefe minimieren. Kommunikationsverbindungen von und zu betrachteten Systemen sind zu überwachen und ggf. zu limitieren. Doch auch diese Maßnahmen müssen schnell verfügbar und umsetzbar sein. Wer erst zwei Wochen diskutieren muss, ob man den Zugriff auf einen Dienst einschränken könne, müsse, sollte, handelt nicht angemessen.

Zusammenfassend sehe ich unklare Verantwortlichkeiten, langwierige Abstimmungsprozesse und manuelle Tätigkeiten als Gift und Risiko für die Informationssicherheit. Klare Strukturen, geklärte Verantwortlichkeiten und Automation sind kein nice-to-have, sondern ein MUSS.

Wie geht ihr damit um?

Nun möchte ich von euch wissen: „Patcht ihr schon oder prozessiert ihr noch?“

Ich bin sehr daran interessiert zu erfahren, wie es in den Umgebungen meiner Lesenden und derer Bekannten zugeht. Daher freue ich mich sehr, wenn ihr (gern anonym) euer Patch-Management-Konzept, die Branche eures Unternehmens und die ungefähre Größe eurer Umgebung mit der Gemeinschaft bzw. mir teilt.

  • Ihr habt euer Patch-Management im eigenen (Firmen-)Blog beschrieben? Teilt bitte den Link in den Kommentaren.
  • Sendet mir gerne eine E-Mail an patchmanagement@my-it-brain.de.
  • Beschreibt euer Patch-Management in den Kommentaren unter diesem Beitrag.

Evtl. werde ich eure Beispiele anonymisiert unter ausschließlicher Nennung der Branche (falls bekannt) in Vorträgen, Diskussion und weiteren Arbeiten zu diesem Thema verwenden. Bitte schreibt ausdrücklich dazu, wenn ihr dies nicht wünscht.

Ich freue mich auf eure Beiträge, Zusendungen und wenn ihr diesen Artikel in euren Netzwerken teilt.

2. Erfahrungsbericht zum Reise-Router GL.iNet GL-A1300 mit OpenWrt und Travelmate

Ein Wohnmobil, drei Reisende, vier Tage und fünf internetfähige Geräte (von denen wir wissen). Diese bilden den Rahmen für den zweiten Erfahrungsbericht zu meinem Reise-Router GL.iNet GL-A1300 mit OpenWrt und Travelmate.

Nach unserem Kurzurlaub habe ich meine Frau gefragt, ob sie den kleinen Reise-Router nützlich fand. Die Antwort war ein klares Ja. Es hat ihr gefallen, dass wir den kleinen Router nur mit einem USB-Anschluss versorgen und mit einem Uplink verbinden mussten und alle unsere internetfähigen Geräte waren ohne weitere Konfiguration wieder online. Das freut mich sehr, denn genau dies war der erhoffte Effekt.

Mir ist aufgefallen, dass ich das LuCI-Webinterface nicht mit den Webbrowsern meines Android-Smartphones aufrufen kann, mit denen meines Android-Tablets aber schon. Ich nutze auf beiden Firefox und Firefox Klar. Falls jemand eine Erklärung, für dieses Mysterium hat, freue ich mich über einen Kommentar.

AdBlock Fast klemmte zu Beginn. Ein apk update gefolgt von einem apk upgrade auf der CLI löste das Problem jedoch schnell in Luft auf.

An Plätzen, an denen kein Uplink-WLAN verfügbar war, habe ich den mobilen Hostspot meines Smartphones als Uplink benutzt. Auch dies hat gut funktioniert. Da sich das Smartphone meist in meiner Hosentasche befindet, habe ich mich einige Male damit aus der Reichtweite des Reise-Routers entfernt. Dramatisch war auch dies nicht, wurde jedoch umgehend durch humanoide Überwachungssysteme angezeigt. ;-)

Natürlich hat GL.iNet mit dem Mudi 7 (GL-E5800) auch für dieses Luxusproblem eine Lösung im Angebot. Allerdings sind mir die ca. 425 Euro für diesen Luxus etwas zu viel. Kennt ihr Alternativen, die über ähnliche Funktionen verfügen? Also klein, kompakt und fähig eine SIM-Karte zu tragen? Dann teilt diese doch bitte in den Kommentaren.

Der Reise-Router hat sich während einer Dienstreise und einer viertägigen Urlaubsreise bewährt und wird uns bzw. mich auch zukünftig auf diesen Reisen begleiten.

Vorstellung von 2,5 großartigen Open-Source-Projekten

Getreu dem Motto „Nutze Gutes und schreibe darüber“ stelle ich im heutigen Beitrag die Open-Source-Projekte lab-toolbox, kcli und kcli-toolbox vor.

Lab-toolbox

Die lab-toolbox ist ein Projekt von meinem TAM-Kollegen Chris Huang. Es handelt sich dabei um ein Python-Skript, welches die Erstellung von virtuellen Maschinen (VM) mit Red Hat Enterprise Linux (RHEL) unter KVM/QUEMU vereinfacht und beschleunigt.

Hinter der Idee zu diesem Projekt steckt dieser Anwendungsfall:

Als Plattform-TAMs müssen wir regelmäßig Dinge unter verschiedenen RHEL-Versionen testen. Häufig muss hierzu eine frische VM auf unserem Laptop herhalten, die nach dem Test auch direkt wieder entsorgt werden kann. Dies kann nun bspw. mit dem folgenden Kommando erledigt werden:

./create_vm.py --rhel 10 --hostname rhel10-1 --memory 4096 --vcpus 2

Mit diesem einen Befehl werden folgende Aufgaben ausgeführt:

  1. Es wird das aktuelle RHEL 10 Image auf der lokalen Festplatte genutzt, um eine RHEL 10 VM mit 4 GB RAM und 2 vCPU zu erstellen
  2. Das Skript fragt nach einem Passwort für den Konsolen-Login oder bietet an, sich ausschließlich per SSH einzuloggen
  3. Es generiert automatisch die Konfiguration für cloud-init, um:
    • den aktuellen Benutzer innerhalb der neuen VM zu erstellen
    • den SSH-Public-Key des Benutzers hinzuzufügen (automatisch oder per Option)

Ist die VM erstellt, können wir uns direkt mit unserem Benutzer und dessen SSH-Schlüssel einloggen.

Es gibt im Internet viele Wrapper-Skripte, welche die Einrichtung von lokalen VMs vereinfachen sollen. Mir gefällt an diesem besonders, dass es einen meiner häufigsten Anwendungsfälle auf den Punkt bedient. Dazu gibt es ein ausführliches README.md mit einer ausführlichen Dokumentation und einigen Beispielen.

Danke Chris, dass du dieses tolle Projekt mit uns teilst.

Kcli

Wenn es ein bischen mehr sein darf und z.B. folgende Funktionen gewünscht sind:

  • Deplyoment von Cloud-Images bei verschiedenen Providern (z.B. libvirt, KubeVirt, oVirt, OpenStack, VMware vSphere, AWS, Azure, GCP, IBM cloud and Hcloud) mit einem einzigen Werkzeug
  • Profile, um VMs mit der gleichen Hardware-Charakteristik zu starten
  • Komplette Labor-Umgebungen in YAML deklarieren und ausrollen
  • Große Auswahl an Cloud-Images verschiedener Linux-Distributionen
  • Einfache Verteilung und Integration von SSH-Schlüsseln
  • Automatische Registrierung von RHEL-VMs

Dann ist das Projekt kcli von meinem Kollegen Karim Boumedhel und vielen weiteren Beitragenden vielleicht etwas für euch. Wenn ihr jetzt neugierig geworden seid, werft für weitere Informationen einen Blick in die Dokumentation.

Als TAM und Sysadmin möchte ich auch komplexe Systeme testen, welche häufig aus mehreren VMs bestehen. Da mein Laptop hier schnell an seine Grenzen stößt, möchte ich diese Laborumgebungen auch bei anderen Anbietern bereitstellen können. Hierfür scheint mir dieses Projekt gut geeignet zu sein.

Kcli-toolbox

Dies ist der 0,5-Anteil der Vorstellungen in diesem Artikel. Damit ist nicht gemeint, dass es erst zur Hälfte fertig ist. Es ist vielmehr kein richtiges Projekt, sondern lediglich ein Containerfile und ein Custom-Toolbox-Build.

Toolbx ist ein Werkzeug für Linux, welches ein CLI für Softwareentwicklung und Troubleshooting bereitstellt, ohne dass ihr dafür alle notwendigen Werkzeuge auf eurem Host-System installieren müsst. Eine Toolbox basiert auf einem OCI-Container-Image. Es gibt sie in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Bitte schaut für weitere Informationen in die Dokumentation.

Bei kcli-toolbox handelt es sich um ein Toolbox-Container-Image, bei dem kcli schon vorinstalliert ist. Das Image wird jeden Dienstag um 03:42 Uhr Ortszeit neu gebaut, um es auf einem aktuellen Stand zu halten.

Mir enthält der Abschnitt „Container Install“ der kcli-Dokumentation zu viele Optionen und aliases, die ich mir nicht merken möchte. Die Builds für EPEL-9 schlagen seit einiger Zeit fehl, so dass ich unter RHEL 9 nicht die letzte Version als RPM nutzen kann. Daher kam mir die Idee zu kcli-toolbox. Ich habe hiermit die aktuellste Version für Fedora 44 und kann diese so natürlich nutzen, als wäre sie als RPM-Paket installiert.

Probiert es doch gerne selbst einmal aus. Hinweise dazu findet ihr in der README.md.

Versteckte CLI-Optionen in Open-Source-Projekten: Fluch oder Segen?

Transparenzhinweis: Der Entwurf dieses Artikels wurde mithilfe der Mistral-KI Le Chat erstellt und von mir redigiert.

Versteckte CLI-Optionen: Warum Entwickler sie nutzen – und warum das umstritten ist

In der Welt der Open-Source-Software gibt es eine Praxis, die immer wieder für Diskussionen sorgt: das Verstecken von CLI-Optionen (Command Line Interface). Diese Optionen sind oft nicht in der offiziellen Dokumentation aufgeführt, werden aber dennoch im Code implementiert – sei es für Debugging-Zwecke, als Notlösung für spezielle Anwendungsfälle oder als „Geheimtipp“ für erfahrene Nutzer.

Ein Beispiel ist der Commit im xfsprogs-Projekt, der die Erstellung von XFS-Dateisystemen kleiner als 300 MB standardmäßig blockiert. Gleichzeitig wurde eine undokumentierte Option (--unsupported) eingeführt, um diese Beschränkung zu umgehen – allerdings ohne Hinweis in der Manpage mkfs.xfs(8) oder Hilfeausgabe.

Doch warum tun Entwickler das? Und welche Vor- und Nachteile hat diese Praxis für Nutzer, Maintainer und die Community?


Warum versteckte CLI-Optionen existieren

1. Flexibilität für Entwickler und Tester

  • Debugging & Testing: Versteckte Optionen ermöglichen es Entwicklern, spezielle Testumgebungen zu simulieren oder Fehler zu reproduzieren, ohne die Stabilität der Software für Endnutzer zu gefährden.
  • Beispiel: Im xfsprogs-Commit wird die 300-MB-Beschränkung für automatisierte Tests (fstests) deaktiviert, wenn bestimmte Umgebungsvariablen gesetzt sind. Das verhindert, dass Hunderte von Tests angepasst werden müssen.

2. Schnelle Lösungen für Nischenprobleme

  • Manchmal gibt es seltene Anwendungsfälle, die so selten sind, dass eine offizielle Unterstützung nicht sinnvoll erscheint.
  • Beispiel: Die Option --unsupported für mkfs.xfs, da diese im Normalbetrieb gefährliche Folgen, wie den Verlust von Leistung und Redundanz, haben können.

3. Vermeidung von Missbrauch

  • Manche Optionen sind potenziell gefährlich (z. B. das Umgehen von Sicherheitsprüfungen). Durch das Verstecken sollen nur Nutzer mit entsprechendem Wissen darauf zugreifen.

Die Kehrseite der Medaille: Warum versteckte Optionen problematisch sind

1. Mangelnde Transparenz

  • Open Source lebt von Transparenz und Gemeinschaft. Versteckte Optionen widersprechen diesem Prinzip: Nutzer wissen nicht, welche Möglichkeiten es gibt, und können die Software nicht voll ausschöpfen und damit nicht uneingeschränkt nutzen.
  • Frage: Wenn eine Option (nur in seltenen Ausnahmefällen) nützlich ist, warum sollte sie nicht dokumentiert werden?

2. Wartungsaufwand und „Technical Debt“

  • Undokumentierte Features werden schnell zu „Technical Debt“: Neue Entwickler kennen sie nicht, Nutzer stoßen zufällig darauf und die Optionen werden nie offiziell unterstützt, obwohl sie vielleicht weit verbreitet sind.
  • Beispiel: Im Linux-Kernel gibt es zahlreiche obskure Kernel-Parameter, die nur in Mailinglisten oder alten Foren erwähnt werden.

3. Frustration für Nutzer

  • Nutzer, die auf ein Problem stoßen, finden keine Lösung in der Dokumentation, obwohl diese vielleicht existiert. Das führt zu unnötigen Support-Anfragen oder Workarounds.
  • Beispiel: „Für eigene Tests möchte ich XFS-Dateisysteme kleiner 300 MB erstellen. Bis ich die Option --unsupported im Quelltext gefunden habe, war mir dies nicht möglich, ohne eine veraltete Version von xfsprogs zu nutzen.“

Deine Meinung zählt: Sollten versteckte CLI-Optionen abgeschafft werden?

Die Diskussion um versteckte Optionen ist auch eine Frage der Philosophie: Sollte Open-Source-Software maximale Freiheit bieten – auch auf Kosten von Komplexität? Oder sollte sie benutzerfreundlich sein und nur offizielle, getestete Features anbieten?

Was denkst du?

  • Hast du schon einmal von einer versteckten CLI-Option profitiert oder dich über das Fehlen einer Dokumentation geärgert?
  • Sollten Projekte wie xfsprogs alle Optionen offenlegen, selbst wenn sie offiziell nicht unterstützt und im IT-Betrieb gefährlich sind?
  • Oder ist es in Ordnung, wenn Entwickler „Hintertüren“ für spezielle Fälle einbauen?

Teile deine Erfahrung in den Kommentaren!

Erfahrungsbericht: Reise-Router GL.iNet GL-A1300 mit OpenWrt

In diesem Artikel erfahrt ihr, warum ich einen Reise-Router haben möchte, welchen ich aktuell mit welcher Firmware und zusätzlichen Paketen nutze und wie zufrieden ich damit bin.

Ich erhalte weder vom Hardwarehersteller noch von den verwendeten Projekten Zuwendungen irgendwelcher Art für diesen Bericht. Er gibt ausschließlich meine persönliche Meinung wieder.

Motivation

Wir sind eine kleine Familie mit einer ganzen Menge an WLAN-Geräten. Diese Geräte begleiten uns zu Hause wie unterwegs.

Daheim kümmerten sich in der Vergangenheit Pi-hole und heute OPNsense darum, dass wir von Werbung auf unseren Geräten so gut es geht verschont bleiben.

Erst, wenn wir unterwegs sind und z.B. Hotel-WLAN oder öffentliche Hotspots nutzen, fällt uns auf, wie kaputt das Internet eigentlich ist. Unser Kind findet vor lauter Werbung die Spiele auf dem Tablet nicht wieder und der übermäßige Werbemüll vermiest uns jeden Medienkonsum.

Ich habe keine Lust, jedes Gerät einzeln zu konfigurieren, um der Werbeindustrie Widerstand zu leisten. Daher möchte ich einen Reise-Router zu Hilfe nehmen. Die Idee ist, dass ich einen kleinen Router mit dem Hotel-WLAN verbinde, welcher dann für unsere Geräte ein WLAN aufspannt. Dieser Router stellt Dienste wie DHCP, DNS und einen Werbeblocker bereit, welche von allen verbundenen Geräten genutzt werden können.

Zusätzlich lässt sich mit dem Reise-Router auch die Einschränkung in manchen Hotels umgehen, wo sich nur ein einziges Gerät mit den bereitgestellten Zugangsdaten gleichzeitig mit dem Hotel-WLAN verbinden darf.

Dies kommt mir auch beruflich zugute, wo ich meist mit Handy und Laptop reise. So kann ich meine Geräte durch die im Reise-Router integrierte Firewall zusätzlich schützen. Ich kann sogar eine kleine, mobile Laborumgebung mithilfe des Routers aufbauen.

Slate Plus (GL-A1300)

Ich habe auf Mastodon um Empfehlungen gebeten und mit Kollegen gesprochen. Danke euch allen für eure Unterstützung. Am Ende habe ich mich für den Slate Plus (GL-A1300) von GL.iNet entschieden:

Erworben habe ich diesen bei einem großen Online-Gemischtwarenhändler für 76,99 Euro. Anschließend habe ich OpenWrt 24.10.5 via SSH darauf installiert. Das OpenWrt-Projekt ist ein Linux-Betriebssystem für eingebettete Systeme, wie den hier genannten GL-A1300.

Um OpenWrt auf einem Router zu installieren, sind fortgeschrittene Kenntnisse im Bereich der Systemadministration erforderlich. Es besteht trotz guter Software und Dokumentation die Gefahr, dass man sein Gerät bei diesem Vorgang unbrauchbar macht (bricked). Ich beschreibe die Installation hier nicht im Einzelnen und verweise auf das OpenWrt Wiki.

Travelmate, ein Verbindungsmanager für Reise-Router

Travelmate läuft auf OpenWrt und stellt eine Verbindung (Uplink) zum WLAN-Zugangspunkt/Hotspot z.B. des Hotels, der Ferienunterkunft her. Travelmate wird dann zum Zugangspunkt (Access Point) für unsere Geräte und bietet uns einen sicheren Zugang zum Internet.

Travelmate verwaltet alle Netzwerkeinstellungen, Firewall-Einstellungen, Verbindungen zum WLAN usw. und stellt automatisch eine (erneute) Verbindung zu konfigurierten APs/Hotspots her, sobald diese verfügbar sind.

Hilfe zur Installation und Konfiguration bietet die Travelmate-Seite im OpenWrt Wiki. Nach der Installation habe ich Travelmate genutzt, um meinen Reise-Router mit meinem WLAN zu Hause zu verbinden. Dies geht genauso einfach, wie einen Laptop in das WLAN zu integrieren.

Während ich die Zeilen für diesen Abschnitt schreibe, bin ich mit meinem Laptop mit dem WLAN des GL-A1300 verbunden, welcher über mein Heim-WLAN mit dem Internet verbunden ist. Das folgende Bild dient der Veranschaulichung des Testaufbaus:

Das Bild zeigt von links nach rechts die Symbole für einen Laptop, einen WLAN-Router der den Reise-Router GL-A1300 repräsentiert, ein WLAN-Symbol für das Heimnetzwerk, eine Firewall und ein Symbol für das Internet.
Testaufbau mit dem Reise-Router GL-A1300

AdBlock-Fast

AdBlock-Fast ist ein leistungsstarker Werbeblocker-Dienst für OpenWrt, der sich in Dnsmasq, SmartDNS und Unbound integrieren lässt. Er unterstützt das parallele Herunterladen und Verarbeiten von Remote-Block- und Allow-Listen und optimiert diese in effiziente, mit Resolvern kompatible Formate.

Die Installation verlief wie beschrieben. Ich habe wahllos einige Block-Listen heruntergeladen und aktiviert. Einen Test werde ich auf meiner nächsten Dienstreise durchführen.

Erster Einsatz im Hotel

Der erste Praxistest erfolgte auf Dienstreise im Hotel.

Im Hotelzimmer wird der Reise-Router über ein USB-C-Kabel und ein Standards-USB-Ladegerät mit Strom versorgt. Ich starte meinen Laptop und verbinde mich mit dem WLAN des Reise-Routers. Anschließend öffne ich das Webinterface des Reise-Routers in meinem Webbrowser. Die Standards-IP-Adresse von OpenWrt lautet 192.168.1.1. Unter Services/Travelmate/Wireless Stations scanne ich nach verfügbaren Netzwerken und stelle eine Verbindung zum offenen Hotel-WLAN her.

Das Hotel bietet ein offenes WLAN ohne Authentifizierung an. Um in das Internet zu gelangen, muss man jedoch zuerst die Nutzungsbedingungen auf einer Portalseite bestätigen. Dies erledige ich über mein Telefon, welches ich mit dem WLAN des Reise-Routers verbinde. Die Bestätigungsseite wird hier einmalig angezeigt. Alle weiteren Geräte können das Internet nutzen, ohne dies nochmals separat bestätigen zu müssen. Denn aus Sicht des Hotel-WLANs ist nur ein WLAN-Client verbunden.

Um den AdBlocker zu testen, habe ich eine Runde in meiner Skat-App gespielt. Ohne AdBlocker sieht man hier sein Blatt vor lauter Werbung nicht. Auch hier funktioniert alles wie gewünscht.

Fazit

Einzig die Firmware auf die Hardware zu flashen erfordert fortgeschrittene Kenntnisse. Die anschließende Nutzung des Reise-Routers ist unkompliziert.

Die Stromversorgung über USB macht das Gerät einfach und flexibel einsetzbar. Die Verbindungsqualität ist gut und der Werbeblocker arbeitet wie erwartet. Evtl. werde ich noch das Wireguard-VPN testen. Dies könnte nützlich sein, um mich zu meinem Heimlabor zu verbinden.

Als nächstes werde ich alle unsere WLAN-Gräte für die Nutzung des Reise-Routers konfigurieren, so dass wir das nicht unterwegs tun müssen.

Von scrartcl zu typst

In der Vergangenheit habe ich viele Dokumente, wie z.B. Hausarbeiten, Aufsätze, Briefe, Dokumentationen und Präsentationen mit LaTeX erstellt. In der Vorbereitungsphase für einen Vortrag haben Dirk und ich beschlossen, Typst zu lernen.

Wie ich Briefe mit Typst statt LaTeX schreibe, habe ich bereits beschrieben. Hier schreibe ich, wie ich meine Notfalldokumentation von scrartcl zu typst migriert habe.

Ich habe kein Werkzeug zur automatischen Konvertierung genutzt, da ich zu faul war, ein solches erst zu finden und zu erlernen. Stattdessen habe ich Vim genutzt und die entsprechenden Umgebungen ersetzt. Das war in diesem Fall in Ordnung, kann aber bei komplexeren Dokumenten schnell in Arbeit ausarten. Allerdings werden Automaten bei zunehmend komplexen Projekten ebenfalls an ihre Grenzen kommen.

Im Folgenden findet ihr einen kurzen Vergleich der Syntax-Elemente.

Die Preamble (Vorspann)

Die Preamble ist der Teil des LaTeX-Dokuments, der vor dem eigentlichen Inhalt steht. Hier werden grundlegende Einstellungen und Pakete definiert, die während der Dokumenterstellung verwendet werden. Die Preamble beginnt immer mit dem Befehl \documentclass und endet mit dem Befehl \begin{document}.

Quelle: https://www.namsu.de/LaTeX-Buch/kap2-2.html

Die LaTeX-Preamble meiner Dokumentation sieht wie folgt aus:

\documentclass[a4paper,parskip=half,numbers=noenddot]{scrartcl}
\usepackage[ngerman]{babel}
\usepackage[T1]{fontenc}
\usepackage[utf8x]{inputenc}
\usepackage{lmodern}
\usepackage{graphicx}
\usepackage{subcaption}
\usepackage[ngerman]{varioref}
\usepackage{pdfpages}
\usepackage{hyperref}

%opening
\title{Dokumentation des Heimnetzwerks in der Triftenstr. 10}
\author{Jörg Kastning}

\begin{document}

Der Vorspann meiner typ-Datei zum Vergleich:

#set page(paper: "a4", numbering: "1")
#set heading(numbering: "1.1")
#set text(lang: "de")
#set document(
  title: [Dokumentation des Heimnetzwerks in der Triftenstr. 10],
  author: "Jörg Kastning"
)

Die Syntax-Elemente werden in der Typst-Referenz erklärt, z.B.:

Die Referenz ist ständig in einem Browser-Tab geöffnet, wenn ich mit typst arbeite. Dies wird so bleiben, bis ich die am häufigsten verwendeten Funktionen auswendig kenne.

Grundsätzlich halte ich mich an das KISS-Prinzip und den Grundsatz: Form follows function (Deutsch: die Form folgt der Funktion bzw. dem Inhalt). Ich möchte mich so viel wie möglich mit dem Inhalt beschäftigen und möglichst wenig Zeit mit dem Satz bzw. der Formatierung zubringen.

Abbildungen und Tabellen

Zu den häufigsten Umgebungen zählen vermutlich Abbildungen und Tabellen. In der LaTeX-Version habe ich diese wie folgt gesetzt:

\begin{tabular}{ll}
    Vertragsnummer  & 12345\\
    Kundennummer  & 98765432\\
    Tarif & zuhause100\\
\end{tabular}

\begin{figure}
    \centering
    \includegraphics[scale=0.3]{bilder/bild.jpg}
    \caption{Meine super Bildunterschrift}
    \label{fig:bild}
\end{figure}

\begin{figure}
    \begin{subfigure}[c]{0.5\textwidth}
        \includegraphics[width=0.9\textwidth]{bilder/front.jpg}
        \subcaption{Frontansicht}
    \end{subfigure}
    \begin{subfigure}[c]{0.5\textwidth}
        \includegraphics[width=0.9\textwidth]{bilder/rear.jpg}
        \subcaption{Rückansicht}
    \end{subfigure}
    \caption{Das sind zwei tolle Abbildungen.}
    \label{fig:bild2}
\end{figure}

Für das LaTeX-Konstrukt subfigure habe ich keinen entsprechenden Ersatz in typst gefunden. Ich setze dies in einzelnen Abbildungen hintereinander um. Die Umgebungen sehen nun wie folgt aus:

#figure(
  table(
    columns: 2,
    stroke: (x: none),
    [Vertragsnummer], [12345],
    [Kundennummer], [98765432],
    [Tarif], [zuhause100],
  ),
  caption: [Vertragsinformationen],
) <referenz-name>

#figure(
  image("bilder/bild.jpg", width: 30%),
  caption: [Meine super Bildunterschrift],
) <referenz_name2>

Tabellen und Bilder werden beide in einer figure-Umgebung gesetzt. Dies macht in meinen Augen Sinn, da beide Umgebungen in der Regel mit einer Über- bzw. Unterschrift versehen werden, häufig zentriert gesetzt und mit einer Referenz versehen werden.

Ich habe mich noch nicht ganz an die Terminologie gewöhnt. Typst bezeichnet figure und table sowie die meisten anderen Elemente als Funktionen und nicht als Umgebungen.

Aufzählungen, Links und Listen

Für nummerierte und unsortierte Listen in LaTeX siehe Abschnitt 3.18. Listen im KOMA-Script Scrguide. Für typst siehe enum und list.

Für Links steht in LaTeX das mächtige Paket hyperref bereit. In typst gibt es das link-Element.

Fazit

Mir erscheint die typst-Syntax etwas einfacher, dafür weniger flexibel zu sein. Was mir besser gefällt, mag ich noch nicht sagen, da ich noch unentschlossen bin.

Das mit LaTeX erstellte PDF sieht in meinen Augen perfekt aus. Das mit typst erstellte PDF sieht ebenfalls gut aus und ist leserlich. Es reicht in meinen Augen jedoch nicht an die LaTeX-Ausgabe heran.

In typst ist meine Preambel kürzer, die Syntax etwas einfacher. Dafür war es mir nicht so einfach möglich, die Schriftart zu ändern. Diese hätte ich erst in meine typst-Binärdatei mit einkompilieren müssen. Ein Vorgang, der mir entschieden zu aufwendig ist.

Probiert es am besten aus und entscheidet selbst, welches Ergebnis euch besser gefällt. Ich vermag (noch) nicht zu sagen, ob mir LaTeX oder typst insgesamt besser gefallen. Werft ggf. zuerst einen Blick in den Guide for LaTeX Users.

Warum und wie ich KeePass benutze

Ich könnte den Spiess ja umdrehen, wieso nutzt Du Keepass und nimmst die Unbequemlichkeit in Kauf?

Aus einem privaten Matrix-Chat mit einer Person im Internet.

Nun gut, ich möchte dieser Person den Artikel nicht schuldig bleiben. ;-)

Warum ich KeePass benutze

Dies hat wie so oft historische Gründe. Die erste Referenz zu KeePass in diesem Blog ist vom 8. Januar 2011. Etwas später, am 20.01.2011, hatte ich dem Thema einen eigenen Artikel gewidmet: Sichere Passwörter und wie man sie verwaltet. Der Artikel hat in meinen Augen nicht an Aktualität verloren, mit zwei kleinen Ausnahmen:

Bei der Wahl der KeePass-Projekte habe ich mich von diesem Artikel von Mike Kuketz beeinflussen lassen.

Ich bin privat dabei geblieben, weil ich die Nutzung gewohnt bin und bisher keinen Grund zu einem Wechsel sehe. Beruflich nutze ich inzwischen Bitwarden, da dies von meinem Arbeitgeber zur Verfügung gestellt wird und ich somit ein offiziell geprüftes und genehmigtes Werkzeug für dienstliche Zwecke verwende. Darüber hinaus finde ich Bitwarden genauso gut wie KeePassXC.

Wie ich KeePass benutze

KeePassXC ist auf allen meinen Geräten des Typs Laptop, Desktop-PC/Heimserver installiert. Auf meinem Tablet und Smartphone nutze ich KeePassDX, welcher auch im F-Droid-Store verfügbar ist.

Die KeePass-Datenbank halte ich mit einer selbstgehosteten Nextcloud auf allen Geräten synchron bzw. stelle sie dort zur Verfügung. Auf PC und Laptop ist dabei permanent eine lokale Kopie der Datenbank verfügbar. Auf dem Smartphone/Tablet steht diese nur zeitlich begrenzt zur Verfügung, nämlich bis der Android-Dateimanager der KeePassDX-App den Zugriff auf die gecachte KeePass-Datenbank-Datei entzieht bzw. diese aus dem Cache entfernt wird. Schaut für weitere Hinweise hierzu bitte in die englischsprachige FAQ des Projekts.

Der Ablauf auf dem Smartphone sieht bei mir so aus:

  1. Nextcloud-App öffnen.
  2. KeePass-Datenbank auswählen und mit KeePassDX öffnen.
  3. Datenbank-Passwort eingeben und mit der üblichen Nutzung fortfahren.

Sollte ich mein Telefon oder Tablet mal verlieren, widerrufe ich den Access-Token in meiner Nextcloud, womit das jeweilige Gerät den Zugriff auf die Nextcloud und damit auf die KeePass-Datenbank verliert. Wichtig: Dies minimiert das Risiko, dass mir eine Kopie der KeePass-Datenbank verloren geht, bietet aber keinen 100%-igen Schutz. Bei der Offline-Funktionalität von Bitwarden schätze ich das Risiko ähnlich ein.

Um die Sicherheit noch etwas zu steigern, kann ich eine Funktion zur Fernlöschung nutzen, mit der die Inhalte von meinem Gerät gelöscht werden. Achtung: Dies funktioniert nur, wenn das Gerät mit dem Internet verbunden ist.

Aktuell entsperre ich die KeePass-Datenbank nur mit einem Passwort. Ich habe mir angesehen, wie man einen YubiKey als zusätzlichen Faktor nutzen kann. Leider wurde mein YubiKey in der Kombination YubiKey 5 NFC, Fedora 43 und KeePassXC nicht erkannt. Ich habe das Troubleshooting nach kurzer Zeit abgebrochen und beschlossen, dass der YubiKey und die dazugehörige Software für Linux aus der Hölle kommen und das Thema in eine Schublade zur E-Mail-Verschlüsselung gesperrt. Falls euch diese Problem bekannt vorkommt und ihr eine einfache Lösung dafür habt, bitte lasst mich wissen, welchen Zauber ihr gewirkt habt.

Browsererweiterung vs. Zwischenablage

Ich nutze die KeePassXC-Browser-Erweiterung, um mir das Leben etwas zu erleichtern und Login-Formulare per Klick ausfüllen zu lassen. Natürlich besteht hierbei das Restrisiko, dass durch eine Schwachstelle im Browser oder der Erweiterung die Login-Informationen abgefangen werden können. Dessen bin ich mir bewusst.

100%-ige Sicherheit gibt es nicht. Wenn sich ein Keylogger auf meinem System befindet oder eine Schadsoftware, welche die Zwischenablage mitschneidet, verliere ich die Informationen ebenfalls.

Da ich dank Passwort-Manager für alle Dienste unterschiedliche Passwörter und wo möglich Mehrfaktor-Authentisierung verwende, hält sich der Schaden selbst dann in Grenzen, wenn einzelne Passwörter kompromittiert werden.

Da ich kein IT-Sicherheitsexperte bin, möchte ich es hiermit aber auch gut sein lassen.

Viele Grüße ins Internet und an die Personen an den heimischen Datensichtgeräten.

Dezentral ist wunderbar – Alternativen zu Big Tech

Es ist der erste Sonntag im Monat (und des Jahres 2026) und damit Digital Independence Day (di.day). Um kurz zu erklären worum es geht, zitiere ich von der vorstehend verlinkten Seite:

Unser digitales Leben befindet sich in der Hand weniger Superreicher. Mit der Monopolstellung ihrer Unternehmen bestimmen Menschen wie Elon Musk, Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg weltweit, wie wir uns online informieren, wie wir diskutieren, kommunizieren oder handeln. Einen solchen unkontrollierten Einfluss sollte kein Mensch und kein Unternehmen besitzen, weil wir dann nicht mehr in Freiheit leben können.

Alternativlos erscheinen die Angebote von Big Tech nur durch ihre übergroße Sichtbarkeit. Dabei gibt es zu Social-Media-Plattformen, Online-Einkauf oder Videostreaming eine Vielzahl gesellschaftsschonender Alternativen.

Freie Software und Open Source Software bieten jede Menge Alternativen zu den zentralen Diensten kommerzieller Anbieter. Doch nicht jede/r kann oder möchte diese Dienste selbst hosten. Für diese Menschen möchte ich in diesem Beitrag drei tolle Projekte aus Deutschland vorstellen, welche eine Vielzahl von Diensten (kostenlos) für euch zur Nutzung bereitstellen.

adminForge – Self-hosted Open Source Services & Linux Admin Tutorials

Unter der URL https://www.adminforge.de stellt Stefan Giebel (Stand 2025-12-27) auf 19 Servern insgesamt 72 verschiedene Dienste bereit. Und zwar nach eigenen Angaben frei, ohne Tracking, ohne Logging und ohne Werbung. Die verfügbaren Dienste gliedern sich in die Themenbereiche:

  • Netzwerk & Verwaltung
  • Online-Dienste
  • Soziales & Kommunikation
  • Alternative Frontends
  • Büro & Produktivität
  • Datenaustausch
  • Sicherheit & Datenschutz
  • Bildung & Referenz
  • Nachrichten & Lesezeichen
  • Push-Benachrichtigungen
  • Fernarbeit

Eine aktuelle Übersicht aller Dienste findet ihr unter der URL: https://adminforge.de/#services

Ich selbst nutze in 2026 die folgenden Dienste von adminForge:

Stefan bietet diese Dienste kostenlos an. Er freut sich, wenn wir seine Arbeit mit einer Spende unterstützen, was ich gerne tue.

Anoxinon e.V. – für ein gemeinschaftliches Internet

Anoxinon e.V. ist ein Verein, der sich der Förderung von Datenschutz und freier Software durch Bereitstellen von Informationen und alternativen Internetdiensten verschrieben hat. Aktuell stellt der Verein 5 Dienste bereit.

MIt https://social.anoxinon.de/@Tronde bin ich auf der Mastodon-Instanz des Vereins zuhause.

Der Verein finanziert sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge, Spenden und ggf. Zuschüsse.

tchncs.de

Seit ca. 2012 betreibt Milan unter tchncs.de Webdienste für die Öffentlichkeit. Das Angebot ist werbefrei und trägt sich durch freiwillige Spenden seiner NutzerInnen.

Am 01.01.2026 habe ich 21 Dienste gezählt, die sich auf die folgenden Kategorien verteilen:

  • Social
  • Collaboration
  • Chat
  • Blog
  • Development
  • Gaming

Aktuell nutze ich keinen der angebotenen Dienste aktiv. Gelegentlich arbeite ich in einem dort gehosteten Cryptpad mit.

Ich finde das großartig und bitte um eure Unterstützung

Privatpersonen und ein Verein stellen hier datensparsame Dienste kostenlos zur Nutzung bereit. Die Dienste, welche ich selbst aus diesem Angebot nutze, empfinde ich als stabil und zuverlässig.

Dafür, dass ich selbst keinen Betriebsaufwand habe, bin ich gerne bereit, diese Projekte durch unregelmäßige Spenden zu unterstützen.

Getreu dem Motto „tue Gutes und rede darüber“ könnt auch ihr den „Digital Independence Day“ und die drei hier vorgestellten Projekte unterstützen, z.B. indem ihr diesen Beitrag in euren Netzwerken teilt. Damit helft ihr, den Bekanntheitsgrad und potenziell die Anzahl der Spenden zu steigern.

Gedanken zum File Access Policy Daemon fapolicyd

Wie ihr in „Wenn ansible.builtin.ping kein pong zurückgibt,…“ nachlesen könnt, bin ich kürzlich mit dem File Access Policy Daemon fapolicyd aneinandergeraten. In diesem Beitrag möchte ich meine Gedanken zu dieser Anwendung und einige Links zu weiterführenden Informationen mit euch teilen.

Das Software-Framework fapolicyd steuert die Ausführung von Anwendungen basierend auf einer benutzerdefinierten Richtlinie. Dies ist eine der effizientesten Methoden, um die Ausführung nicht vertrauenswürdiger und potenziell bösartiger Anwendungen auf dem System zu verhindern.

Übersetzung aus Introduction to fapolicyd

Informationen zu fapolicyd

Lose Gedanken

Zuerst möchte ich noch ein Zitat aus einem Matrix-Kanal mit euch teilen:

Klingt ein bischen wie SELinux für Arme ^W Menschen mit Freizeit.
Ich glaube,ich muß mal was anderes machen. Irgendwas mit Holz… ;-)

Ulf Volmer im TILpod-Matrix-Kanal

Dazu möchte ich schreiben, dass fapolicyd nicht als Alternative, sondern eher als Ergänzung zu SELinux zu sehen ist. Es handelt sich dabei also um ein weiteres Werkzeug, mit dem sich steuern lässt, was auf einem System ausgeführt werden darf und was nicht.

Ich kann nachvollziehen, warum man sich solch ein Werkzeug wünscht. Es bietet potenziell eine Antwort auf die Frage: „Wie verhindere ich, dass User beliebige flatpaks aus dem Internet herunterladen und aus ihrem HOME-Verzeichnis ausführen?“

Ob es dafür wirklich gut geeignet ist, habe ich nicht getestet. Es hat jedoch gezeigt, dass es meine Python-Skripte blockieren kann. Allerdings habe ich dabei auch gelernt, dass man diesen Schutz relativ leicht umgehen kann, indem man einfach die Shebang weglässt und das Skript manuell als Argument an einen Python-Interpreter übergibt. Siehe dazu meinen Kommentar auf GitHub.

Generell scheint es aufwändig zu sein, Regeln für HOME-Verzeichnisse zu konfigurieren. Ein Pull-Request hierzu wurde zurückgezogen.

Auf mich macht dies bisher den Eindruck, dass fapolicyd in der Tat mehr Arbeit und Ärger für Sysadmins bedeutet, jedoch nur einen geringen Zugewinn an Sicherheit bringt.

Was haltet ihr davon? Teilt eure Gedanken gern in den Kommentaren. Ich freue mich, zu lernen, welche Vor- und Nachteile ihr in fapolicyd seht.

Wenn ansible.builtin.ping kein pong zurückgibt,…

…dann können keine Ansible-Playbooks auf dem Zielsystem ausgeführt werden, Sysadmins lassen vom Schreiben der Playbooks ab und wenden sich der Fehleranalyse zu. Genau das mache ich nämlich gerade.

Und damit ihr auch etwas davon habt, halte ich das Ganze in diesen Beitrag fest. Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Unerfahrene Sysadmins können lernen, wie man bei einer Fehleranalyse vorgehen kann, um nach endlich vielen Schritten zu einem Ergebnis zu kommen
  • Falls ich meine Arbeit unterbrechen muss, kann ich mich mithilfe dieses Textes besser erinnern, was ich schon getestet habe und meine Arbeit fortsetzen
  • Falls ich Expertenrat einholen muss, kann ich zeigen, was ich schon alles versucht habe

Die erfahrenen Supporter und Sysadmins unter euch sind gerne eingeladen, in den Kommentaren zu ergänzen, wie ihr bei so einem Problem vorgeht und was ich hätte besser machen können. So lernen wir alle etwas dabei.

Die Methode

Bei einer Fehleranalyse stochert man nicht einfach im Heuhaufen herum, in der Hoffnung eine Nadel zu finden. Ich gehe während der Fehleranalyse in folgender Schleife (Pseudocode) vor:

Solange das Problem besteht:
  Sichte und bewerte die vorhandenen Informationen;
  Forumuliere eine Hypothese zur Ursache des Problems;
  Überprüfe die Hypothese;
  Hast du damit das Problem gefunden, stelle es ab und höre auf;
  Hast du das Problem damit noch nicht gefunden, nimm die gewonnenen Erkenntnisse und iteriere;

Das Problem

$ ansible -i hosts host.example.com -m ping
host.example.com | FAILED! => {
    "ansible_facts": {
        "discovered_interpreter_python": "/usr/bin/python3.9"
    },
    "changed": false,
    "module_stderr": "Shared connection to host.example.com closed.\r\n",
    "module_stdout": "/usr/bin/python3.9: can't open file '/home/tronde/.ansible/tmp/ansible-tmp-1757269581.9965136-5304-74956742819711/AnsiballZ_ping.py': [Errno 1] Operation not permitted\r\n",
    "msg": "MODULE FAILURE: No start of json char found\nSee stdout/stderr for the exact error",
    "rc": 2
}

Der obige Code-Block zeigt das fehlgeschlagene Ansible-Ad-hoc-Kommando. Das Kommando führt das Module ansible.builtin.ping aus, welches prüft, ob eine Verbindung zum Zielsystem hergestellt werden kann und eine nutzbare Python-Umgebung gefunden wird. Wenn dies erfolgreich ist, sieht die Ausgabe wie im folgenden Code-Block aus:

$ ansible -i hosts host2.example.com -m ping
host2.example.com | SUCCESS => {
    "ansible_facts": {
        "discovered_interpreter_python": "/usr/bin/python3.9"
    },
    "changed": false,
    "ping": "pong"
}

Die Ausgangslage

Bevor ich mit der Fehleranalyse beginne, schreibe ich auf, was ich über meinen Ansible Control Node und meine beiden Managed Nodes weiß.

Ansible Control Node

  • Fedora release 42 (Adams)
  • ansible [core 2.18.6]
    • config file = /etc/ansible/ansible.cfg
    • ansible python module location = /usr/lib/python3.13/site-packages/ansible
    • executable location = /usr/bin/ansible
    • python version = 3.13.7 (main, Aug 14 2025, 00:00:00) GCC 15.2.1 20250808 (Red Hat 15.2.1-1)
    • jinja version = 3.1.6
    • libyaml = True

Ansible Managed Nodes

Über host.example.com und host2.example.com ist bekannt, dass es:

  • sich um Red Hat Enterprise Linux release 9.6 (Plow) handelt
  • Ich mich mit dem User tronde und SSH-Private-Key einloggen kann
    • Bei tronde handelt es sich um einen unprivilegierten Benutzer
    • Dieser darf sudo nutzen, um seine Rechte auszuweiten; dazu muss ein Passwort eingegeben werden
  • SELinux auf Enforcing steht

Die Fehlermeldung

Und ich habe natürlich eine Fehlermeldung:

"module_stdout": "/usr/bin/python3.9: can't open file '/home/tronde/.ansible/tmp/ansible-tmp-1757269581.9965136-5304-74956742819711/AnsiballZ_ping.py': [Errno 1] Operation not permitted\r\n",

Python meldet, dass die Ausführung von AnsiballZ_ping.py nicht zugelassen ist.

Hypothese 1: Es liegt nicht an AnsiballZ_ping.py

Wenn dieses Python-Skript nicht ausgeführt werden kann, kann ein anderes Python-Skript ebenfalls nicht ausgeführt weden. Um diese Hypothese zur überprüfen, versuche ich, die UID des Benutzers mit dem Modul ansible.builtin.command abzufragen:

$ ansible -i hosts host.example.com -m command -a 'id'
host.example.com | FAILED! => {
    "ansible_facts": {
        "discovered_interpreter_python": "/usr/bin/python3.9"
    },
    "changed": false,
    "module_stderr": "Shared connection to host.example.com closed.\r\n",
    "module_stdout": "/usr/bin/python3.9: can't open file '/home/tronde/.ansible/tmp/ansible-tmp-1757271016.543905-6189-111082369101490/AnsiballZ_command.py': [Errno 1] Operation not permitted\r\n",
    "msg": "MODULE FAILURE: No start of json char found\nSee stdout/stderr for the exact error",
    "rc": 2
}

Damit ist bewiesen, dass die Fehlerursache nicht allein im Skript AnsiballZ_ping.py liegt.

Hypothese 2: Es ist ein Problem mit Berechtigungen

Die Meldung [Errno 1] Operation not permitted deutet an, dass fehlende Berechtigungen die Ursache sein können. Also führe ich das Kommando auf dem betroffenen Managed Node einmal als root aus.

$ ansible -i hosts host.example.com -m ping -b -K
BECOME password: 
host.example.com | SUCCESS => {
    "ansible_facts": {
        "discovered_interpreter_python": "/usr/bin/python3.9"
    },
    "changed": false,
    "ping": "pong"
}

Root darf also, was tronde nicht darf, denn mit erweiterten Berechtigungen kann das Kommando erfolgreich ausgeführt werden. Die Python-Skripte, die tronde nicht ausführen darf, liegen im Pfad /home/tronde/.ansible/tmp/<von-Ansible-temporär-erstelltes-Verzeichnis>/AnsiballZ_{command,ping}.py.

Hypothese 3: tronde darf keine Python-Skripte ausführen

Genauer gesagt, tronde darf keine Python-Skripte ausführen, welche unterhalb von /home/tronde/.ansible/tmp/ abgelegt sind. Auch diese These wird direkt geprüft. Dazu logge ich mich per SSH als User tronde auf dem Zielsystem ein, erstelle ein einfaches Python-Skript und versuche dieses auszuführen:

$ mkdir /home/tronde/.ansible/tmp/test
$ cat << EOF > /home/tronde/.ansible/tmp/test/hello.py
> #!/usr/bin/env python3.9
> print("Hello World")
> EOF
$ chmod u+x /home/tronde/.ansible/tmp/test/hello.py
$ /usr/bin/python3.9 /home/tronde/.ansible/tmp/test/hello.py
/usr/bin/python3.9: can't open file '/home/tronde/.ansible/tmp/test/hello.py': [Errno 1] Operation not permitted

Durch diesen Test habe die Hypothese verifiziert und zusätzlich folgendes gelernt: Meine Ansible-Konfiguration auf meinem Ansible Control Node hat nichts mit dem Problem zu tun, da das Problem auftritt, wenn Ansible gar nicht beteiligt ist.

Hypothese 4: Falsche Datei-Berechigungen verhindern die Ausführung der Datei

Ich schaue mir die Datei-Berechtigungen bis zur Datei hello.py mit dem Programm namei(1) an:

$ namei -mo /home/tronde/.ansible/tmp/test/hello.py
f: /home/tronde/.ansible/tmp/test/hello.py
 dr-xr-xr-x root      root      /
 drwxr-xr-x root      root      home
 drwxr-x--- tronde tronde tronde
 drwxrwxr-x tronde tronde .ansible
 drwx------ tronde tronde tmp
 drwxr-xr-x tronde tronde test
 -rwxr--r-- tronde tronde hello.py

Das sieht auf den ersten Blick nicht verkehrt aus. Ich wechsel in das Verzeichnis und lasse mir die Attribute der Datei mit verschiedenen Programmen anzeigen.

$ cd .ansible/tmp/test/
$ stat hello.py
  File: hello.py
  Size: 46        	Blocks: 8          IO Block: 4096   regular file
Device: fd06h/64774d	Inode: 51511298    Links: 1
Access: (0744/-rwxr--r--)  Uid: ( 1000/tronde)   Gid: ( 1000/tronde)
Context: unconfined_u:object_r:user_home_t:s0
Access: 2025-09-07 21:21:08.201875001 +0200
Modify: 2025-09-07 21:23:04.564787755 +0200
Change: 2025-09-07 21:23:25.642771941 +0200
 Birth: 2025-09-07 21:21:08.201875001 +0200

$ getfacl hello.py
# file: hello.py
# owner: tronde
# group: tronde
user::rwx
group::r--
other::r--

$ file hello.py 
hello.py: writable, executable, regular file, no read permission

Datei-Berechtigungen und Linux-ACL bescheinigen dem User tronde Lesezugriff auf die Datei hello.py. Das file-Kommando bescheinigt jedoch no read permission.

Hypothese 5: Das chmod u+x verursacht das Problem

Nach der Erstellung des Skripts habe ich dieses mit chmod u+x ausführbar gemacht. Vielleicht verursacht erst dieser Befehl das Problem. Also schaue ich mir die Informationen zum Dateityp vor und nach dem Kommando an. Dazu erstelle ich ein neues Skript.

$ cat <<EOF >hello2.py
> #!/usr/bin/env python3.9
> print("Hello Sysadmin.")
> EOF
$ file hello2.py 
hello2.py: writable, regular file, no read permission

Damit kann ich chmod ebenfalls als Fehlerquelle ausschließen.

Hypothese 6: Shebang verursacht das Problem

Die Shebang #! sorgt dafür, dass das folgende Kommando mit dem Dateinamen als Argument ausgeführt wird. Gleichzeitig gibt die Shebang auch dem Programm file einen Hinweis darauf, um welchen Dateityp es sich handelt.

Zur Überprüfung dieser Hypothese erhebe ich zuerst die Antworten zu folgenden Fragen.

Kann das Skript ohne Shebang ausgeführt werden?

Bei der Überprüfung von Hypothese 2 habe ich verifiziert, dass root die Dateien wie gewohnt ausführen kann. Nun editiere ich die Datei hello2.py mit root-Rechten und entferne die Shebang. Anschließend versuche ich als User tronde, die Datei mit Hilfe des Python3.9-Interpreters auszuführen.

$ file hello2.py 
hello2.py: ASCII text
$ cat hello2.py 
print("Hello Sysadmin.")
$ /usr/bin/python3.9 hello2.py 
Hello Sysadmin.

Ohne Shebang kann ich das Skript ausführen. Füge ich die Shebang wieder ein, ist der Fehler zurück. Ich kann die Datei noch nicht mal mehr lesen:

$ cat hello2.py 
cat: hello2.py: Operation not permitted

$ sudo !!
sudo cat hello2.py 
#!/usr/bin/python3.9
print("Hello Sysadmin.")

Zeigen Bash-Skripte mit Shebang das gleiche Verhalten?

$ cat <<EOF >world.sh
> #!/usr/bin/env bash
> echo "Hello world."
> EOF

$ file world.sh 
world.sh: Bourne-Again shell script, ASCII text executable

$ cat world.sh 
#!/usr/bin/env bash
echo "Hello world."

$ bash world.sh 
Hello world.

$ chmod u+x world.sh

$ ./world.sh 
Hello world.

Hier ist das Verhalten wie erwartet. Damit ist zwar noch nicht sicher bewiesen, dass das Shebang-Problem mit dem Python-Interpreter zusammenhängt, es gibt aber einen ersten Hinweis.

Wie sieht die Ausgabe von file auf einem Referenzsystem aus?

Mit host2 habe ich ja ein System, das Python-Skripte ohne Fehler ausführt. Ich erstelle auch hier das hello.py-Skript inkl. Shebang und lasse mir die Ausgabe von file anzeigen:

$ cat <<EOF >hello.py
> #!/usr/bin/env python3.9
> print("Hello, world.")
> EOF

$ file hello.py 
hello.py: Python script, ASCII text executable

Hier findet sich kein Hinweis auf no read permission.

Hypothese 7: Es ist nur der User tronde betroffen

Um diese Hypothese zu prüfen, erstelle ich einen neuen Benutzer test, ein Python-Skript und prüfe, ob das Problem auftritt:

# useradd test
# su - test
$ pwd
/home/test
$ cat <<EOF >hello.py
> #!/usr/bin/env python3
> print("Hello, world.")
> EOF
$ cat hello.py 
cat: hello.py: Operation not permitted

Das Problem ist nicht auf den User tronde beschränkt. Es scheint alle nicht privilegierten User zu betreffen.

Zwischenfazit

  • Das Problem scheint Host-spezifisch zu sein, da es auf einem Referenzsystem nicht auftritt
  • Das Problem tritt nur auf, wenn nicht privilegierte User ein Python-Skript ausführen, welches eine Shebang enthält
    • Diese Skripte können jedoch mit root-Rechten ausgeführt werden
    • Ohne die Shebang können die Skripte mittels /usr/bin/python3 <scriptname> ausgeführt werden
  • Ist eine Shebang enthalten, die einen Python-Interpreter enthält, verlieren unprivilegierte User den Lesezugriff auf die Datei (cat, less, etc. sind dann ebenfalls betroffen)
  • Trage ich eine andere Shebang z.B. #!/usr/bin/bash ein, kann ich das Skript als unprivilegierter User mittels `python3 <scriptname>` korrekt ausführen

Für mich bedeutet das leider, dass ich mir nun Hilfe suchen muss, da mir die Ideen ausgehen. Also beginne ich mit einer Internetsuche nach „troubleshooting shebang in python3″… und frage anschließend eine Kollegin um Rat. Vielen lieben Dank Michi für deine Zeit und Ideen!

Die Ursache

Michi und ich haben uns in einer Videokonferenz zusammengefunden und das Problem gemeinsam untersucht. Dabei sind wir nach obigen Muster vorgegangen:

  1. Genau eine Sache überprüfen
  2. Ergebnis auswerten
  3. Eine weitere Vermutung prüfen
  4. Ergebnis auswerten usw.

Dabei haben wir uns SELinux, das Audit-Log, die Linux-ACLs, das Environment, alias, locale und die Ausgabe diverser strace-Kommandos angeschaut. Die Details spare ich an dieser Stelle ein und komme zum Wesentlichen. Michi fand diesen Foreneintrag: Non-root users unable to read perl scripts. Darin wird fapolicyd als Fehlerquelle identifiziert. Und das ist tatsächlich auch in meinem Fall der Übeltäter.

Stoppe ich fapolicyd.service, kann ich die Python-Skripte mit Shebang wieder ausführen. Starte ich den Dienst erneut, ist auch das Problem zurück. Die Ursache ist identifiziert.

Moment, was ist fapolicyd?

Das Software-Framework fapolicyd steuert die Ausführung von Anwendungen basierend auf einer benutzerdefinierten Richtlinie. Dies ist eine der effizientesten Methoden, um die Ausführung nicht vertrauenswürdiger und potenziell bösartiger Anwendungen auf dem System zu verhindern.

Übersetzung aus Introduction to fapolicyd

Die von Ansible generierten und die von mir zum Test erstellten Python-Skripte wurden in der Ausführung blockiert, da diese als nicht vertrauenswürdig eingestuft wurden.

Allerdings fällt das in diesem Fall in die Kategorie „Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht“. Denn während zwar der Zugriff auf Python-Skripte mit Shebang für nicht-privilegierte User blockiert wird, können Skripte ohne entsprechende Shebang weiterhin ausgeführt werden. Wirkliche Sicherheit bietet dies nicht. Ich mache mir dazu mal eine Notiz, um das beobachtete Verhalten im Nachgang mit den Entwicklern zu diskutieren. Vielleicht habe ich das Design und Konzept von fapolicyd noch nicht ganz verstanden.

Warum ich da nicht früher drauf gekommen bin

  • Keine Ausgabe gab einen Hinweis darauf, dass fapolicyd die Ausführung blockiert
  • Ich habe fapolicyd vor langer Zeit zum Test auf diesem Host installiert und vergessen, dass es läuft
  • Durch fehlende Konfiguration gab es keine Einträge im Audit-Log, die auf die Ursache hätten hinweisen können

Wie findet man die Ursache, wenn man weiß, dass fapolicyd läuft?

Erstmal muss man wissen bzw. sich in meinem Fall daran erinnern, dass fapolicyd läuft. Dann kann man für einen schnellen Test fapolicyd.service stoppen und prüfen, ob das Problem noch besteht.

Um nun herauszufinden, warum fapolicyd die Ausführung von Python-Skripten mit Shebang blockiert, folge ich der Dokumentation in Kapitel 12.6. Troubleshooting problems related to fapolicyd. Ich stoppe fapolicyd.service und starte den Dienst mit dem Befehl fapolicyd --debug-deny. Damit werden nur Einträge ausgegeben, die blockierte Zugriffe zeigen. In diesem Modus führe ich den ursprünglichen Ansible-Ad-hoc-Befehl ansible -i hosts host.example.com -m ping aus, der wie erwartet fehlschlägt. In der Ausgabe auf host.example.com sehe ich nun:

09/08/2025 20:39:07 [ DEBUG ]: Rule number API supported yes                                            
09/08/2025 20:39:08 [ DEBUG ]: rule=11 dec=deny_audit perm=open auid=1000 pid=693342 exe=/usr/bin/python3.9 : path=/home/tronde/.ansible/tmp/ansible-tmp-1757356747.8650832-23284-14960045792104/AnsiballZ_ping.py ftype=text/x-python trust=0
09/08/2025 20:39:08 [ DEBUG ]: rule=11 dec=deny_audit perm=open auid=1000 pid=693342 exe=/usr/bin/python3.9 : path=/home/tronde/.ansible/tmp/ansible-tmp-1757356747.8650832-23284-14960045792104/AnsiballZ_ping.py ftype=text/x-python trust=0

Die Lösung

Damit ich host.example.com mit Ansible verwalten kann, muss ich die Ausführung von Python-Skripten unterhalb von /home/tronde/.ansible/tmp/ erlauben. Das dazu erforderliche Vorgehen ist in der Dokumentation in Kapitel 12.4. Adding custom allow and deny rules for fapolicyd beschrieben. Für meinen konkreten Fall sehen die einzelnen Schritte wie folgt aus:

Nach obiger Ausgabe habe ich Regel 11 (rule=11) getriggert. Also schaue ich mir zuerst an, was in Regel 11 steht und anschließend, in welcher Datei unterhalb von /etc/fapolicyd/rules.d diese Regel steht:

~]# fapolicyd-cli --list | grep 11
11. deny_audit perm=any all : ftype=%languages

~]# grep 'deny_audit perm=any all : ftype=%languages' /etc/fapolicyd/rules.d/*
/etc/fapolicyd/rules.d/70-trusted-lang.rules:deny_audit perm=any all : ftype=%languages

Anschließend erstelle ich eine Allow-Regel, in einer neuen Datei. Diese muss lexikalisch vor obiger Datei mit der Deny-Regel liegen:

~]# cat <<EOF >/etc/fapolicyd/rules.d/69-trusted-ansible-scripts.rules
> allow perm=any exe=/usr/bin/python3.9 trust=1 : dir=/home/tronde/.ansible/tmp/ trust=0
> EOF

~]# fagenrules --check
/sbin/fagenrules: Rules have changed and should be updated

~]# fagenrules --load
~]#

Anschließend führe ich zum Test folgende Kommandos aus:

  1. Auf host.example.com: fapolicy --debug-deny
  2. Auf meinem Ansible Control Node: $ ansible -i inventory host.example.com -m ping

Ich bestaune das gewünschte Ergebnis:

host.example.com | SUCCESS => {
    "ansible_facts": {
        "discovered_interpreter_python": "/usr/bin/python3"
    },
    "changed": false,
    "ping": "pong"
}

Nun beende ich den Debug-Modus und starte fapolicyd.service. Fehleranalyse und Entstörung sind damit beendet.

Für welche Anwendungsfälle diese Lösung funktioniert

Die obige Lösung sorgt dafür, dass Python-Skripte unterhalb des Verzeichnisses /home/tronde/.ansible/tmp/, welche eine Python-Shebang beinhalten, mit dem Python-Interpreter /usr/bin/python3.9 ausgeführt werden können.

Diese Lösung funktioniert nicht

  • Für andere unprivilegierte User außer tronde
  • Für andere Python-Interpreter wie z.B. /usr/bin/python3 oder /usr/bin/python3.11

Hinterher ist man immer schlauer

Jetzt, wo ich weiß, wonach ich suchen muss, finde ich auch direkt mehrere Treffer in den Red Hat Solutions:

Dokumentation findet sich neben der Manpage fapolicyd(8) z.B. auch im RHEL 9 Security Hardening Guide ab Kapitel 12. Mit RHELDOCS-20981 – Improve section „Deploying fapolicyd“ in RHEL Security Hardening Guide – habe ich zudem einen Verbesserungsvorschlag eingereicht.

Fazit

Dieser Text hat an einem konkreten Beispiel gezeigt, wie eine strukturierte Fehleranalyse durchgeführt wird. Diese führt über die Problembeschreibung sowie das Formulieren von Hypothesen und deren Falsifizierung/Verifizierung nach endlich vielen Schritten zu einer Lösung.

Die Länge des Textes zeigt, wie aufwändig eine Fehleranalyse werden kann. Wenn man keinen direkten Zugriff auf das betroffene System hat und mit jemandem ausschließlich über ein Ticket-System kommunizieren kann, wird schnell klar, dass sich ein Fall über mehrere Tage und Wochen hinziehen kann.

Ich war irgendwann geistig erschöpft und hatte keine Lust mehr allein weiterzumachen, da mir die Ideen ausgingen. In diesem Fall hilft es, sich einen frischen Geist zur Unterstützung zu holen. Gemeinsam mit meiner Kollegin Michi konnte die Ursache (fapolicyd) identifiziert werden.

Mit Hilfe der Dokumentation war ich dann auch in der Lage, das Problem zu lösen. Ich kann nun Ansible-Playbooks auf dem Zielsystem ausführen.

Der Dienst fapolicyd überzeugt mich nicht. Meine Gedanken dazu werde ich in einem Folgeartikel mit euch teilen.

In einem weiteren Folgeartikel werde ich darüber schreiben, was Hilfesuchende und Supporter tun können, damit beide Seiten eine möglichst gute Support-Erfahrung haben.

Ich freue mich nun über ein gelöstes Problem und schreibe an meinem Ansible-Playbook weiter.