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Roundcube mit PGP-Unterstützung

Vor Kurzem wurde Roundcube Webmail[1. Roundcube Webmail] in Version 1.2.0 veröffentlicht. Zu einer der Neuerungen zählt die Unterstützung von PGP. Dabei hat man die Wahl zwischen der client-seitigen Verschlüsselung, basierend auf der Browser-Erweiterung Mailvelope und der server-seitigen Variante mittels Enigma-Plugins.

In diesem Artikel stelle ich beide Varianten kurz vor und zeige einige Punkte auf, die beim Einsatz zu beachten sind.

Zu Beginn noch einmal kurz zur Erinnerung: OpenPGP verwendet asymmetrische Verschlüsselung[2. Asymmetrische Verschlüsselung], bestehend aus einem privaten und einem öffentlichen Schlüssel. Dabei gilt, dass der private Schlüssel unbedingt vor unberechtigtem Zugriff zu schützen ist.

Enigma-Plugin

Das Enigma-Plugin ist bereits Bestandteil von Roundcube 1.2.0. Aleksander Machniak beschreibt in seinem englischsprachigen Blog die Installation und Nutzung des Plugins.[3. Enigma plugin (PGP encryption)]

Das Plugin befindet sich demnach bereits auf dem gleichen Server, auf dem auch die Roundcube-Installation läuft. Besitzt man selbst die vollständige Kontrolle über diesen Server, ist die Nutzung des Enigma-Plugins eine komfortable Lösung.

In meinem Fall läuft der Server, welcher die Roundcube-Installation hostet, jedoch bei einem Hosting-Provider. Zwar habe ich root-Zugriff auf diesen Host, doch besitze ich nicht die vollständige Kontrolle über diesen Server. Es besteht die Möglichkeit, dass beim Provider ein Zugriff auf meinen Server und damit auch auf meinen privaten Schlüssel erfolgen kann.

Mir persönlich ist das Risiko der Kompromittierung meines privaten Schlüssels bei dieser Variante zu groß. Daher scheidet sie für mich aus.

Mailvelope

Mailvelope[4. Mailvelope Webseite] stellt über eine Browser-Erweiterung eine client-seitige OpenPGP-Verschlüsselung für Webmailer bereit. Es existieren Erweiterungen für Chrome und Firefox. Die Schlüssel werden dabei im Benutzerverzeichnis von Chrome bzw. im Profilordner von Firefox gespeichert.[5. Mailvelope – Wo werden meine Schlüssel gespeichert?] Die Chrome-Einstellung „Nutzungsstatistiken und Absturzberichte automatisch an Google senden“, sollte man jedoch besser deaktivieren. Andernfalls könnten im Falle eines Absturzes Speicherinhalte mit privaten Schlüsseln an Google gesendet werden.

Verschlüsselt man die Festplatte mit der Installation, in der sich der private Schlüssel befindet, ist dieser zusätzlich bei Verlust oder Diebstahl des Endgeräts geschützt.

Der Vorteil dieser Variante liegt in jedem Fall darin, dass sich die Schlüssel auf einem Endgerät befinden, über das der Besitzer in der Regel die vollständige Kontrolle hat. Gerade wenn die Roundcube-Installation bei einem Hosting-Provider betrieben wird, ist diese Variante daher in meinen Augen vorzuziehen.

Fazit

Dass Roundcube nun zwei Varianten zur Nutzung von OpenPGP-Verschlüsselung unterstützt, finde ich grundsätzlich positiv. Für beide genannten Varianten gibt es sinnvolle Einsatzszenarien.

In jedem Fall sollte man für einen konkreten Anwendungsfall abwägen, bei welcher Variante der private Schlüssel besser geschützt ist.

Für mich persönlich habe ich beschlossen, dass keine der beiden beschriebenen Varianten für mich in Frage kommen. Die Variante mit dem Enigma-Plugin scheidet für mich aus, da mein Mailserver bei einem Hosting-Provider betrieben wird und ich nicht die vollständige Kontrolle über den Host habe.

Die Variante mit Mailvelope kommt für mich nicht in Frage, da es mir nicht gefällt, dass die Schlüssel im Webbrowser gespeichert und verwaltet werden. Ich besuche mit meinem Webbrowser täglich dutzende Webseiten und nutze verschiedenste Webdienste. Dabei besteht grundsätzlich das Risiko, dass mein Webbrowser durch Malware kompromittiert wird. Mir persönlich ist die Gefahr zu groß, dass dabei auch mein privater Schlüssel kompromittiert bzw. entwendet wird.

Meinen E-Mail-Client verwende ich hingegen ausschließlich zum Lesen und Schreiben von E-Mails. Die Angriffsfläche ist hier wesentlich kleiner und das Risiko geringer, dass mein privater Schlüssel kompromittiert wird.

Meine Daten gehören mir

Hinweis: Der Artikel „Meine Daten gehören mir!“ erschien erstmals auf der Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung.

Vorwort

Überwachung ist kein Problem, für das es eine technische Lösung gibt. Welches Maß an Überwachung eine Gesellschaft zulässt, welche Mittel Bürgerinnen und Bürger haben, um sich zu schützen, muss politisch verhandelt und bestimmt werden. Der Souverän bestimmt, welche finanziellen und juristischen Mittel den Geheimdiensten in die Hand gegeben werden, welcher Kontrolle sie unterworfen werden – oder eben nicht.

Der Souverän, das sind in der Demokratie wir alle. Technische Gegenwehr kann dabei maximal ein Teil der Antwort sein. Um diesen Teil soll es hier gehen. Wie wir aus den Dokumenten erfahren haben, die Edward Snowden den Medien übergeben hat [2], sind die Geheimdienste technisch extrem gut ausgerüstet. Zudem verfügen sie über derart weit reichende Befugnisse oder maßen sie sich an, dass es kaum einem Menschen, der in ihr Visier gerät und direkt ausgespäht werden soll, gelingen wird, seine Kommunikation vollständig vor ihren Augen und Ohren zu verbergen. Das liegt schon daran, dass Kommunikation nun einmal zwischen mindestens zwei Beteiligten stattfindet und sie über dasselbe Maß an Expertise verfügen müssen, um ihre Kommunikation zu schützen. Solange Kommunikationstechnologien nicht „ab Werk“ sicher und verschlüsselt sind, bleibt das eine Herausforderung.

Man kann jedoch noch immer davon ausgehen, dass die meisten Menschen keine Ziele direkter geheimdienstlicher Überwachung sind. Für sie geht es darum, ihre Kommunikation so zu schützen, dass so wenig Inhalte wie möglich im Schleppnetz der NSA, des britischen Geheimdiensts GCHQ oder des deutschen BND landen. Denn all die Milliarden Daten, die die Dienste absaugen, werden entweder nach bestimmten Signalbegriffen oder Mustern durchsucht und dann im Zweifel genauer geprüft. Oder sie werden für Jahrzehnte gespeichert und erst dann analysiert, wenn sie in Zusammenhängen auftauchen, die für die Geheimdienste interessant sind.

Das bedeutet: Jede normale Bürgerin, jeder normale Bürger kann heute zum Ausspäh-Ziel der Geheimdienste werden – und sei es nur durch den Kontakt zu bestimmten anderen Menschen. Um zu verstehen, wie man sich schützen kann, muss man zwei Arten von Daten unterscheiden:

Die eine Art sind die Inhalte der Kommunikation, also etwa der Text einer E-Mail, der Wortlaut eines Telefonats oder der Inhalt einer Datei auf einem USB-Stick. Diese Inhalte können geschützt werden, indem man E-Mails und Datenträger verschlüsselt.

Die andere Art der Daten sind so genannte Meta-Daten, also Daten über Daten: Mit wem hat man wann telefoniert, wer hat wem wann eine Mail geschickt, wer hat wann welche Website aufgerufen? Diese Daten mögen harmloser erscheinen, können aber ebenso weitreichende Schlüsse zulassen wie der Inhalt der Kommunikation. Meta-Daten fallen bei digitaler Kommunikation immer an, aber man kann sie in gewissen Maß verschleiern, etwa durch Werkzeuge für mehr Anonymität.

Keine dieser Techniken und Technologien kann Sicherheit garantieren. Im Gegenteil: zum Teil sind sie komplex und verleiten dazu, Fehler zu machen. Alle müssen ausprobiert, eingeübt und regelmäßig verwendet werden. Doch selbst wenn vor hochaufgerüsteten Geheimdiensten wie der NSA keine umfassende Sicherheit möglich ist, ist es keineswegs umsonst, für mehr Datensicherheit zu sorgen. So bieten gängige Vorkehrungen nicht zuletzt Schutz auch vor gewöhnlichen Kriminellen im Netz. Auch diese sind stets auf der Suche nach Sicherheitslücken und schlecht gesicherter Kommunikation, die sie etwa zum Identitätsdiebstahl nutzen können. Ebenso gilt umgekehrt: Werden Sicherheitslücken geheim gehalten, um sie zur Überwachung nutzen zu können, wirkt sich das negativ auf die Sicherheit aller Bürger aus.

Nützliche Links

  • Das Privacy-Handbuch: Wesentlich ausführlicher, als es hier möglich wäre, beschreibt dieses Handbuch auf mehr als 300 Seiten, was man als Nutzer unternehmen kann, um seine Privatsphäre zu schützen. Es ist ein kollaboratives, von Datenschutz-Aktivisten gepflegtes Handbuch und in verschiedenen Versionen im Netz verfügbar. Eine aktuelle Version findet sich unter privacy-handbuch.de [3].
  • Die US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation [4] betreibt die fortlaufend auf aktuellem Stand gehaltene Ratgeberwebsite „Surveillance Self-Defense“ [5] mit vielen Anleitungen und einfachen Erklärungen zu grundlegenden Konzepten der Datensicherheit. Die Beiträge sind auf Englisch, Spanisch und Arabisch verfügbar.

E-Mail-Verschlüsselung

Wer E-Mails unverschlüsselt verschickt, verschickt das elektronische Äquivalent von Postkarten. Das ist schon oft gesagt und geschrieben worden, dennoch sind viele überrascht, wenn sie erfahren, dass E-Mails praktisch ungeschützt durchs Netz wandern. E-Mails werden auf ihrem Weg vom Absender zum Empfänger mehrfach gespeichert, etwa bei den Internet-Providern bei Absender und Empfänger, aber auch weitere Male dazwischen. Unterwegs können daher diejenigen die E-Mails lesen, die Zugriff aufs Netz haben. Die Snowden-Enthüllungen zeigen, dass massenhaft E-Mails im „Schleppnetz-Verfahren“ überwacht und ausgewertet werden. Sie werden automatisiert auf bestimmte Schlagwörter untersucht, um herauszufinden, ob sie für Geheimdienste interessant sein könnten. Sollte das der Fall sein, werden sie genauer angeschaut. Aber auch, wenn es keinen aktuellen Anlass gibt, ist zu vermuten, dass E-Mails zumindest von der NSA einfach abgespeichert werden, sodass sie auch in Zukunft untersucht werden können.

Wer vermeiden möchte, dass seine E-Mails derart unter die Lupe genommen werden, muss eine so genannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verwenden. Das bedeutet, dass die E-Mail beim Absender – an einem Ende – verschlüsselt wird, und beim Empfänger – am anderen Ende – wieder entschlüsselt. So wandern die Inhalte niemals unverschlüsselt durch Netze, auf die andere Zugriff haben.

PGP: Geniale Idee, aber zunächst nicht leicht zu verstehen

Eine gängige Lösung, die sich für normale Nutzer – also solche, die keine Unterstützung von Spezialisten haben – zu diesem Zweck eignet, ist PGP [6]. Die Abkürzung steht für „pretty good privacy“, also „ganz gute Privatsphäre“. Der leicht scherzhafte, sprechende Name weist darauf hin, dass PGP-Erfinder Phil Zimmermann nicht davon ausgeht, dass das Verfahren vollständige Sicherheit bieten kann, aber eben doch ziemlich gute. Und obwohl Zimmermann PGP bereits in den 1990er Jahren entwickelt hat, gilt diese Einschätzung bis heute: PGP ist noch immer die sicherste Mailverschlüsselungsmethode.

Um PGP einzusetzen, gibt es unterschiedliche Wege. Üblicherweise benötigt man eine Erweiterung für einen E-Mail-Client – also das Programm, mit dem man E-Mails liest und schreibt. Wenn man E-Mails hingegen nur über den Webbrowser verwendet, gibt es zwar ebenfalls Erweiterungen, aber die meisten Experten halten diese noch nicht für reif. Etwas verwirren kann die Vielzahl unterschiedlicher Abkürzungen: „Open PGP“ ist der Name des zugrunde liegenden Verschlüsselungsstandards, der von verschiedenen Programmen unterstützt wird. Dazu gehören das heute kommerzielle Programm PGP ebenso wie die kostenlose, freie Variante namens „GNU Privacy Guard“ [7], GnuPG oder GPG abgekürzt. Der Einfachheit halber werden all diese Entwicklungen häufig unter dem Begriff PGP zusammengefasst, so auch in diesem Artikel.

Das Verfahren, auf dem PGP beruht, wird „public-key cryptography“ genannt und auf Deutsch mit „asymmetrisches Kryptosystem“ übersetzt – leichter verständlich wäre die Übersetzung „Verschlüsselung mit öffentlichem Schlüssel“. Die Idee dahinter ist genial, aber zunächst nicht leicht zu verstehen. Bei einem symmetrischen Verfahren teilen zwei Menschen sich einen gemeinsamen Schlüssel. Das Problem daran: Wie kann der Schlüssel sicher ausgetauscht werden? Man kann ihn nicht der Nachricht beifügen, weil sie dann auch von einem Angreifer entschlüsselt werden könnte, der die Nachricht abfängt. Man kann den Schlüssel getrennt von der Nachricht übermitteln, aber auch dann könnte er abgefangen werden. Wer ihn hat, kann die Nachrichten dann entschlüsseln. Um sicher zu gehen, müssten sie den Schlüssel daher direkt austauschen, etwa indem sie sich treffen.

Bei der asymmetrischen Verschlüsselung hingegen hat jeder Nutzer einen öffentlichen und einen privaten Schlüssel. Zusammen bilden beide ein Schlüsselpaar. Wie der Name sagt, ist der eine Teil öffentlich und kann sorglos weiter gegeben werden: per E-Mail, über eine Website, auf einem USB-Stick oder in einem Chat. Wenn eine Nachricht mit diesem öffentlichen Schlüssel verschlüsselt wird, kann sie aber nur noch mit dem privaten Schlüssel wieder entschlüsselt werden. Ein Angreifer, der die Nachricht abfängt, kann sie nicht entschlüsseln, da er den privaten Schlüssel nicht kennt. Auch der Sender kann die Nachricht beim Empfänger nicht wieder entschlüsseln, denn auch er kennt nur den öffentlichen Schlüssel, nicht den privaten. Aus dem – jedem bekannten – öffentlichen Schlüssel den privaten Schlüssel zu berechnen, ist so schwierig und aufwändig, dass Experten das System unter bestimmten Voraussetzungen (langer Schlüssel und sicheres Passwort) derzeit für sicher halten.

Geeignetes Programm auswählen, Schlüsselpaar anlegen

Um PGP selbst zu nutzen, braucht man die entsprechende Software. Die Programme sind vielfältig und werden mittlerweile für nahezu alle Betriebssysteme angeboten, auch für Smartphones. Da sie alle etwas unterschiedlich funktionieren und eingerichtet werden, wird unten in den Links auf die entsprechenden Anleitungen verwiesen. Was in jedem Fall zu tun ist: Man muss ein Schlüsselpaar anlegen. Extrem wichtig hierbei ist, dass der private Schlüssel eine Schlüssellänge von mindestens 2.048 Bit hat und mit einem sehr guten Passwort geschützt ist. Die Schlüssellänge kann man festlegen, wenn man den Schlüssel erzeugt. Vereinfacht gesagt, wirkt sie sich darauf aus, wie viele mögliche Schlüssel ein Angreifer durchprobieren müsste, um zufällig den richtigen zu erwischen, wenn er jeden denkbaren Schlüssel ausprobieren würde. 1.024-Bit-Schlüssel gelten inzwischen als unsicher; wer auf der sicheren Seite sein möchte, wählt besser gleich einen 4.096-Bit-Schlüssel. Damit kann das Verschlüsseln großer Mails, zum Beispiel mit angehängten Dateien, auch auf schnellen Rechnern allerdings eher lange dauern.

Der öffentliche Schlüssel sollte auf einen so genannten Key-Server hochgeladen werden. Da er einer E-Mail-Adresse zugeordnet ist, können ihn andere somit auch dann finden, wenn sie noch nie Kontakt mit dem Inhaber der E-Mail-Adresse hatten. Viele Programme bieten an, den Schlüssel direkt auf einen solchen Server hochzuladen.

Nützliche Links

  • Anleitungen, wie man E-Mail-Verschlüsselung einrichtet, hat die Website „Verbraucher sicher online“ für verschiedene Betriebssysteme und Programme zusammengestellt. Dazu gehören die Erweiterung Enigmail und der GNU Privacy Guard [8], die Verschlüsselung mit Mozilla Thunderbird unter Windows, Mac OS sowie Linux & Co. ermöglichen. Für Mac-Systeme gibt es zudem eine Anleitung für das Paket „GPG Suite/GPG Tools“ für Apples Mailprogramm [9]. Bei Windows lässt sich auch GnuPG und Claws Mail einrichten [10], GpgOE für Outlook Express [11] oder GnuPG/WinPT für das Mailprogramm The Bat [12].
  • Eine Anleitung, wie man öffentliche Schlüssel austauscht und auf einen Schlüsselserver lädt, findet sich am Beispiel der GPG Suite ebenfalls bei „Verbraucher sicher online“ [13].
  • Hinweise zu sicheren Passwörtern gibt es beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik bei der Versicherung CosmosDirekt [14]. Wer noch sicherer gehen möchte, beachtet die Tipps von Jürgen Schmidt im Heise-Artikel „Passwort-Schutz für jeden“ [15].

Übung macht den Meister

Oft wird zur E-Mail-Verschlüsselung gesagt, dass es leicht sei, sie zu verwenden. Das stimmt so nicht, denn in der Praxis lauern viele Fallstricke, weshalb die ersten Versuche auch für Erfahrene frustrierend sein können. Wie bei allen komplexen Verfahren gilt: Übung macht den Meister. Am Besten sucht man sich ein Gegenüber, mit dem man die Programme ausprobieren und testen kann.

Einige bekannte Probleme aus der Praxis:

  • Man verschlüsselt die Mails, die man an andere verschickt, empfängt verschlüsselte Mails von anderen, legt die Mails aber unverschlüsselt auf dem eigenen Rechner ab. Wird zum Beispiel der Laptop gestohlen und ein Fremder kann sich Zugang verschaffen, kann er die Mails lesen.
  • Man vergisst sein Passwort und hat kein sogenanntes Sperrzertifikat (revocation certificate) angelegt, mit dem man den Schlüssel für ungültig erklären kann. Dann kann man sich zwar einen neuen Schlüssel mit neuem Passwort anlegen, doch der alte Schlüssel ist weiter erhältlich. Andere schicken dann möglicherweise verschlüsselte Mails, die man nicht entschlüsseln kann, und man muss sie auffordern, einen neuen Schlüssel zu verwenden.
  • Die Festplatte geht kaputt, und es gibt keine Sicherungskopie des privaten Schlüssels. Alle Mails, die verschlüsselt abgelegt wurden, sind unlesbar.
  • Verschlüsselte E-Mails können je nach Programm und gewählter Einstellung nicht mehr einfach durchsucht werden, und sie können auch in der Regel nicht per Webmail-Dienst angesehen werden.

Festplatten und mobile Datenträger verschlüsseln

Auf einem unverschlüsselten Datenträger liegen alle Daten offen zutage. Bei einem tragbaren Gerät wie einer externen Festplatte oder einem USB-Speicherstick ist es auch sofort einleuchtend, warum das ein Problem sein kann: Sie können verloren gehen oder gestohlen werden. Gleiches gilt für Laptops. Aber auch ein Desktop-Rechner kann in falsche Hände geraten, durch einen Einbruch oder weil ein missliebiger Kollege zu neugierig ist.

Passwortschutz ist keine Verschlüsselung: Sind die Computer mit einem Zugangspasswort geschützt, ist das zwar prinzipiell gut, hilft aber nichts, wenn ein Angreifer das Gerät in seinem Besitz hat. Ein solches Passwort hindert ihn zwar daran, das System zu starten und zu nutzen, aber wenn er die Festplatte ausbauen kann, kann er dennoch auf die Daten darauf zugreifen. Bei einem USB-Stick oder einem anderen tragbaren Datenträger ist das ohnehin der Fall.

Verschlüsselung dagegen bedeutet, dass sämtliche Daten, die geschützt werden sollen, in eine Form umgewandelt werden, die für denjenigen, der den Schlüssel nicht kennt, nur Datensalat darstellt, also eine sinnlose Ansammlung von Zeichen. Heißt: Nur wenn die Daten sicher verschlüsselt sind, sind sie vor dem Zugriff eines Angreifers geschützt.

Bordmittel praktisch, aber quelloffene Programme empfehlenswerter

Wie aber geht das? Viele Betriebssysteme bieten Bordmittel an, um Dateien, den Benutzerordner oder ganze Festplatten zu verschlüsseln. Sie haben zwei entscheidende Nachteile: Zum einen liegt durch die Snowden-Enthüllungen der Verdacht nahe, dass sehr viele Unternehmen den Geheimdiensten so genannte Hintertüren offenhalten. Das bedeutet, dass die Verschlüsselungstechnik möglicherweise absichtlich Schwachstellen aufweist, die von NSA und Co. genutzt werden können, um an die Daten heranzukommen.

Zum anderen gibt es das Problem, dass etwa ein USB-Stick, der mit einer Apple-Software verschlüsselt wurde, nicht mit einem Windows-Programm entschlüsselt werden kann. Für mehr Kompatibilität empfiehlt sich ein Programm, das erstens auf möglichst vielen Betriebssystemen eingesetzt werden kann, und dessen Programmcode zweitens transparent ist, sodass zumindest geprüft werden kann, ob Sicherheitslücken und Hintertüren bestehen. Bei den von Microsoft und Apple angebotenen Bordmitteln „Bitlocker“ bzw. „Geräteverschlüsselung“ sowie „File Vault/File Vault 2“ ist das nicht der Fall. Die auf Linux-Systemen häufig eingesetzten Bordwerkzeuge wie LUKS und DM-Crypt können zwar öffentlich überprüft werden, aber auch sie sind nicht ohne weiteres mit anderen Betriebssystemen kompatibel.

Allzweckwerkzeug Truecrypt eingestellt, Alternativen nur teilweise verfügbar

Viele Jahre lang war das Programm Truecrypt hier die erste Wahl, da es beide Anforderungen erfüllte und vielfältig einsetzbar ist: Um verschlüsselte Ordner (Container genannt) anzulegen, die wie ein Laufwerk genutzt werden; aber auch, um komplette Datenträger oder die System-Festplatte zu verschlüsseln. Die verschlüsselten Teile lassen sich zudem so verstecken, dass ihre Existenz unerkannt bleibt. Die anonymen Entwickler haben ihre Arbeit an dem Projekt jedoch im Mai 2014 eingestellt. Da sie zu den Gründen dafür keine wirklich klaren Angaben machten, gibt es unterschiedliche Einschätzungen, ob das Programm weiter eingesetzt werden sollte.

Organisationen wie das amerikanische „Committee to Protect Journalists“ meinen, dass zumindest bestehende Installationen der letzten Vollversion 7.1a weiterhin sicher verwendet werden können [16]. Sie verweisen auf den Umstand, dass Sicherheitsforscher in einer unabhängigen Untersuchung des Programmcodes von Truecrypt [17] bis jetzt keine gravierenden Sicherheitslücken entdeckt haben. Die letzte Vollversion wird an verschiedenen Stellen im Netz weiterhin kostenlos angeboten, etwa auf der Website Security in a box [18], einem Projekt der NGOs „Tactical Tech“ und „Front Line Defenders“. Eine Anleitung für alle verschiedenen Funktionen [19] hat Marco Kratzenberg erstellt.

Andere haben ihre Empfehlungen für Truecrypt mittlerweile zurückgezogen, so etwa auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik; auch die Entwickler des sicheren Betriebssystems „Tails“ haben das Programm entfernt. Eines der Kernprobleme liegt darin, dass keine Sicherheitsaktualisierungen mehr verfügbar sein werden.

Die Situation ist daher bis auf weiteres unbefriedigend: Während es für Profis einige quelloffene Werkzeuge wie etwa „EncFS“ gibt, sieht es für den Normalanwender schlechter aus. Wer Windows verwendet, kann etwa mit dem „Diskcryptor“ immerhin einzelne Partitionen verschlüsseln. Wer lediglich einzelne Dateien verschlüsseln will, kann das übrigens auch mit den oben erwähnten PGP-Werkzeugen größtenteils tun. Letztlich muss jeder selbst abwägen: Bordmittel und kommerzielle Programme für Windows- und Mac-Systeme sind relativ leicht zu bedienen, aber man muss den Herstellern mehr oder weniger blind vertrauen. Wem das nicht behagt, der muss sich die derzeit angebotenen Alternativen ansehen und entscheiden, welche noch am ehesten die eigenen Ansprüche abdeckt. Eine Übersicht über Werkzeuge bietet die Website prism-break.org [20], kommerzielle ebenso wie quelloffene Programme stellt auch Heise Online [21] vor. Die wohl umfangreichste Vergleichsliste [22] haben die Autoren der englischsprachigen Wikipedia zusammengetragen.

Um Sicherheit zu bieten, müssen auch solche Verschlüsselungsprogramme natürlich richtig eingesetzt werden und ihre Grenzen sollten bekannt sein.

Einige bekannte Probleme aus der Praxis:

  • Ein verschlüsselter, aber geöffneter Ordner ist ungeschützt. Wer in die Kaffeepause geht und ihn offen lässt, unterläuft seine eigenen guten Absichten.
  • Manche Programme legen automatisch Versionen von Dateien an Orten ab, die nicht verschlüsselt sind, etwa in temporären Ordnern. Stürzt zum Beispiel der Rechner ab, bleiben sie unter Umständen erhalten.
  • Ist das Passwort verloren, sind die Daten weg. Alle. Für immer.
  • Sollte ein Angreifer über die Mittel verfügen, das Passwort auszuspähen, kann er an alle Daten heran kommen. Das erlauben etwa Programme, die Tastatureingaben protokollieren (Keylogger). Wenn man gar keine Verschlüsselung verwendet, kommen Angreifer natürlich leichter an Daten, doch es kann auch die Situation entstehen, dass man sich zu sehr in Sicherheit wiegt.

Anonymer Surfen mit Browser-Erweiterungen und Tor

Wer im Web surft, hinterlässt Datenspuren. Websites protokollieren etwa die IP-Adresse des Rechners, von der aus man auf sie zugreift. Wenn man sich mit echter Identität bei einem Web-Dienst anmeldet, sei es Facebook, Google-Drive oder GMX, kann diese IP-Adresse dann einer Person zugeordnet werden; Strafverfolgungsbehörden können ohnehin über eine Anfrage beim Provider feststellen, wer hinter einer bestimmten IP-Adresse steckt. Das ist eigentlich dafür gedacht, dass bestimmte, genau definierte Straftaten verfolgt werden können, doch muss man inzwischen leider davon ausgehen, dass auch in anderen Fällen diese Verknüpfungen angefragt und hergestellt werden.

Mit den Mitteln des Trackings versuchen Anbieter von Websites nachzuspüren, welche Wege im Netz ihre Besucher zurücklegen, um sie mit maßgeschneiderter Werbung zu versorgen. Das kennt man, wenn man zum Beispiel nach „Wetter Mallorca“ sucht und später Flüge und Hotels in der Werbung auftauchen. Ein klassisches Mittel dafür sind Cookies, also kleine Dateien auf der Festplatte, aber die Techniken werden ständig weiterentwickelt. Viele dieser Datenschatten lassen sich dennoch vermeiden. Der alte Grundsatz der Datensparsamkeit dient letztlich auch der Datensicherheit, denn Daten, die gar nicht erst anfallen, können auch nicht missbraucht werden.

Nützliche Links

Mit Browser-Erweiterungen wie HTTPS everywhere, Adblock Edge, Disconnect, Do Not Track Plus oder Noscript lassen sich die Datenspuren bereits verringern. Natürlich registriert ein Website-Betreiber, wenn seine Website aufgerufen wird, aber man kann verhindern, dass einem beim Aufruf dutzende Dritte über die Schulter schauen können, etwa Werbenetzwerke. Eine einfache Anleitung für gängige Browser-Erweiterungen für Firefox [23] hat der Journalist Boris Kartheuser erstellt.

Wer seine Spuren im Netz umfassender verwischen will, sollte sich mit dem Werkzeug Tor beschäftigen. Tor besteht aus einer Software, die man auf dem eigenen Rechner installiert, und einem Netz von Servern, über die die Daten geleitet werden. Der grundlegende Ansatz basiert darauf, den Datenverkehr über mehrere Ecken umzuleiten, sodass der Ausgangspunkt verschleiert wird. Die Abkürzung TOR stand ursprünglich für „The Onion Router“ – gemeint ist damit das Prinzip, den Datenverkehr wie bei einer Zwiebelhülle in mehreren Schichten zu verschlüsseln. Auf jedem Wegpunkt wird gerade soviel davon entfernt, wie nötig ist, um die Daten weiterzureichen, ohne dass die restlichen Informationen bekannt werden. Die Knotenpunkte werden von Freiwilligen – Individuen, Organisationen, Unternehmen – ehrenamtlich betrieben. Forscher, Geheimdienste und Behörden haben bereits versucht, Tor-Nutzer zu de-anonymisieren; dies ist in Einzelfällen auch gelungen. Dennoch sieht es so aus, als hätten die Tor-Entwickler im Katz-und-Maus-Rennen bislang die Nase vorn. Doch gerade bei Tor gilt es, einige Fallstricke zu meiden, die dazu führen können, die eigene Anonymität auszuhebeln, selbst wenn das Tor-Prinzip als solches bislang als sicher gilt. Dazu gehören etwa folgende:

  • Wer über Tor auf einen Webdienst wie Facebook oder Gmail zugreift, für den eine Anmeldung erforderlich ist, unterläuft natürlich die Anonymisierung.
  • Andere Programme, die auf dem Rechner laufen, verwenden nur dann Tor, wenn sie speziell dafür eingerichtet sind. Wer zum Beispiel über Tor surft, aber nebenher ein Chat- oder Mail-Programm verwendet, das nicht auf Tor zurückgreift, ist dabei nicht anonym.
  • Programme im Browser wie Flash oder Java sollten deaktiviert sein. Ebenso können etliche Browser-Erweiterungen Informationen weitergeben, die eine Identifizierung ermöglichen.
  • Tor ersetzt keine verschlüsselten Verbindungen etwa über „HTTPS“. Verlässt der Datenverkehr das Tor-Netzwerk, ist er wieder unverschlüsselt und kann dort mitgeschnitten werden, wenn keine anderen Vorkehrungen getroffen werden.
  • Das bloße Installieren und Aktivieren von Tor bringt nicht mehr Sicherheit. Um tatsächlich Anonymität zu gewinnen, werden die meisten einige typische Verhaltensweisen am Rechner ändern und sich mit der Einrichtung ihres gesamten Systems beschäftigen müssen. Unbedacht verwendet, erhöht man unter Umständen sogar das Sicherheitsrisiko. Berichten zufolge interessieren sich Geheimdienste wie die NSA nicht nur für die Betreiber des Tor-Netzes, sondern für jeden, der das Programm herunterlädt [24], etwa indem sie versuchen, dessen Downloads zu protokollieren.

Nützliche Links

Es ist ratsam, den Tor Browser [25] zu verwenden. In diesem Paket sind bereits alle Programme zusammengefasst, die benötigt werden, inklusive einem Firefox-Browser, in dem häufige problematische Einstellungen bereits korrigiert sind. Dieses Paket kann auch von einem USB-Stick aus gestartet werden, sodass es sich zum Beispiel auch in Internet-Cafés oder bei der Arbeit verwenden lässt.

Eine allgemeine deutschsprachige Installationsanleitung [26] gibt es etwa beim Portal „Verbraucher sicher online“; eventuell ist es zusätzlich notwendig, aktuellere Anleitungen für das eigene Betriebssystem zu konsultieren. Die Tor-Software wird für Windows, Mac OS, Linux & Co. sowie Android angeboten, nicht jedoch für Apples mobile Geräte.

Besonders die Hinweise der Tor-Entwickler selbst [27] zu verbleibenden Risiken und den Grenzen der durch Tor ermöglichten Anonymität und Sicherheit sollte jeder zu Rate ziehen, der auf Anonymität angewiesen ist.

Wie am Anfang des Artikels bereits angemerkt: Datensicherheit ist ein Prozess, der gelernt und geübt sein will. Das kann mit Sicherheit mühsam sein. Doch zum einen hat es noch nie drängendere Gründe gegeben, damit zu beginnen. Und zum anderen ist nun dank Edward Snowden eine Dynamik entstanden, die vielleicht dafür sorgen könnte, das viele Hilfsmittel besser werden oder überhaupt erst entwickelt werden. Jetzt untätig zu bleiben aus dem – durchaus begründeten – Gefühl der Hilflosigkeit darüber, nicht für seinen eigenen, perfekten Schutz sorgen zu können, wäre der größte Gefallen, den man dem Überwachungsstaat tun könnte.

Links
[1] http://www.bpb.de/gesellschaft/medien/datenschutz/203238/meine-daten-gehoeren-mir
[2] http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2013-10/hintergrund-nsa-skandal/komplettansicht
[3] https://privacy-handbuch.de/
[4] https://eff.org/
[5] https://ssd.eff.org/en/index
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Pretty_Good_Privacy
[7] https://gnupg.org/
[8] https://www.verbraucher-sicher-online.de/anleitung/e-mails-verschluesseln-in-mozilla-thunderbird-mit-enigmail-und-gnu-privacy-guard
[9] https://www.verbraucher-sicher-online.de/anleitung/e-mails-verschluesseln-in-apple-mail-unter-mac-os-x
[10] http://www.verbraucher-sicher-online.de/anleitung/e-mail-verschluesselung-mit-gnupg-und-claws-mail-unter-windows
[11] http://www.verbraucher-sicher-online.de/anleitung/e-mails-verschluesseln-in-outlook-express-mit-gpgoe
[12] http://www.verbraucher-sicher-online.de/anleitung/windows-vista-e-mail-verschluesselung-mit-the-bat-und-gnupgwinpt
[13] https://www.verbraucher-sicher-online.de/anleitung/e-mails-verschluesseln-in-apple-mail-unter-mac-os-x?page=0,3
[14] https://www.cosmosdirekt.de/sicherheit-im-internet/sicheres-passwort/
[15] http://www.heise.de/security/artikel/Passwort-Schutz-fuer-jeden-1792413.html
[16] https://www.cpj.org/blog/2014/06/journalists-can-safely-use-truecrypt-for-now.php
[17] http://istruecryptauditedyet.com/
[18] https://securityinabox.org/en
[19] http://www.giga.de/software/sicherheit-utilities/die-ultimative-truecrypt-anleitung-alles-was-du-wissen-musst/
[20] https://prism-break.org/en/
[21] http://www.heise.de/download/special-sichere-alternativen-zu-truecrypt-151561.html?hg=1&hgi=16&hgf=false
[22] https://en.wikipedia.org/wiki/Comparison_of_disk_encryption_software
[23] http://www.investigativerecherche.de/mehr-datenschutz-beim-surfen-im-internet-eine-anleitung/
[24] https://www.tagesschau.de/inland/nsa-xkeyscore-100.html
[25] https://www.torproject.org/projects/torbrowser.html.en
[26] https://www.verbraucher-sicher-online.de/anleitung/den-anonymisierungsdienst-tor-verwenden
[27] https://www.torproject.org/docs/faq.html.en#AmITotallyAnonymous

Autoreninformationen: Matthias Spielkamp und David Pachali (Webseite) arbeiten bei iRights.info. Matthias Spielkamp ist dort Redaktionsleiter und Vorstandsmitglied von Reporter ohne Grenzen Deutschland. David Pachali ist als Journalist und Redakteur tätig.  Dieser Artikel erschien erstmals auf der Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung und wurde in „freiesMagazin“ Ausgabe 06/2015 veröffentlicht. Der Artikel wurde an dieser Stelle in der Fassung aus „freiesMagazin“ wiedergegeben.

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht. by/3.0/
Der Name des Autors/Rechteinhabers soll wie folgt genannt werden: by/3.0/ Autor: David Pachali Matthias Spielkamp für bpb.de

Google will Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in den Browser bringen

Beim Stöbern im Internet bin ich über mehrere Artikel gestolpert, die von Googles Plänen berichten, eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für den Chrome Browser zu entwickeln.

So bin ich auch auf einen Artikel in Googles Security Blog gestoßen. Google schildert in diesem Blog die Absicht, eine „End-to-End“ Erweiterung für den Chrome Browser zu entwickeln, um die Benutzung von sicherer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für den Anwender zu vereinfachen.[1. Making end-to-end encryption easier to use (englisch)]

Die Chrome Erweiterung ist jedoch noch nicht erhältlich. Google hat in einem ersten Schritt den Quellcode der Erweiterung veröffentlicht, um ein Code-Review durch die Internet Community zu ermöglichen. Mit dieser Maßnahme möchte Google das Risiko von Fehlern und Schwachstellen im Quellcode minimieren und das Vertrauen in die Erweiterung stärken.

Auf jeden Fall ist dies ein Schritt in die richtige Richtung. Sind die heute verfügbaren Tools wie PGP oder GnuPG doch den meisten Anwendern zu kompliziert in der Anwendung.[2. Der steinige Weg zu Verschlüsselter Kommunikation]

Doch wird Google wohl auch noch einige Zweifel ausräumen müssen. Als US-Konzern unterliegt Google auch der US-Gerichtsbarkeit. Ich frage mich, ob die US-Behörden nicht etwas dagegen haben, wenn Google seinen Kunden eine sichere Kommunikationsverschlüsselung anbietet, welche den Inhalt von E-Mails auch vor den Augen neugieriger NSA-Agenten schützt.

Musste doch im vergangenen Jahr der E-Mail Anbieter Lavabit seinen Betrieb einstellen, da ihn US-Behörden mutmaßlich zur Entschlüsselung und Herausgabe von Kundendaten aufforderten. Warum sollte Google nicht ähnlicher Druck drohen, wenn sie nicht eine Hintertür für die Behörden offen lassen?[3. Heise Artikel zum Ende von Lavabit]

Google hat neben dem Blogpost auch eine Projektseite geschaltet, welche neben dem Quellcode auch einige FAQs bereit hält.[4. Google End-to-End (englisch)] Diesen ist zu entnehmen, dass die Erweiterung auf OpenPGP basiert, welches einen offenen und sicheren Standard darstellt. Nur ein einziger Abschnitt trübt die aufkommende optimistische Stimmung:

Are the private key(s) kept in memory, are they always purged after every operation, or is there a passphrase cache?

The private keys are kept in memory unencrypted. We recommend making sure your keyring has a passphrase so that private keys are stored encrypted in localStorage.

How safe are private keys in memory?

In memory, the private key is sandboxed by Chrome from other things. When private keys are in localStorage they’re not protected by Chrome’s sandbox, which is why we encrypt them there.

Please note that enabling Chrome’s „Automatically send usage statistics and crash reports to Google“ means that, in the event of a crash, parts of memory containing private key material might be sent to Google.

Auf Deutsch, öffnet man den Schlüsselbund durch Eingabe seiner Passphrase, wird der private Schlüssel in den Arbeitsspeicher geladen. Hat man in seinem Chrome Browser die Funktion aktiviert, automatisch Nutzungsstatistiken und Fehlerberichte an Google zu senden, könnte im Falle eines Browserabsturzes der private Schlüssel mit an Google übertragen werden. Wenn das passiert, bleibt nur das genutzte Schlüsselpaar zu sperren und sich ein Neues zu erstellen. Oder man schaltet von vornherein die Funktion zur Übermittlung von Nutzungsstatistiken und Fehlerberichten an Google ab.

Ob im Quellcode der End-to-End Erweiterung eine Funktion versteckt ist, um den privaten Schlüssel an Google oder einen dritten zu übermitteln, kann ein Code-Review durch die Community zeigen. Ob eine entsprechende Version im Chrome Browser selbst versteckt ist, wird hingegen nicht so schnell festzustellen sein, da der Quelltext nicht komplett offen liegt.

Ehrlich gesagt würde ich mich sicherer fühlen, wenn eine solche Funktion von einem Unternehmen entwickelt würde, das an deutsche Gesetze gebunden ist. Darum bin ich umso mehr gespannt, was die Community und Security-Experten zur neuen Erweiterung sagen. Ich bleib auf jeden Fall dran und halte euch auf dem Laufenden.