Roundcube mit PGP-Unterstützung

Vor Kurzem wurde Roundcube Webmail[1. Roundcube Webmail] in Version 1.2.0 veröffentlicht. Zu einer der Neuerungen zählt die Unterstützung von PGP. Dabei hat man die Wahl zwischen der client-seitigen Verschlüsselung, basierend auf der Browser-Erweiterung Mailvelope und der server-seitigen Variante mittels Enigma-Plugins.

In diesem Artikel stelle ich beide Varianten kurz vor und zeige einige Punkte auf, die beim Einsatz zu beachten sind.

Zu Beginn noch einmal kurz zur Erinnerung: OpenPGP verwendet asymmetrische Verschlüsselung[2. Asymmetrische Verschlüsselung], bestehend aus einem privaten und einem öffentlichen Schlüssel. Dabei gilt, dass der private Schlüssel unbedingt vor unberechtigtem Zugriff zu schützen ist.

Enigma-Plugin

Das Enigma-Plugin ist bereits Bestandteil von Roundcube 1.2.0. Aleksander Machniak beschreibt in seinem englischsprachigen Blog die Installation und Nutzung des Plugins.[3. Enigma plugin (PGP encryption)]

Das Plugin befindet sich demnach bereits auf dem gleichen Server, auf dem auch die Roundcube-Installation läuft. Besitzt man selbst die vollständige Kontrolle über diesen Server, ist die Nutzung des Enigma-Plugins eine komfortable Lösung.

In meinem Fall läuft der Server, welcher die Roundcube-Installation hostet, jedoch bei einem Hosting-Provider. Zwar habe ich root-Zugriff auf diesen Host, doch besitze ich nicht die vollständige Kontrolle über diesen Server. Es besteht die Möglichkeit, dass beim Provider ein Zugriff auf meinen Server und damit auch auf meinen privaten Schlüssel erfolgen kann.

Mir persönlich ist das Risiko der Kompromittierung meines privaten Schlüssels bei dieser Variante zu groß. Daher scheidet sie für mich aus.

Mailvelope

Mailvelope[4. Mailvelope Webseite] stellt über eine Browser-Erweiterung eine client-seitige OpenPGP-Verschlüsselung für Webmailer bereit. Es existieren Erweiterungen für Chrome und Firefox. Die Schlüssel werden dabei im Benutzerverzeichnis von Chrome bzw. im Profilordner von Firefox gespeichert.[5. Mailvelope – Wo werden meine Schlüssel gespeichert?] Die Chrome-Einstellung „Nutzungsstatistiken und Absturzberichte automatisch an Google senden“, sollte man jedoch besser deaktivieren. Andernfalls könnten im Falle eines Absturzes Speicherinhalte mit privaten Schlüsseln an Google gesendet werden.

Verschlüsselt man die Festplatte mit der Installation, in der sich der private Schlüssel befindet, ist dieser zusätzlich bei Verlust oder Diebstahl des Endgeräts geschützt.

Der Vorteil dieser Variante liegt in jedem Fall darin, dass sich die Schlüssel auf einem Endgerät befinden, über das der Besitzer in der Regel die vollständige Kontrolle hat. Gerade wenn die Roundcube-Installation bei einem Hosting-Provider betrieben wird, ist diese Variante daher in meinen Augen vorzuziehen.

Fazit

Dass Roundcube nun zwei Varianten zur Nutzung von OpenPGP-Verschlüsselung unterstützt, finde ich grundsätzlich positiv. Für beide genannten Varianten gibt es sinnvolle Einsatzszenarien.

In jedem Fall sollte man für einen konkreten Anwendungsfall abwägen, bei welcher Variante der private Schlüssel besser geschützt ist.

Für mich persönlich habe ich beschlossen, dass keine der beiden beschriebenen Varianten für mich in Frage kommen. Die Variante mit dem Enigma-Plugin scheidet für mich aus, da mein Mailserver bei einem Hosting-Provider betrieben wird und ich nicht die vollständige Kontrolle über den Host habe.

Die Variante mit Mailvelope kommt für mich nicht in Frage, da es mir nicht gefällt, dass die Schlüssel im Webbrowser gespeichert und verwaltet werden. Ich besuche mit meinem Webbrowser täglich dutzende Webseiten und nutze verschiedenste Webdienste. Dabei besteht grundsätzlich das Risiko, dass mein Webbrowser durch Malware kompromittiert wird. Mir persönlich ist die Gefahr zu groß, dass dabei auch mein privater Schlüssel kompromittiert bzw. entwendet wird.

Meinen E-Mail-Client verwende ich hingegen ausschließlich zum Lesen und Schreiben von E-Mails. Die Angriffsfläche ist hier wesentlich kleiner und das Risiko geringer, dass mein privater Schlüssel kompromittiert wird.

3 Gedanken zu „Roundcube mit PGP-Unterstützung

    1. Jörg Kastning

      Hallo Carla,

      du hast richtig gelesen und erkannt, dass ich beide Alternativen nicht sonderlich gut finde. Denn bei beiden verliere ich die Kontrolle über meinen privaten Schlüssel.

      Das sieht anders aus, wenn man den Server mit Roundcube im eigenen Keller betreibt und die volle Kontrolle darüber hat. In diesem Fall kann ich mir die Nutzung des Enigmail-Plugins vorstellen.

      Einem Webbrowser hingegen traue ich nicht. Daher werde ich diesen auch nicht meinen privaten Schlüssel anvertrauen.

      LG
      Jörg

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