Archiv des Autors: Jörg Kastning

Der Sovereign Tech Fund öffnet Antragsverfahren 2023

Wie GNU/Linux.ch am 19.10.2022 berichtete, startet der Sovereign Tech Fund eine Pilot-Förderrunde mit sieben ausgewählten Projekten. Es ist damit bereits das dritte Förderprogramm neben dem Media Tech Lab und dem Prototype Fund, auf das ich in diesem Jahr aufmerksam geworden bin.

Der Sovereign Tech Fund unterstützt die Entwicklung, Verbesserung und Erhaltung offener digitaler Infrastrukturen. Unser Ziel ist die nachhaltige Stärkung des Open-Source-Ökosystems. Wir konzentrieren uns auf Sicherheit, Stabilität, technologische Vielfalt und die Menschen hinter dem Code.

Unter digitaler Souveränität versteht man die selbstbestimmte Nutzung digitaler Technologien und Systeme durch Einzelpersonen, Unternehmen und Regierungen. Sie kann nicht ohne ein stabiles Open-Source-Ökosystem erreicht werden. Wir müssen eine  offene digitale Infrastruktur stärken, um Sicherheit, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit zu fördern und eine stabile digitale Grundlage für Partizipation und Demokratie zu schaffen.

URL: https://sovereigntechfund.de/index.html (Letzter Abruf: 22.10.2022)

Finanziert wird das Programm vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Es wird bei der SPRIND GMBH aufgebaut und unterstützt.

Einzelheiten über die Förderbedingungen und die Höhe bzw. Art der Förderung sind aktuell noch nicht auf der Webseite des Programms veröffentlicht. Anfang 2023 sollen dort weitere Informationen veröffentlicht werden.

Ich freue mich, dass es ein weiteres Förderprogramm gibt. Ebenso bin ich hocherfreut, dass in der Pilotrunde so wichtige Open-Source-Projekte wie OpenPGP, OpenSSH, Wireguard, curl und OpenBGP befinden.

Der Prototype Fund fördert eure Open-Source-Projektidee

Im September habe ich über das Förderprogramm Media Tech Lab berichtet. Heute möchte ich euch auf den Prototype Fund hinweisen, welcher Open-Source-Projektideen mit bis zu max. 47.500 Euro unterstützt.

Danke an @Kampfradler (Twitter-Link), welcher mich auf dieses Förderprogramm hingewiesen hat.

Der Prototype Fund ist ein Projekt der Open Knowledge Foundation Deutschland, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Er existiert seit 2016 und damit schon etwas länger als Media Tech Lab. Seither wurden nach Angabe des Projekts 12,3 Mio. Euro an Fördergeldern bewilligt, mit denen 293 Projekte gefördert wurden.

Bezüglich der Rahmenbedingungen ähneln sich Media Tech Lab und der Prototype Fund auffällig. Hier die wichtigsten Eckdaten:

  • Einzelpersonen und kleine (interdisziplinäre) Teams können eine finanzielle und ideelle Unterstützung für die Erprobung von Ideen sowie die Entwicklung von Open-Source-Anwendungen in den Bereichen Civic Tech, Data Literacy, IT-Sicherheit und Software-Infrastruktur (siehe FAQ) erhalten.
  • Die Förderung beträgt bis zu 47.500€ über 6 Monate.
  • Es gibt Unterstützung durch Mentor*innen und Coaching in den Bereichen User Centered Design, Projektmanagement, Security und Business.
  • Es werden ausschließlich Open-Source-Projekte gefördert.

Der Prototype Fund ist bestrebt, Teams und Teilnehmer*innen mit weiteren Geldgeber*innen und potenziellen Partner*innen zu vernetzen. Ziel ist es, Teilnehmer*innen so gut wie möglich bei der Weiterführung ihrer „Produkte“ nach Projektende zu unterstützen.

Projekt und Förderung enden nach sechs Monaten mit der Vorstellung des Prototypen. Damit es danach weitergeht, braucht es Spender, Investoren und ein Geschäftsmodell. Diese Weiterentwicklungen sind jedoch nicht durch die Prototype-Fund-Förderung abgedeckt (Media Tech Lab hat aktuell auch noch kein Konzept für die Maintenance-Phase).

Die Projektseite biete eine gute FAQ, welche die wichtigsten Fragen zu den Rahmenbedingungen und zum Bewerbungsprozess beantwortet. Wenn ihr Interesse an einer Förderung habt, schaut hier hinein.

Ich freue mich, dass es offenbar doch mehr als ein Förderprogramm für Open-Source-Projekte in Deutschland gibt. Falls ihr noch weitere Förderprogramme für Open-Source-Projekte kennt, hinterlasst doch bitte einen Hinweis mit URL auf deren Webseite in den Kommentaren. Ich freue mich, wenn ich hier zukünftig weitere Open-Source-Förderprogramme vorstellen kann.

Ihr betreibt ein Projekt, dass durch den Prototype Fund gefördert wurde und möchtet gerne darüber berichten? Meldet euch gerne bei mir. Gern könnt ihr mir einen Entwurf für einen Erfahrungsbericht senden oder wir führen ein kurzes Interview und ich berichte anschließend von euren Erfahrungen. Because sharing is caring.

Nachfolger für mein Smartphone gesucht (2022)

Bevor mein aktuelles Smartphone den Geist aufgibt, möchte ich ein Nachfolgemodell eruieren. Dabei setze ich auch auf eure Mithilfe und Empfehlungen.

Das Aktuelle: Sony Xperia XZ2 Compact

Dieses Smartphone ist seit Mai 2018 mein (fast) täglicher Begleiter. Von seinen technischen Daten her ist es für mich auch heute noch mehr als ausreichend. Damals waren vor allem die Größe von nur 5,0-Zoll und der Dual-SIM-Slot meine wesentlichen Kaufkriterien.

Nach knapp 4,5 Jahren leidet es an einer für mich nervigen Macke. Sporadisch können keine Rufe aufgebaut werden und ich bin zeitweise telefonisch nicht erreichbar. Ein Neustart des Geräts heilt das Problem vorübergehend. Dies nervt mich so sehr, dass ich nach einem Nachfolger suche, obwohl meine angestrebte Nutzungsdauer von mindestens 5 Jahren noch nicht erreicht ist.

Wofür nutze ich ein Smartphone

  1. Messaging (E-Mail, SMS, soziale Netzwerke, Threema)
  2. Telefonie
  3. Foto- und Video-Aufnahmen
  4. Internet-Recherche
  5. Zweiter Faktor zur Authentifizierung

That’s it. In der Reihenfolge.

Anforderungen an den Nachfolger

Der Nachfolger muss mindestens folgende Kriterien erfüllen:

  • Größe: Kleiner 6,0-Zoll; ich suche ein Smartphone und kein Tablet
  • Betriebssystem: Android >= 11
  • Preis: Maximal 600,00 EUR
  • Speicher: Mindestens 64 GB
  • RAM: Mindestens 4 GB
  • Kein SIM-Lock
  • Ohne Vertrag

Darüber hinaus sind mir folgende Punkte wichtig:

  • Lange Akkulaufzeit
  • Dual-SIM
  • Fingerabdrucksensor
  • NFC, neben dem obligatorischen Bluetooth und WLAN
  • Eine gute Kamera; wenn möglich mit Weitwinkelobjektiv

Ob sich mit diesen Anforderungen ein Nachfolger eruieren lässt, oder ob ich an einigen Stellen Abstriche machen muss, wird sich zeigen. Bisher habe ich folgende Geräte ins Auge gefasst.

Samsung Galaxy XCover 5 – Das Outdoor-Handy

Dieses Gerät ist für ca. 245 EUR zu bekommen. Im Test bei NOTEBOOKCHECK schneidet es mit der Gesamtnote befriedigend ab.

Mir gefallen die Größe, das Updateversprechen und der Preis. Die schlechte Kamera und der fehlende Fingerabdrucksensor stören mich hingegen.

Samsung Galaxy Z Flip3 5G – Das Faltbare

Mit besserer Kamera, weiterhin fehlendem Fingerabdrucksensor und in meinen Augen schlechter Akkuleistung. Der Preis liegt noch im Rahmen und die Größe im gefalteten Zustand macht es interessant. Frohlocken lässt auch dieses Gerät mich jedoch nicht.

Link zum Testbericht.

Samsung Galaxy S22 – Ich weiß auch nicht

Gefallen tun mir an diesem Gerät das Updateversprechen, die gute Kamera und die insgesamt gute Ausstattung.

Allerdings ist es größer als meine maximale Wunschgröße und deutlich teurer. Unter 600 EUR ist es ausschließlich als Vorführgerät oder gebraucht erhältlich.

Ob ich bereit bin, an meinen Muss-Kriterien zu rütteln, weiß ich noch nicht. Da mich die Alternativen bisher noch nicht überzeugen, werde ich ggf. darüber nachdenken.

Link zum Testbericht.

Fairphone 4 – Der Sieger der Herzen

Auch das Fairphone 4 ist mir eigentlich zu groß. Davon ab gefällt es mir von den Spezifikationen her gut. Von der Philosophie her sogar sehr gut.

Allerdings sind mir Berichte zu Ohren gekommen, dass der Support nicht berauschend ist.

Fazit

Auf die Schnelle habe ich vier Modelle als mögliche Nachfolger identifiziert. So richtig glücklich bin ich mit keinem. Am besten gefällt mir bisher noch das Fairphone 4.

Mir gefällt nicht, dass Smartphones immer größer werden. Ich hätte gerne ein Gerät, welches komfortabel in die Hosen- oder Hemdtasche passt. Aber offenbar geht der Trend in eine andere Richtung.

Sollte ich statt einem Neukauf evtl. mehr Zeit investieren und versuchen, das Problem meines Xperia XZ2 in den Griff zu bekommen? Das wäre sicher auch die nachhaltigste Lösung.

Oder sollte ich mich doch mal wieder bei Apple umschauen? Bisher nehme ich davon Abstand, da unser Haushalt aktuell Apple-frei ist und ich mich erst wieder intensiv mit iOS beschäftigen müsste.

Was könnt ihr mir empfehlen? Und warum? Bitte schreibt mir eure Empfehlungen und Meinungen in die Kommentare. Ich freue mich auf eure Rückmeldungen.

Stipendien bis zu 50.000 EUR für Open Source Projekte

In diesem Artikel möchte ich euch das Förderprogramm Media Tech Lab des Media Lab Bayern vorstellen.

Wie dem Titel bereits zu entnehmen ist, werden Open Source Projekte mit bis zu 50.000 EUR pro Projekt gefördert. Das Geld dafür kommt aus der Bayerischen Staatskanzlei. Doch der Reihe nach.

Vor einiger Zeit schrieb mich Jessica vom Media Lab Bayern an, um mich auf das Programm aufmerksam zu machen. Sie fragte, ob ich nicht Interesse habe, mich mit ihr und Erkan Kasap (CTO) über das Programm zu unterhalten, um ggf. darüber zu berichten und so dessen Bekanntheitsgrad zu steigern. Der Zufall sorgte dafür, dass Erkan und ich uns auf der FrOSCon 2022 an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin begegnet sind, wo wir uns gemeinsam mit Dirk über das Programm ausgetauscht haben. Erkan strahlte dabei eine Leidenschaft und ein Commitment aus, welche mir den Eindruck vermittelten, dass er für dieses Projekt brennt.

Um was für Projekte geht es?

Das Programm sucht innovative Projektideen zu Themen aus den Bereichen:

  • Infrastruktur & Web-Technologie
  • UX-Design & User Experience
  • Machine Learning & Natural Language Processing
  • Web3 & Blockchain
  • Augumented & Mixed Reality

Ihr arbeitet bereits an entsprechenden Projekten oder strebt dies an? Ihr seid dabei auf eine Anschubfinanzierung angewiesen oder braucht Unterstützung bei der Projektplanung? Dann könnt ihr euch mit eurer Idee hier bewerben.

Ihr habt noch keine konkrete Idee, würdet aber gern mal an einem Open Source Proejekt arbeiten, welches das Potenzial hat, die Medienbranche zu verändern? Dann schaut in die Projektideen und lasst euch inspirieren.

Wen sucht Erkan?

Erkan ist auf der Suche nach:

  • Open Source-Entwickler:innen und
  • Software-Freelancer:innen

die Lust auf ein cooles Forschungs- und Entwicklungsprojekt in und für die Medienbranche haben. Wichtig dabei ist, dass nur Einzelpersonen oder Teams aus Einzelpersonen gefördert werden können, jedoch keine Unternehmen.

Seid ihr z.B. Entwickler, die über ein Sabbatical nachdenken, um mal an einem richtig coolen Projekt zu arbeiten, aber in dieser Zeit auch Einkommen erzielen müssen, dann ist dieses Programm für euch.

Ihr seid jung, sprudelt vor innovativen Ideen, die ihr unbedingt umsetzen wollt? Doch es fehlt das Geld und ein wenig Unterstützung darin, wie man ein Projekt erfolgreich durchführt? Dann nehmt Kontakt zu Erkan auf. Vielleicht ist euer Projekt dann schon bald dabei und wird Realität.

Welche Projekte haben keine Chance?

Euer Projekt muss innovativ sein. Nicht innovativ sind z.B.:

  • Noch eine Rechtschreib- und Grammatikkorrektur für Office-Programme
  • Peer-Review-Portale
  • Sync&Share-Lösungen

Halt alles was es prinzipiell schon gibt. Damit sind jedoch nicht bereits existierende Projekte gemeint, denen es vielleicht noch an Funktionalität fehlt, um produktiv eingesetzt zu werden.

TL;DR: Wenn ihr alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollt, seid ihr bei Erkan an der falschen Adresse.

Die harten Fakten

Wenn dein/euer Projekt angenommen wird, arbeitet ihr bis zu sechs Monate an eurem Projekt. Dies geht remote oder beim Media Lab im Open Space in München. Der Arbeit am Projekt wird dabei die größte Zeit des Tages eingeräumt. Der Verwaltungs-Overhead wird auf ein Minimum reduziert. Die Messung und Kontrolle des Fortschritts gehört jedoch zu jedem ordentlichen Projekt dazu. So gibt es selbstverständlich auch hier Check-ins mit dem Media Lab Team, Tech-Experten auf CTO/Senior Level und Produkt Experten (Medienexperten). Mit diesen könnt ihr Fragen zum Tech-Setup diskutieren, die Nutzerperspektive kennenlernen und erhaltet Feedback zu eurem Projekt.

Ihr erhaltet alle zwei Monate ab Beginn des Projekts eine Auszahlung. An das Projektteam (nicht jedes Projektmitglied) werden so max. 45.000 EUR ausbezahlt, die ihr frei einsetzen könnt. Weitere 5.000 EUR sind zweckgebunden und können für Coaching und Mentoring eingesetzt werden. So könnt ihr euch bspw. Experten-Rat zu Themen wie Community-Management oder wie verwalte ich Contributer für mein Projekt einkaufen.

Was gibt es noch nicht?

Auf der FrOSCon kam unser Gespräch darauf, was mit den Projekten passiert, wenn sie fertig und abgenommen sind. Stichwort: Maintenance.

Dieser Punkt ist noch nicht abschließend geklärt. Erkan äußerte die Idee, dass Medienhäuser, die ein Open Source Projekt einsetzen und zu einem Bestandteil ihrer Geschäftsprozesse machen, als Paten auftreten können, um die Pflege und Wartung des Codes zu finanzieren. Dem Gemeinschaftsgedanken folgend, können sich mehrere Unternehmen auf diesem Weg die Kosten für die Software-Pflege teilen.

Eine interessante Idee, bei der allerdings noch offen ist, ob und in welchem Umfang sich Medienhäuser darauf einlassen.

Mein Eindruck

Ich persönlich finde es schon bemerkenswert, dass in Deutschland ein Förderprogramm aufgelegt wird, welches die Entwicklung von Open Source Projekten in diesem Umfang fördert. Etwas Vergleichbares war mir bis dato nicht bekannt.

Erkan hat auf mich den Eindruck hinterlassen, mit viel Herzblut und bis in die Bartspitzen motiviert hinter diesen Programm zu stehen.

In meinen Augen bietet das Programm eine gute Chance, um Open Source Projekten zu einem erfolgreichen Verlauf zu verhelfen. Auch wenn die Finanzierung der Maintenance-Phase nach Projektende noch nicht geklärt ist.

getent – Informationen über User, Gruppen, Services und mehr anzeigen

Im Artikel „Wie kann man Hostnamen ohne Programme aus dem Paket bind-utils auflösen?“ hatte ich getent bereits genutzt, um Hostnamen auflösen zu können, wenn kein Programm aus dem Paket bind-utils installiert ist. In diesem Artikel möchte ich getent einmal ganz allgemein vorstellen.

Das Kommando getent steht auf so gut wie jedem Linux- und UNIX-System zur Verfügung. Es steht für get entries und tut genau das. Es ruft Einträge aus Textdateien ab (in diesem Kontext auch Datenbanken genannt), die auf eurem System vorhanden sind. Genau genommen kann es alle Datenbanken abfragen, die in der Datei /etc/nsswitch.conf (siehe nsswitch.conf(5)) konfiguriert sind. Damit lässt sich auf reichhaltige Informationen zugreifen, ohne eine Internet-Suchmaschine zu bemühen. Es funktioniert sogar auf Systemen ohne Internetkonnektivität (ja auch heutzutage gibt es solche Systeme noch).

Ich möchte hier allerdings nicht die Manpage getent(1) widergeben, sondern euch ein paar Anwendungsbeispiele zeigen, bei denen ich getent hilfreich finde.

Informationen zu Ports, Services und Protokollnummern

Nehmen wir mal an, in einem Firewall-Log fallen uns die Ports 5432 und 11371auf und wir können uns gerade nicht daran erinnern, für welche Services diese üblicherweise verwendet werden. So hilft uns folgende Abfrage auf unserem Linux-/UNIX-System weiter:

$ getent services 5432 11371
postgresql            5432/tcp postgres
hkp                   11371/tcp

Die Ports gehören also zu PostgreSQL und zu OpenPGP-HTTP-Keyservern.

Umgekehrt funktioniert das natürlich auch. Mal angenommen, ihr habt die Standard-Ports für NTP und MySQL vergessen:

$ getent services ntp mysql
ntp                   123/udp
mysql                 3306/tcp

Der Befehl getent services ohne weitere Argumente gibt euch den gesamten Inhalt der Datenbank aus.

Auf dem gleichen Weg lassen sich auch die Protokollnummern gängiger Protokolle ermitteln:

$ getent protocols tcp udp rdp icmp
tcp 6 TCP
udp 17 UDP
rdp 27 RDP
icmp 1 ICMP

Informationen über User und Gruppen

Selbstverständlich kann man diese Informationen auch mit `grep <Suchmuster> /etc/{groups,passwd} erhalten. Es geht aber auch wie folgt:

$ getent passwd root
root:x:0:0:root:/root:/bin/bash
$ getent group root
root:x:0:
$ getent group sudo
sudo:x:27:alice

Ein Beispiel für Hostnamen findet sich bereits hier.

Fazit

Ich finde, getent ist ein einfach zu bedienendes und nützliches Programm. Seid ihr neugierig geworden? Dann schaut doch mal in die Manpage getent(1) für weitere Hinweise, wie und wofür ihr es nutzen könnt.

Red Hat Enterprise Linux registrieren und System Purpose konfigurieren mit Ansible

Um die Paketquellen von Red Hat für Red Hat Enterprise Linux (RHEL) nutzen zu können, wird eine sogenannte Software-Subskription benötigt. Diese bestimmt, auf welche Paketquellen ein System zugreifen und deren Inhalt konsumieren kann.

Das System der Subskriptionen befindet sich im Umbruch (siehe [1]). In diesem Artikel beschreibe ich, wie es bisher war, was sich durch die Aktivierung von Simple Content Access (SCA) [2] ändert und wie ich aktuell meine RHEL-Systeme registriere und deren System Purpose konfiguriere.

Der Text vermittelt dabei Wissen zum Red Hat Subscription Management (RHSM), Simple Content Access (SCA), Subscription Watch (SWatch), dem System Purpose und verlinkt relevante Quellen.

Aus Transparenz-Gründen möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich Mitglied der Red Hat Accelerators bin (vgl. hier). Dieser Text spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wider.

Subskriptions-Verwaltung ohne SCA

Eine Subskription berechtigt zur Nutzung bestimmter Paketquellen von Red Hat. Sie umfasst in der Regel eine gewisse Menge sogenannter Entitlements. Diese bestimmen, wie viele Systeme von einer Subskription abgedeckt werden.

Ein Beispiel: Eine Subskription für „Red Hat Enterprise Linux Server, Standard (Physical or Virtual Nodes)“ beinhaltet zwei Entitlements. Damit lassen sich ein physischer Server mit bis zu zwei CPU-Sockeln oder zwei virtuelle Maschinen (mit einer beliebigen Anzahl CPUs) zur Nutzung der Paketquellen berechtigen.

In der Regel werden RHEL-Systeme über den subscription-manager beim Red Hat Subscription Management (RHSM) oder einem Satellite Server registriert. Anschließend werden sie mit einer Subskription verknüpft. Wie man dies lösen kann, habe ich 2019 in dem Artikel RHEL-System registrieren und Subskription hinzufügen beschrieben.

Vorteile des RHSM

Das RHSM im Customer Portal bietet eine gute Übersicht über die vorhandenen Verträge, die Subskriptionen, deren Laufzeiten und verknüpfte Systeme. Man sieht hier auf einen Blick, ob man ausreichend Subskription hat, um all seine Systeme damit abdecken zu können.

Nachteile des RHSM

Um ein System beim RHSM zu registrieren und mit einer Subskription zu verknüpfen, muss das System eine Verbindung ins Internet zum RHSM-Dienst aufbauen. Dies ist im Datacenter häufig nicht erwünscht. Für Systeme ohne Zugang zum Internet gibt es die optionale Offline-Registrierung [3], welche jedoch etwas umständlich ist und bei vielen Offline-Systemen nicht skaliert.

Registriert man die Systeme nicht, ist man dennoch zu einer ordentlichen Buchführung verpflichtet, um sicherzustellen, dass man nicht dauerhaft mehr Systeme einsetzt, als durch vorhandene Subskriptionen abgedeckt sind.

Läuft ein Subskriptionsvertrag ab, werden die Entitlements ungültig. Die damit verknüpften Systeme fangen an, sich beim Update-Versuch darüber zu beschweren und verweigern den Zugriff auf die Paketquellen. Das ist besonders ärgerlich, weil es nach meiner Erfahrung bei jeder Vertragsverlängerung passiert. Denn tatsächlich wird der Vertrag nicht verlängert. Es gibt einen neuen Vertrag mit der entsprechenden Anzahl Subskriptionen. Diese müssen dann manuell neu verknüpft werden, was jedes Mal manuellen Pflegeaufwand bedeutet.

Vermutlich um dem zuvor genannten Ärgernis entgegenzuwirken hat Red Hat die Funktion auto-attach entwickelt. Wird die mit einem registrierten System verknüpfte Subskription ungültig sucht auto-attach automatisch nach einer geeigneten freien Subskription und verknüpft diese mit dem jeweiligen System. Nun mag sich manch einer Fragen, wie auto-attach wohl entscheidet, wenn es mehrere Subskriptionen gibt, die prinzipiell geeignet sind. Nach meiner Erfahrung wählt auto-attach mit einer Wahrscheinlichkeit von >95 % die am wenigsten geeignete Subskription aus. In meinen Augen nervt es mehr, als das es hilft.

Das Verknüpfen von Subskriptionen ist für die Buchführung praktisch, für den Betrieb eher nervig. Teilweise stört es sogar Betriebsabläufe, wenn z.B. Updates vorübergehend nicht installiert werden können. Um dem zu begegnen, hat Red Hat Simple Content Access (SCA) [2] geschaffen.

Was ändert sich durch SCA?

Wird SCA im RHSM aktiviert, müssen Subskriptionen nicht mehr mit Systemen verknüpft werden. RHEL-Systeme, die im RHSM registriert sind, erkennen dies und setzen für den Zugriff auf die Paketquellen kein Entitlement mehr voraus.

Vorteile

Der Betrieb wird vereinfacht. Ein System muss nur noch registriert werden und kann sofort auf Inhalte der diversen Paketquellen zugreifen.

Unterbrechungen im Betriebsablauf bei Ablauf einer Subskription gehören der Vergangenheit an.

Auch auto-attach bereitet nun keinen Ärger mehr.

Nachteile

Die Buchführung wird aufwändiger, da RHSM mit aktivierten SCA nur noch begrenzt dafür taugt. Man muss sich nun einen anderen Weg überlegen, wie man den Überblick behält.

Subscription Watch

Subscription Watch [4, 5] ist ein SaaS-Dienst in der Hybrid Cloud Console [6], welcher den Kunden dabei unterstützen soll, im Blick zu behalten, wie viele Subskriptionen er besitzt und wie viele er konsumiert. Dabei ist es möglich, mehr zu konsumieren, als man besitzt. Wird dies angezeigt, kann man handeln und fehlende Subskriptionen nachkaufen.

Leider hat die Sache einen Haken. Es funktioniert nicht richtig. In meinem Fall kommt eine Mischung aus kostenpflichtigen Subskriptionen und der Developer Subscription for Teams zum Einsatz. Im Subscription Watch gibt es einen Bug, durch den mir angezeigt wird, ich würde mehr Subskriptionen nutzen, als ich im Bestand habe, obwohl dies nicht der Fall ist.

Ich habe zu dem Fall ein Support-Ticket, in dem das Verhalten reproduziert werden konnte und der Fehler bestätigt wurde. Nur eine Lösung gibt es noch nicht. Leider ist Subscription Watch im aktuellen Status damit nutzlos für mich.

System Purpose

Was der System Purpose ist, wird im Detail in [1] und [7] beschrieben. Red Hat empfiehlt den System Purpose zu pflegen, um u.a. Subscription Watch dabei zu helfen, die konsumierten Inhalte korrekt zu zählen. Das hat folgenden Hintergrund.

Sowohl mit der „Red Hat Enterprise Linux Server, Standard (Physical or Virtual Nodes)“ Subskription als auch mit der „Developer Subscription for Teams“ darf man das RHEL-8-BaseOS-Repo nutzen. Gezählt werden soll in Subscription Watch jedoch nur die kostenpflichtige Subskription (Erstgenannte). Mit Hilfe des System Purpose gibt man an, ob es sich um ein Produktionssystem oder ein Test-/Entwicklungs-System handelt und steuert darüber, ob ein System in Subscription Watch gezählt wird.

Funktionieren tut das Ganze leider (noch) nicht. Unter anderem ist der zuvor erwähnte Bug dafür verantwortlich. Ich pflege den System Purpose jedoch trotzdem, in der Hoffnung, dass es in der Zukunft funktionieren wird.

Wie registriere ich meine Systeme heute?

Ich habe dazu eine kleine Ansible-Rolle erstellt, welche folgende Struktur besitzt:

roles/register_syspurpose/
├── defaults
│   └── main.yml
├── README.md
└── tasks
    └── main.yml

Das Readme.md enthält eine Beschreibung der notwendigen Variablen und ein Beispiel-Playbook, wie man diese Rolle nutzt:

register_syspurpose
===================

Register host to RHSM and set System Purpose.

Requirements
------------

 * [community.general collection](https://galaxy.ansible.com/community/general)

You might already have installed this collection if you are using Ansible Engine 2.9 or the `ansible` package. It is not included in `ansible-core`. To check whether it is installed, run `ansible-galaxy collection list`.

To install it, use: `ansible-galaxy collection install community.general`.

To use it in a playbook, specify: `community.general.redhat_subscription`.

Role Variables
--------------

```yaml
register_syspurpose_activationkey: register-syspurpose # activationkey for access.redhat.com or Satellite
register_syspurpose_org_id: 123456 # Org ID on access.redhat.com or Satellite
register_syspurpose_role: "Red Hat Enterprise Linux Server"
# possible values are:
# Red Hat Enterprise Linux Server
# Red Hat Enterprise Linux Workstation
# Red Hat Enterprise Linux Compute Node

register_syspurpose_sla: "Self-Support"
# possible values are:
# Premium
# Standard
# Self-Support

register_syspurpose_usage: "Development/Test"
# possible values are:
# Development/Test
# Disaster Recovery
# Production
```

I got these values from the KB [syspurpose_usage: "Development/Test"](https://access.redhat.com/articles/5713081).
There might be other possible values out there. In case you know some valid
addtional values please sent a PR to add them to this documentation.

Dependencies
------------

None.

Example Playbook
----------------

Including an example of how to use your role (for instance, with variables passed in as parameters) is always nice for users too:

~~~
- hosts: all
  gather_facts: no
  roles:
    - register_syspurpose
~~~

License
-------

MIT.

Author Information
------------------

Joerg Kastning - "joerg (dot) kastning '@' uni-bielefeld (dot) de"

Auch die Tasks-Datei ist sehr übersichtlich:

---
# tasks file for register_syspurpose
- name: Register system to RHSM and set syspurpose attributes
  redhat_subscription:
    state: present
    activationkey: "{{ register_syspurpose_activationkey }}"
    org_id: "{{ register_syspurpose_org_id }}"
    syspurpose:
      role: "{{ register_syspurpose_role }}"
      service_level_agreement: "{{ register_syspurpose_sla }}"
      usage: "{{ register_syspurpose_usage }}"
      sync: true

Um die Variablen mit Werten zu belegen, nutze ich group_vars. Ich verwende ein statisches Inventory, in dem ich Gruppen für die möglichen Kombinationen aus role, sla und usage definiert habe. So wird jeder neue Host der entsprechenden Gruppe hinzugefügt und anschließend bei der Provisionierung direkt registriert und korrekt konfiguriert. Detaillierte Informationen zum verwendeten Modul redhat_subscription bietet die Dokumentation unter [8].

Ihr seht, es steckt keine Magie in der Rolle. But I like to Keep It Simple, Stupid.

Fazit

Das Red Hat Subscription Management ist kompliziert, hat seine Macken, eine Geschichte und etliche Altlasten. Ein Team um Rich Jerrido hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Subskriptions-System zu überarbeiten und alte Zöpfe abzuschneiden. Ich beneide das Team nicht um diese Aufgabe.

Das System befindet sich aktuell im Übergang (siehe [1]). Damit gehen Herausforderungen sowohl für Red Hat als auch dessen Kunden einher.

Das Red Hat die technischen Abhängigkeiten zwischen Betriebssystem und RHSM mit SCA abschafft, weiß ich zu schätzen. Schade, dass die Unterstützung bei der Buchführung dabei auf der Strecke bleibt.

Subscription Watch bietet mir auch in der nahen Zukunft keinen Nutzen. Um meinen Pflichten aus [9] nachzukommen, werde ich mir Red Hat Discovery näher ansehen. Meine Erfahrungen werde ich anschließend hier im Blog niederschreiben.

  1. Transition of Red Hat’s subhttps://access.redhat.com/documentation/en-us/red_hat_subscription_management/2022scriptions 5ervices to console.redhat.com
  2. Simple Content Access (SCA)
  3. How to register and subscribe a system offline to the Red Hat Customer Portal?
  4. Subscription Watch
  5. Chapter 1. What is subscription watch?
  6. Red Hat Hybrid Cloud Console
  7. RHEL 8 Documentation: Chapter 12. Configuring System Purpose
  8. community.general.redhat_subscription module – Manage registration and subscriptions to RHSM using the subscription-manager command
  9. Red Hat Enterprise Linux subscription guide

Links speichern, verwalten und teilen mit Shaarli

Links meint in diesem Artikel insbesondere Lesezeichen (engl. Bookmarks), wie sie häufig im Webbrowser gespeichert werden. Und Shaarli (engl.) ist eine simple und schnelle Anwendung, um diese zu speichern, verwalten und teilen zu können.

In der Vergangenheit habe ich wiederholt Lösungen gesucht, um meine Lesezeichen im Webbrowser auf verschiedenen Geräten synchron zu halten. Bisher habe ich mich stets an einem oder mehreren der folgenden Punkte gestört:

  • Die Lösungen funktionierten nur mit einem Browser (z.B. Firefox oder Chrome)
  • Die Lösungen waren cloud-basiert. Ich möchte meine Links aber nach Möglichkeit nicht in einem Cloud-Dienst speichern.
  • Es mussten Browser-Plugins installiert werden, die mit der nächsten Browserversion nicht mehr funktionierten oder nach ein paar Monaten eingestellt wurden.
  • Man musste dazu Dienste hosten, von denen man 90 % der Funktionalität nicht genutzt hat.
  • Es funktionierte nie auf allen meinen Geräten.

Dabei ist es mir gar nicht wichtig, dass die Links synchronisiert werden. Ich möchte nur von all meinen Geräten auf die gleiche Sammlung zugreifen können. Eine umfangreiche und wachsende Linksammlung hier im Blog zu pflegen skaliert jedoch auch nicht. Und hier kommt Shaarli ins Spiel.

Nach eigener Darstellung kann Shaarli (engl.) genutzt werden, um:

  • interessante Links zu speichern, kommentieren und zu teilen.
  • von verschiedenen Computern und mobilen Geräten auf diese Links zuzugreifen.
  • als Microblog zu dienen.
  • als ToDo-Liste oder lese-ich-später-Liste zu fungieren.
  • eine Wissensdatenbank mit Notizen und Code-Schnipseln zu erstellen.
  • etc.

Ich selbst nutze Shaarli aktuell vorwiegend zum Speichen von Links, welche ich mit Titel, Beschreibung und Tags versehen und organisieren kann. Zusätzlich können Links als privat markiert werden, wodurch sie erst nach einem Login abrufbar sind.

Mir gefällt die einfache und schnelle Erfassung neuer Links. Die folgenden drei Screenshots veranschaulichen dies.

Shaarli add link dialog
HInzufügen eines Links zu Shaarli
Shaarli save dialog.
Hinzufügen von Titel, Beschreibung und Tags
Shaarli WebUI
So sieht der Link anschließend im WebUI aus

Die Projektdokumentation ist brauchbar und die Anwendung lässt sich ohne großen Aufwand auch selbst betreiben. Bei mir läuft sie unter Debian in einem rootless-Podman-Container (engl.).

Fazit

Schnelle und einfache Einrichtung der Anwendung sowie Erfassung von Links machen dieses Projekt zu einem nützlichen Werkzeug in meinem Alltag. And of course, it’s Open Source.

Da bleibt mir nur noch zu sagen: „Danke Dirk für den Tipp.“

Referenzen

Meine erste FrOSCon

Dieses Jahr fand die FrOSCon am 20. und 21. August an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg statt.

Bisher hatte ich es noch nicht zu dieser Konferenz geschafft. Obwohl mich das diesjährige Programm nicht ansprach, habe ich mich aufgerafft, um einige Bekannte nach langer Zeit mal wiederzusehen.

Es folgt ein kurzer Erlebnisbericht.

Die Anreise

Für die Anreise hatte ich folgende Optionen:

  1. Mit dem 9-Euro-Ticket und dem Regionalverkehr am Freitag oder Samstag; 4 Std. und 2 Umstiege.
  2. Mit dem ICE in ca. 3,5 Std.
  3. Mit dem Auto in ca. 2,5 Std.

Um Option 1 oder 2 zu nutzen, wären für mich weitere 20 Minuten Fahrzeit mit dem PkW hinzu gekommen, um den Startbahnhof zu erreichen. Die lange Fahrzeit und die Aussicht während einer Pandemie in einem völlig überfüllten Zug zu sitzen, haben mich das Auto nehmen lassen.

Hier war ich allein, musste keine Makse tragen und durfte selber fahren. Günstiger war es jedoch nicht.

Die Unterkunft

Da das Hotel Kaspar Garni – Siegburg bereits ausgebucht war, bin ich im Motel One Bonn-Beethoven abgestiegen.

Zimmer und Frühstück waren gut. Nur einen Parkplatz gab es nicht für mich. Das hat mich etwas irritiert, da ich dachte ein Motel bietet pro Zimmer auch einen Stellplatz für ein Auto. Also habe ich in einem Parkhaus in der Nähe geparkt.

Besuchte Vorträge und Workshops

Die Vorträge und Dirks Workshop haben mir gut gefallen. Aus jedem konnte ich etwas neues mitnehmen, was ich in den nächsten Wochen nochmal in Ruhe anschauen werden.

Insgesamt bot die FrOSCon über 60 Vorträge. Die meisten wurden aufgezeichnet und können auch im Nachgang noch angesehen werden. Im Erdgeschoss füllten 42 Aussteller die Fläche. Hier konnten Besucher mit Projekten und Unternehmen ins Gespräch kommen.

Der Gesamteindruck

Die FrOSCon ist nach eigenen Angaben die zweitgrößte Open-Source-Konferenz in Deutschland und die drittgrößte Europas. Der Veranstaltungsort ist schön und die Konferenz war nach meiner Wahrnehmung gut organisiert. Mit ca. 750 Besuchern in diesem Jahr reicht sie jedoch noch nicht an alte Besucherzahlen (ca. 2000) vor der Pandemie heran.

Besonders genossen habe ich das Social Event am Samstag Abend, wo ich mit alten und neuen Bekannten gefachsimmpelt, War Stories getauscht und ein paar Kölsch getrunken habe.

Ich kann mir gut vorstellen, nochmal wiederzukommen. Bis dahin habe ich einige neue Buchempfehlungen, die ich sicher lesen werde.

Labor-Umgebungen auf VMware vSphere erstellen mit der Ansible-Rolle vsphere_provision_lab

In diesem Artikel stelle ich euch meine Ansible-Rolle vsphere_provision_lab vor. Mit dieser ist es möglich, vordefinierte Labor-Umgebungen, bestehend aus virtuellen Maschinen (VMs), in einem VMware vSphere Cluster zu provisionieren.

Um dem Text folgen zu können, ist es hilfreich zu wissen, was eine Ansible-Rolle (engl.) ist und worum es sich bei VMware vSphere handelt.

Anwendungsfall

Zum Test von Ansible-Modulen, -Playbooks und -Rollen sowie neuer Shell-Skripte und Konfigurationsparameter benötige ich wiederholt Test- bzw. Labor-Umgebungen. Diese bestehen aus VMs, welche im Vergleich zum Provisionierungszeitpunkt möglichst wenig Änderungen aufweisen sollten.

Da die Konfiguration der Gast-Betriebssysteme durch einen Testlauf verändert wird, soll eine solche Labor-Umgebung nach einem Test möglichst schnell dekommissioniert und neu-provisioniert werden können.

Der Vorgang der Provisionierung und Dekommissionierung soll automatisiert erfolgen.

Voraussetzungen

Um die Ansible-Rolle vsphere_provision_lab nutzen zu können, benötigt man:

  • Einen Ansible Control Node mit einer Ansible-Version >= 2.9
  • Eine vCenter Server Appliance oder einen vCenter Server; getestet habe ich die Rolle mit Version 6.7 U3

Die Ansible-Rolle verwendet die Module vmware_guest und vmware_guest_disk aus der Collection community.vmware. Um diese nutzen zu können, muss auf dem Ansible Control Node Python in einer Version >= 2.6 und PyVmomi installiert sein.

Da die Rolle neue VMs aus Templates erstellt, müssen entsprechende vSphere Templates vorhanden sein.

Variablen

In diesem Abschnitt werden die Variablen dokumentiert, welche mit Werten zu belegen sind. Diese sind in defaults/main.yml definiert und können entsprechend der Variablen-Präzedenz überschrieben werden.

vCenter-Variablen

  • vsphere_provision_lab_vc_hostname – Der FQDN für die vCenter Server Appliance.
  • vsphere_provision_lab_vc_username – Ein Benutzeraccount mit der Berechtigung, neue VMs zu erstellen.
  • vsphere_provision_lab_vc_password – Spezifiziert das Benutzer-Passwort.
  • vsphere_provision_lab_vc_datacenter – Name des vSphere Datacenter in der Bestandsliste, das verwendet werden soll.
  • vsphere_provision_lab_vc_cluster – Der zu verwendende vSphere Cluster aus der Bestandsliste.
  • vsphere_provision_lab_vc_datastore – Name des Datenspeichers, in dem die VMDK-Datei(n) erstellt wird/werden.
  • vsphere_provision_lab_vc_folder – Der vSphere Folder Name, in dem die VM erstellt wird. Der Wert kann zuvor mit dem Playbook find_vmware_guest_folder.yml ermittelt werden.

Ich empfehle, sensible Informationen wie z.B. Benutzername und Passwort in einer verschlüsselten Ansible-Vault-Datei zu speichern.

Dictionary zur Spezifikation der VMs

Namen und Parameter der zu erstellenden VMs werden in einem YAML-Dictionary gespeichert. Der folgende Code-Block zeigt ein Beispiel für ein solches Dictionary mit einem Eintrag:

  vm1:
    vm_template: rhel8-en
    vm_ram_mb: 1024
    vm_vcpu: 2
    vm_net: VLAN123
    vm_ip: 192.168.0.5
    vm_netmask: 255.255.255.0
    vm_gateway: 192.168.0.254
    vm_domain: sub.example.com
    vm_hostname: host2
    vm_dns_servers:
      - 192.168.0.2
      - 192.168.0.3
    vm_dns_suffix:
      - sub.example.com
      - sub2.example.com
      - sub3.example.com
    vm_second_hdd: true
    vm_second_hdd_size_gb: "10"
    vm_second_hdd_type: "thin"
    vm_second_hdd_datastore: "DS1"
    vm_scsi_controller: "1"
    vm_unit_number: "1"
    vm_scsi_type: 'paravirtual'

Aus dem obigen Dictionary wird eine VM mit den folgenden Parametern erstellt:

  • vSphere-Template ‚rhel8-en‘ wird als Vorlage verwendet.
  • Der VM werden 1 vCPU und 512 MB RAM zugewiesen.
  • Die vNIC an das VM-Netz ‚VLAN123‘ angeschlossen.
  • Die VM wird mit der IP 192.168.0.1/24 und dem Standardgateway 192.168.0.254 konfiguriert.
  • Im Gast-Betriebssystem wird der Hostname ‚host1‘ konfiguriert.
  • Es werden DNS-Server und DNS-Suffixe konfiguriert.
  • Es wird eine zweite Festplatte für die VM erstellt.

Diesen Block kann man nun für weitere VMs wiederholen. Wird keine zweite HDD benötigt, setzt man vm_second_hdd auf false.

Beispiel-Playbook

---
- hosts: localhost
  connection: local
  gather_facts: no
  vars_files:
    - /path/to/vault-with-vcenter-creds.vars
    - roles/vsphere_provision_lab/vars/rhel-lab.yml
 
  roles:
    - vsphere_provision_lab

In diesem Beispiel werden die Variablen aus zwei Dateien geladen.

  • /path/to/vault-with-vcenter-creds.vars ist eine Ansible-Vault-Datei, welche die Anmeldeinformationen für den vCenter Server beinhaltet.
  • roles/vsphere_provision_lab/vars/rhel-lab.yml enthält das Dictionary mit den zu erstellenden VMs.

Wie kann man diese Rolle nutzen?

Die Rolle steht unter der Lizenz GPLv2-or-later und kann aus dem GitLab-Repo vsphere_provision_lab heruntergeladen bzw. das Repo geklont werden. Sie ist im Role Path der Ansible-Installation zu speichern. Anschließend kann man sich an folgendem Ablaufplan orientieren:

  1. Im Vorfeld sollten IP-Adressen und FQDNs für die zu erstellenden VMs registriert werden. Dieser Punkt ist spezifisch für eure jeweilige Umgebung.
  2. Die Variablen sind mit gültigen Werten zu belegen.
  3. Die Rolle ist in ein Playbook einzubinden.
  4. Und schon kann das Playbook ausgeführt werden.

Fazit

Die Ansible-Rolle vsphere_provision_lab ermöglicht es, Labor-Umgebungen, bestehend aus VMs, als YAML-Dictionary zu definieren und auf einem VMware vSphere Cluster zu provisionieren.

Damit eignet sie sich, um wiederholt eine Umgebung mit gleichen Ausgangsbedingungen zu schaffen. Gleichzeitig wird die Zeit für die Provisionierung verkürzt, da manuelle Schritte entfallen.

So richtig idempotent arbeitet das Modul vmware_guest allerdings nicht. Führe ich das Playbook ein zweites Mal aus, wird der Status „Changed“ zurückgegeben, obwohl die VMs bereits existieren. Die VMs selbst überstehen den zweiten Lauf auch unbeschadet, jedoch zeigt der vSphere Client, dass sie rekonfiguriert wurden. Das könnte ich mir noch genauer ansehen, um der Ursache auf die Schliche zu kommen.

Was haltet ihr davon? Findet ihr diese Role nützlich, oder bevorzugt ihr andere Wege zur Provisionierung eurer VMs auf vSphere?

LVM: Logical Volumes (LV) in andere Volume Group (VG) verschieben und andere Arbeiten

Der folgende Text dient mir als Dokumentation. Ich halte darin fest, wie ich LVs von einer VG in eine andere VG verschiebe und die Partitionstabelle der Festplatte mit der Quell-VG bearbeite. Der Verschiebe-Vorgang setzt sich dabei aus den zwei Vorgängen Kopieren und Löschen zusammen.

Der Text mag euch unterhalten und ggf. könnt ihr darauf zurückgreifen, wenn ihr ähnliche Arbeiten an euren Linux-Dateisystemen plant. Euch erwartet jedoch kein Tutorial, das in einzelne Themen oder Programme einführt. Falls ihr von hieran weiterlest, wünsche ich euch viel Spaß mit dem Text.

Ausgangslage

Es geht um meinen Desktop-PC. Dieser besitzt neben einer Geschichte auch einige Altlasten. Nun ist mir meine /boot-Partition zu klein. Da der Platz hinter der Partition jedoch von einer LUKS-verschlüsselten Partition mit LVM belegt ist, muss ich hier erst Platz schaffen, um die /boot-Partition vergrößern zu können.

Folgender Code-Block gibt einen Überblick über die Block-Geräte meines PCs, die darauf befindlichen Partitionen sowie deren Einhängepunkte in /etc/fstab und /etc/crypttab. Identifizierende Merkmale wie UUIDs wurden gekürzt, verändert oder Platzhalter an ihrer Stelle verwendet.

$ lsblk
NAME                          MAJ:MIN RM   SIZE RO TYPE  MOUNTPOINT
sda                             8:0    0 931,5G  0 disk  
└─sdb_crypt                   253:4    0 931,5G  0 crypt 
  └─tower--pc--vg2-lv--images 253:5    0   360G  0 lvm   /var/lib/libvirt/images
sdb                             8:16   0 238,5G  0 disk  
├─sdb1                          8:17   0   243M  0 part  /boot
├─sdb2                          8:18   0     1K  0 part  
└─sdb5                          8:21   0 238,2G  0 part  
  └─sda5_crypt                253:0    0 238,2G  0 crypt 
    ├─tower--pc--vg-root      253:1    0  27,9G  0 lvm   /
    ├─tower--pc--vg-swap_1    253:2    0     4G  0 lvm   [SWAP]
    └─tower--pc--vg-home      253:3    0 204,3G  0 lvm   /home
sr0

$ cat /etc/fstab
# /etc/fstab: static file system information.
#
# Use 'blkid' to print the universally unique identifier for a
# device; this may be used with UUID= as a more robust way to name devices
# that works even if disks are added and removed. See fstab(5).
#
# <file system> <mount point>   <type>  <options>       <dump>  <pass>
/dev/mapper/tower--pc--vg-root /               ext4    errors=remount-ro 0       1
# /boot was on /dev/sda1 during installation
UUID=a3809eb1-fc3d191e2ae9 /boot           ext2    defaults        0       2
/dev/mapper/tower--pc--vg-home /home           ext4    defaults        0       2
/dev/mapper/tower--pc--vg-swap_1 none            swap    sw              0       0
/dev/sr0        /media/cdrom0   udf,iso9660 user,noauto     0       0

# 1 TB SSD SANDisk
/dev/mapper/tower--pc--vg2-lv--images	/var/lib/libvirt/images	ext4	defaults	0	0

$ cat /etc/crypttab 
sda5_crypt UUID=07f0d6c5-257591190166 none luks,discard
sdb_crypt UUID="e605980c-307daf28b717" none luks,discard

$ sudo blkid
/dev/sdb1: UUID="a3809eb1-fc3d191e2ae9" BLOCK_SIZE="1024" TYPE="ext2" PARTUUID="6ee39e6a-01"
/dev/sdb5: UUID="07f0d6c5-257591190166" TYPE="crypto_LUKS" PARTUUID="6ee39e6a-05"
/dev/sda: UUID="e605980c-307daf28b717" TYPE="crypto_LUKS"
/dev/mapper/sda5_crypt: UUID="AZKTuQ-rVeB5S" TYPE="LVM2_member"
/dev/mapper/tower--pc--vg-root: UUID="be0ff8fd-7aee7ce75f3b" BLOCK_SIZE="4096" TYPE="ext4"
/dev/mapper/tower--pc--vg-swap_1: UUID="90823267-b6828aeca9b9" TYPE="swap"
/dev/mapper/tower--pc--vg-home: UUID="d410241d-04214b690522" BLOCK_SIZE="4096" TYPE="ext4"
/dev/mapper/sdb_crypt: UUID="Ff4Lt0-RKJrGd" TYPE="LVM2_member"
/dev/mapper/tower--pc--vg2-lv--images: UUID="3af3b461-cdd7b2bc9710" BLOCK_SIZE="4096" TYPE="ext4"

Ziel

Mein Ziel ist, die /boot-Partition auf 2 GB zu vergrößern, ohne das System neuinstallieren zu müssen oder die Daten in den vorhandenen Partitionen zu verlieren.

Mögliche Vorgehensweisen

Bei meiner Internet-Recherche bin ich auf folgende Lösungsmöglichkeiten gestoßen:

Wenn man diese Diskussionen und den Wiki-Artikel liest, erkennt man, dass es mehrere Wege zum Ziel gibt. Ich habe mich für folgendes Vorgehen entschieden, da es auf mich den Eindruck macht, unkompliziert zu sein und nur ein geringes Risiko für Datenverlust birgt:

  1. Datensicherung
  2. LUKS-Devices umbenennen
  3. LV und Dateisystem der /home-Partition verkleinern
  4. Neue LVs in zweiter VG erstellen
  5. Partitionen mit partclone kopieren
  6. Grub Neukonfigurieren (2x)

Schritt 1: Datensicherung durchführen

Bevor ich irgendwelche Änderungen an der Partitionstabelle von /dev/sdb durchführe, erstelle ich eine Datensicherung. Dazu verwende ich die freie Software Clonezilla, um die Partitionen von /dev/sdb in eine Image-Datei auf einer externen Festplatte zu sichern.

Das Programm ist einfach in der Bedienung und ermöglicht mir im Fehlerfall, die Partitionen der zu bearbeitenden Festplatte wiederherzustellen.

Schritt 2: LUKS-Devices umbenennen

Im IST-Zustand befindet sich das LUKS-Device sdb_crypt auf dem Gerät /dev/sda, während sich sda5_crypt auf dev/sdb5 befindet. Dies ist unschön und lässt sich wie folgt ändern:

root:~# dmsetup rename sda5_crypt sd_temp
root:~# dmsetup rename sdb_crypt sda5_crypt
root:~# dmsetup rename sd_temp sdb_crypt

Nun wird die Datei /etc/crypttab entsprechend angepasst (vgl. mit IST-Zustand):

root:~# cat /etc/crypttab 
sdb_crypt UUID=07f0d6c5-257591190166 none luks,discard
sda5_crypt UUID="e605980c-307daf28b717" none luks,discard

Damit die Partitionen beim Start des Rechners korrekt entschlüsselt und eingebunden werden, wird abschließend initramfs aktualisiert:

root:~# update-initramfs -u -k all
update-initramfs: Generating /boot/initrd.img-5.10.0-15-amd64
update-initramfs: Generating /boot/initrd.img-5.10.0-13-amd64

Nach einem Neustart ergibt sich das gewünschte Bild:

$ lsblk
NAME                          MAJ:MIN RM   SIZE RO TYPE  MOUNTPOINT
sda                             8:0    0 931,5G  0 disk  
└─sda5_crypt                  253:4    0 931,5G  0 crypt 
  └─tower--pc--vg2-lv--images 253:5    0   360G  0 lvm   /var/lib/libvirt/images
sdb                             8:16   0 238,5G  0 disk  
├─sdb1                          8:17   0   243M  0 part  /boot
├─sdb2                          8:18   0     1K  0 part  
└─sdb5                          8:21   0 238,2G  0 part  
  └─sdb_crypt                 253:0    0 238,2G  0 crypt 
    ├─tower--pc--vg-root      253:1    0  27,9G  0 lvm   /
    ├─tower--pc--vg-swap_1    253:2    0     4G  0 lvm   [SWAP]
    └─tower--pc--vg-home      253:3    0 204,3G  0 lvm   /home

Schritt 3: LV und Dateisystem der /home-Partition verkleinern

Meine /home-Partition ist mir mit 204 GB etwas groß geraten. Daher möchte ich sie um 100 GB verkleinern. Um das Dateisystem verkleinern zu können, darf die Partition nicht eingehängt sein. Um die folgenden Schritte durchzuführen, nutze ich diesmal das Linux-System System Rescue. Dabei handelt es sich um ein Live-System, mit jeder Menge Werkzeugen, um einen (beschädigten) Rechner zu bearbeiten.

Der folgende Code-Block zeigt, wie zuerst das verschlüsselte LUKS-Device geöffnet und anschließend das LV der /home-Partition verkleinert wird. Der dabei verwendete Befehl führt die Verkleinerung des Dateisystems und des LV in einem Schritt aus:

# LUKS-Device öffnen
# cryptsetup open <device> <name> --type <device_type> see cryptsetup(8)

root@sysrescue ~]# cryptsetup open /dev/sda5 crypt_disk --type luks2
Enter passphrase for /dev/sda5: 
[root@sysrescue ~]# lsblk
NAME                       MAJ:MIN RM   SIZE RO TYPE  MOUNTPOINTS
loop0                        7:0    0 647.7M  1 loop  /run/archiso/sfs/airootfs
sda                          8:0    0 238.5G  0 disk  
├─sda1                       8:1    0   243M  0 part  
├─sda2                       8:2    0     1K  0 part  
└─sda5                       8:5    0 238.2G  0 part  
  └─crypt_disk             254:0    0 238.2G  0 crypt 
    ├─tower--pc--vg-root   254:1    0  27.9G  0 lvm   
    ├─tower--pc--vg-swap_1 254:2    0     4G  0 lvm   
    └─tower--pc--vg-home   254:3    0 204.3G  0 lvm   
sdb                          8:16   0 931.5G  0 disk

# Dateisystem und LV in einem Schritt verkleinern
# Aufgrund der gewählten Größe dauert dieser Vorgang einige Minuten
# lvresize --size [+|-]Size[m|UNIT] --resizefs <lv name> see lvresize(8)

[root@sysrescue ~]# lvresize --size -100G --resizefs /dev/tower-pc-vg/home 
fsck from util-linux 2.38
/dev/mapper/tower--pc--vg-home: Inode 393223 extent tree (at level 1) could be narrower.  IGNORED.
/dev/mapper/tower--pc--vg-home: Inode 12847282 extent tree (at level 1) could be narrower.  IGNORED.
/dev/mapper/tower--pc--vg-home: 20959/13393920 files (1.2% non-contiguous), 14367863/53551104 blocks
resize2fs 1.46.5 (30-Dec-2021)
Resizing the filesystem on /dev/mapper/tower--pc--vg-home to 27336704 (4k) blocks.
The filesystem on /dev/mapper/tower--pc--vg-home is now 27336704 (4k) blocks long.

  Size of logical volume tower-pc-vg/home changed from 204.28 GiB (52296 extents) to 104.28 GiB (26696 extents).
  Logical volume tower-pc-vg/home successfully resized.

[root@sysrescue ~]# lsblk
NAME                       MAJ:MIN RM   SIZE RO TYPE  MOUNTPOINTS
loop0                        7:0    0 647.7M  1 loop  /run/archiso/sfs/airootfs
sda                          8:0    0 238.5G  0 disk  
├─sda1                       8:1    0   243M  0 part  
├─sda2                       8:2    0     1K  0 part  
└─sda5                       8:5    0 238.2G  0 part  
  └─crypt_disk             254:0    0 238.2G  0 crypt 
    ├─tower--pc--vg-root   254:1    0  27.9G  0 lvm   
    ├─tower--pc--vg-swap_1 254:2    0     4G  0 lvm   
    └─tower--pc--vg-home   254:3    0 104.3G  0 lvm   
sdb                          8:16   0 931.5G  0 disk

Zur Sicherheit führe ich noch eine Dateisystemüberprüfung aus:

[root@sysrescue ~]# fsck -t ext4 /dev/mapper/tower--pc--vg-home
fsck from util-linux 2.38
e2fsck 1.46.5 (30-Dec-2021)
/dev/mapper/tower--pc--vg-home: clean, 20959/6840320 files, 13956503/27336704 blocks

Da alles in Ordnung ist, fahre ich mit dem nächsten Schritt fort. Dazu nutze ich weiterhin die System Rescue Umgebung.

Schritt 4: LVs in zweiter VG erstellen

Da ich für die folgenden Vorgänge Zugriff auf die zweite VG benötige, öffne ich zuerst das LUKS-Device, in dem sich diese befindet:

[root@sysrescue ~]# cryptsetup open /dev/sdb crypt_disk2 --type luks2

Nun erstelle ich drei neue LVs, welche den Inhalt der existierenden LVs root, swap_1 und home aufnehmen sollen. Die Ziel-LVs müssen dazu mindestens gleich groß oder größer als die Quell-LVs sein. Um die erforderliche Größe zu ermitteln, lasse ich mir die Größe der Quell-LVs in Byte anzeigen. Ich wähle bewusst die Einheit Byte, da die Ausgabe bei größeren Einheiten auf zwei Nachkommastellen gerundet wird und ich mir keine Probleme durch die Rundung einhandeln möchte.

# Es werden nur die relevanten Informationen wiedergegeben
root:~# lvdisplay --unit b
LV Path                /dev/tower-pc-vg/root
LV Name                root
VG Name                tower-pc-vg
...
LV Size                29997662208 B
-----
LV Path                /dev/tower-pc-vg/swap_1
LV Name                swap_1
VG Name                tower-pc-vg
...
LV Size                4290772992 B
-----
LV Path                /dev/tower-pc-vg/home
LV Name                home
VG Name                tower-pc-vg
...
LV Size                111971139584 B

Mit diesen Informationen erstelle ich die neuen LVs in der zweiten VG:

:~# lvcreate --size 29997662208B /dev/tower-pc-vg2 --name root
  Logical volume "root" created.
:~# lvcreate --size 4290772992B /dev/tower-pc-vg2 --name swap_1
  Logical volume "swap_1" created.
:~# lvcreate --size 111971139584B /dev/tower-pc-vg2 --name home
  Logical volume "home" created.

Schritt 5: Partitionen mit partclone kopieren

Für diesen Schritt nutze ich die freie Anwendung Partclone. Da meine LVs weiterhin ausgehängt sind, muss ich mir um Schreib-Zugriffe anderer Prozesse während des Kopiervorgangs keine Sorgen machen:

# Manpage partclone(8)
# partclone.<fs_type> --dev-to-dev --source <Quelle> --output <Ziel>

[root@sysrescue ~]# partclone.ext4 --dev-to-dev --source /dev/tower-pc-vg/root --output /dev/tower-pc-vg2/root 
Partclone v0.3.20 http://partclone.org
Starting to back up device(/dev/tower-pc-vg/root) to device(/dev/tower-pc-vg2/root)
Elapsed: 00:00:01, Remaining: 00:00:00, Completed: 100.00%                      
Total Time: 00:00:01, 100.00% completed!
done!
File system:  EXTFS
Device size:   30.0 GB = 7323648 Blocks
Space in use:  20.8 GB = 5078551 Blocks
Free Space:     9.2 GB = 2245097 Blocks
Block size:   4096 Byte
Elapsed: 00:03:16, Remaining: 00:00:00, Completed: 100.00%, Rate:   6.37GB/min, 
current block:    7323648, total block:    7323648, Complete: 100.00%           
Total Time: 00:03:16, Ave. Rate:    6.4GB/min, 100.00% completed!
Syncing... OK!
Partclone successfully cloned the device (/dev/tower-pc-vg/root) to the device (/dev/tower-pc-vg2/root)
Cloned successfully.

[root@sysrescue ~]# partclone.ext4 --dev-to-dev --source /dev/tower-pc-vg/home --output /dev/tower-pc-vg2/home 
Partclone v0.3.20 http://partclone.org
Starting to back up device(/dev/tower-pc-vg/home) to device(/dev/tower-pc-vg2/home)
Elapsed: 00:00:01, Remaining: 00:00:00, Completed: 100.00%                      
Total Time: 00:00:01, 100.00% completed!
done!
File system:  EXTFS
Device size:  112.0 GB = 27336704 Blocks
Space in use:  57.2 GB = 13956503 Blocks
Free Space:    54.8 GB = 13380201 Blocks
Block size:   4096 Byte
Elapsed: 00:12:22, Remaining: 00:00:00, Completed: 100.00%, Rate:   4.62GB/min, 
current block:   27336704, total block:   27336704, Complete: 100.00%           
Total Time: 00:12:22, Ave. Rate:    4.6GB/min, 100.00% completed!
Syncing... OK!
Partclone successfully cloned the device (/dev/tower-pc-vg/home) to the device (/dev/tower-pc-vg2/home)
Cloned successfully.

Die SWAP-Partition enthält keine Daten, die kopiert werden müssen. Hier formatiere ich das neue LV einfach als SWAP-Partition:

[root@sysrescue ~]# mkswap /dev/tower-pc-vg2/swap_1
Setting up swapspace version 1, size = 4 GiB (4290768896 bytes)
no label, UUID=f9181521-a06da5b8ade5

Schritt 6: Grub neukonfigurieren (2x)

An diesem Punkt habe ich meinen Rechner normal gestartet, um zu überprüfen, dass er wie gewohnt hochfährt. Die gute Nachricht lautet: „Er ist wie gewohnt gestartet.“

Nun verfüge ich über ein Clonezilla-Image der ersten Festplatte, dessen Wiederherstellbarkeit ich noch nicht durch Restore validiert habe und über die Kopien meiner Partitionen in der zweiten VG. Starten tut mein Rechner jedoch immer noch von den altbekannten Partitionen, da ich der Grub-Konfiguration noch nicht mitgeteilt habe, dass ein Wurzeldateisystem aus einer anderen Partition zu verwenden ist.

Leider habe ich es versäumt, mir während der Nutzung der System-Rescue-Umgebung Notizen zu machen. Daher kann ich die verwendeten Befehle an dieser Stelle nur unvollständig wiedergeben. Es ist mir jedoch gelungen, vom Wurzeldateisystem in /dev/tower-pc-vg2/root zu starten. Dies sieht man z.B. in der Ausgabe von lsblk:

:~$ lsblk
NAME                          MAJ:MIN RM   SIZE RO TYPE  MOUNTPOINT
sda                             8:0    0 931,5G  0 disk  
└─sda5_crypt                  253:0    0 931,5G  0 crypt 
  ├─tower--pc--vg2-lv--images 253:1    0   360G  0 lvm   /var/lib/libvirt/images
  ├─tower--pc--vg2-root       253:2    0  27,9G  0 lvm   /
  ├─tower--pc--vg2-swap_1     253:3    0     4G  0 lvm   [SWAP]
  └─tower--pc--vg2-home       253:4    0 104,3G  0 lvm   /home
sdb                             8:16   0 238,5G  0 disk  
├─sdb1                          8:17   0     2G  0 part  /boot
├─sdb2                          8:18   0     1K  0 part  
└─sdb5                          8:21   0 234,2G  0 part  
  └─sdb_crypt                 253:5    0 234,2G  0 crypt 
    ├─tower--pc--vg-root      253:6    0  27,9G  0 lvm   
    ├─tower--pc--vg-swap_1    253:7    0     4G  0 lvm   
    └─tower--pc--vg-home      253:8    0 104,3G  0 lvm   
sr0

Wer den Code-Block genau studiert hat, wird festgestellt haben, dass meine /boot-Partition gegenüber dem Eingangs erwähnten IST-Zustand auf 2 GB angewachsen ist. Ich habe die Partitionstabelle zwischenzeitlich mit GParted bearbeitet, welches in der System-Rescue-Umgebung enthalten ist.

Damit habe ich mein Ziel erreicht. Der Artikel könnte an dieser Stelle enden. Ich möchte jedoch zukünftig wieder die Partitionen von /dev/sdb verwenden. Dazu muss ich nochmals Grub neukonfigurieren, welches ich diesmal in folgendem Code-Block zeige:

root@tower-pc:~# mount /dev/tower-pc-vg/root /mnt

# Die separate /boot-Partition muss ebenfalls mit eingehängt werden
root@tower-pc:~# mount /dev/sdb1 /mnt/boot

root@tower-pc:~# for DEVICE in /dev /dev/pts /proc /sys; do mount --bind $DEVICE /mnt$DEVICE; done
root@tower-pc:~# mount /dev/tower-pc-vg2/lv-images /mnt/var/lib/libvirt/images

# ID der Partition mit dem Wurzeldateisystem ermitteln
root@tower-pc:~# ls -l /dev/tower-pc-vg/root 
lrwxrwxrwx 1 root root 7 18. Jun 20:13 /dev/tower-pc-vg/root -> ../dm-6
root@tower-pc:~# ls -l /dev/disk/by-id/ | grep dm-6
lrwxrwxrwx 1 root root 10 18. Jun 20:13 dm-name-tower--pc--vg-root -> ../../dm-6

# In eine chroot-Umgebung wechseln
root@tower-pc:~# chroot /mnt
root@tower-pc:/# pwd
/

In der chroot-Umgebung wird die Datei /etc/default/grub mit einem Editor geöffnet und die Zeile GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT= bearbeitet. Dort trage ich die ID der Partition meines Wurzeldateisystems ein. Die Zeile sieht anschließend wie folgt aus:

GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT="root=/dev/disk/by-id/dm-name-tower--pc--vg-root iommu='soft' quiet"

Der folgende Code-Block stellt die Befehle dar, mit denen Grub neukonfiguriert und installiert sowie initramfs aktualisiert wird.

root@tower-pc:/# grub-mkconfig -o /boot/grub/grub.cfg 
Generating grub configuration file ...
Found background image: /usr/share/images/desktop-base/desktop-grub.png
Found linux image: /boot/vmlinuz-5.10.0-15-amd64
Found initrd image: /boot/initrd.img-5.10.0-15-amd64
Found linux image: /boot/vmlinuz-5.10.0-13-amd64
Found initrd image: /boot/initrd.img-5.10.0-13-amd64
Found Debian GNU/Linux 11 (bullseye) on /dev/mapper/tower--pc--vg2-root
done

root@tower-pc:/# update-initramfs -u -k all
update-initramfs: Generating /boot/initrd.img-5.10.0-15-amd64
update-initramfs: Generating /boot/initrd.img-5.10.0-13-amd64
root@tower-pc:/# exit
exit
root@tower-pc:~# reboot NOW

Nach dem Neustart habe ich noch überprüft, dass der Rechner wirklich die ursprünglichen Partitionen eingehängt hat:

$ lsblk
NAME MAJ:MIN RM SIZE RO TYPE MOUNTPOINT
sda 8:0 0 931,5G 0 disk
└─sda5_crypt 253:4 0 931,5G 0 crypt
├─tower--pc--vg2-lv--images 253:5 0 360G 0 lvm /var/lib/libvirt/images
├─tower--pc--vg2-root 253:6 0 27,9G 0 lvm
├─tower--pc--vg2-swap_1 253:7 0 4G 0 lvm
└─tower--pc--vg2-home 253:8 0 104,3G 0 lvm
sdb 8:16 0 238,5G 0 disk
├─sdb1 8:17 0 2G 0 part /boot
├─sdb2 8:18 0 1K 0 part
└─sdb5 8:21 0 234,2G 0 part
└─sdb_crypt 253:0 0 234,2G 0 crypt
├─tower--pc--vg-root 253:1 0 27,9G 0 lvm /
├─tower--pc--vg-swap_1 253:2 0 4G 0 lvm [SWAP]
└─tower--pc--vg-home 253:3 0 104,3G 0 lvm /home
sr0 11:0 1 1024M 0 rom

Ende gut alles gut

Operation gelungen. Patient rechnet noch.

Mein Ziel habe ich erreicht und als Bonus Grub so konfiguriert, dass wieder meine ursprünglichen Partitionen verwendet werden. Die LVs in VG2 behalte ich vorerst. Sie stören nicht und ich kann die dortige Installation ebenfalls booten. Diese kann ich evtl. noch für zukünftige Experimente hernehmen.

Mir gefällt, dass ich frei verfügbare Informationen und Werkzeuge benutzen konnte, um alle notwendigen Aufgaben zu erledigen. So habe ich wieder einiges dazugelernt. Dies ist einer der Gründe, weshalb mir Freie Software und Open Source so gut gefallen.

Nun werde ich diesen Text noch verschlagworten, damit ich ihn in einer fernen Zukunft auch wiederfinde.