Erfahrungsbericht vom OpenStack Summit 2018 in Berlin

Der OpenStack Summit 2018 fand vom 13.11.-15.11. im CityCube Berlin statt. Es war der erste Summit in Deutschland und ich nutzte die Gelegenheit, den Summit erstmals zu besuchen. Hier folgt nun ein Erfahrungsbericht.

Motivation

Privat interessiere ich mich bereits seit vielen Jahren für diverse Themen rund um Open Source Hard- und Software. Beruflich bin ich aktuell in ein Projekt involviert, welches sich inhaltlich mit der Speicher-Lösung Ceph [1], [2] und der Cloud-Umgebung OpenStack [3], [4] beschäftigt.

Bei beiden handelt es sich um äußerst komplexe Open Source Technologien und die Einstiegshürde liegt entsprechend hoch. Dies liegt unter anderem daran, dass man hier kein fertiges Produkt bekommt, sondern eher ein Framework, welches sich flexibel für diverse Anwendungsfälle eignet.

Mit dem Summit bot sich eine gute Gelegenheit, die Community kennenzulernen, Vorträge über Fallstudien und Neuentwicklungen zu hören sowie an Workshops zur weiteren Entwicklung teilzunehmen.

Der Ceph Day Berlin

Im Vorfeld des OpenStack Summits fand ebenfalls im CityCube Berlin der Ceph Day [5] statt. Eröffnet wurde dieser von Sage Weil, welcher einen Überblick über den aktuellen Entwicklungsstand und neue Funktionen im kommenden Release gab.

Es folgten Vorträge über die neuen Management- und Monitoring-Funktionalitäten des überarbeiteten Dashboards, eine Fallstudie vom MeerKAT Radio-Teleskop und noch einige mehr. Begleitend wurden die Teilnehmer mit Kaffee, Kaltgetränken und kleinen Snacks versorgt.

Besonders gefallen haben mir die Vorträge über den Entwicklungsstand, die Neuerungen und wie man mit Upmap das Backfilling bzw. Rebalancing in den Griff bekommt. Darüber hinaus habe ich die Gelegenheit genutzt, in den Pausen mit anderen Teilnehmern, über deren Anwendungsfälle und  Erfahrungen mit Ceph zu sprechen. Auch in diesen Gesprächen gab es sowohl neue Einblicke, als auch Bestätigung für Dinge, die ich mir bisher aus der Literatur angelesen und in einem kleinen Proof of Concept erfahren habe.

Alles in allem war es ein guter Tag, welcher Lust auf die weiteren Tage machte.

Der OpenStack Summit

Am Dienstag startete dann der OpenStack Summit mit einer Reihe von Keynotes. Erste Erkenntnis: Da es auf diesem Summit nicht nur um OpenStack geht, wird sich die Veranstaltung einen neuen Namen geben und sich zukünftig Open Infrastructure Summit nennen.

Ganz grob lässt sich der Summit in das Vortragsprogramm, den Marktplatz und die Flurgespräche unterteilen.

Das Vortragsprogramm

Es gab ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Vortragsprogramm [6]. Aufgrund des internationalen Publikums wurden sämtliche Vorträge in englischer Sprache gehalten.

Die Vorträge ließen sich erneut in Fallstudien, Projektvorstellungen, Neuigkeiten und Sponsoren-Vorträge unterteilen. Es gab ein breites Spektrum sowohl an Themen, als auch an deren Qualität.

Bei den vielen parallelen Strängen und interessanten Themen war es unmöglich, alle interessanten Vorträge zu besuchen. Zum Glück wurden sehr viele Vorträge aufgezeichnet, so dass man sie sich auch im Nachgang noch auf Video ansehen kann [7].

Eine interessante Erfahrung für mich war die Teilnahme an den Arbeitstreffen einiger Gruppen, welche sich unter anderem um die Weiterentwicklung der verschiedenen Deployment-Werkzeuge für OpenStack drehten. Die Teilnehmer hielten die Agenda in öffentlich zugänglichen Etherpads [8] fest und sammelten in diesen sowohl Fragen, Vorschläge als auch Antworten zu den gestellten Fragen.

Insgesamt wirkten diese Treffen zwar nicht sehr effizient, doch habe ich auch keine Idee, wie man ein Treffen mit so vielen Teilnehmern effizienter gestalten kann. Ich hoffe nun auf die Ergebnisse, da diese einem Neueinsteiger die Wahl eines geeigneten Deployment-Tools entscheidend vereinfachen könnten.

Der Marktplatz

Als Marktplatz wurde die Ausstellerfläche der Sponsoren im CityCube bezeichnet. Hier ergab sich die Gelegenheit, mit den Firmen in Kontakt zu treten, welche aktiv an der Entwicklung von Ceph und OpenStack beteiligt sind und ergänzende kommerzielle Lösungen und Support für diese anbieten.

Als SysAdmin habe ich mit großer Freude zur Kenntnis genommen, dass hier vor allem Techniker vor Ort waren und keine Vertriebsmitarbeiter. So konnte man sich darüber austauschen, was ein Produkt wirklich kann, wie es funktioniert und was davon zu erwarten ist. Und sind wir mal ehrlich, einen Preis dafür kann man immer noch anfragen. Dies gelingt in den meisten Fällen deutlich einfacher, als einen technisch versierten Ansprechpartner zu finden.

Selbstverständlich konnte man hier auch das ein oder andere Souvenir in Form eines T-Shirts, einer Tasse oder eines Huts abstauben. So war auch für Souvenir-Jäger gesorgt.

Flurgespräche

Flurgespräche nenne ich die vielen Gelegenheiten, die sich boten, um mit Menschen aus der Community Gespräche über verschiedenste Themen zu führen. Häufig sind diese informellen Gespräche genauso informativ, wenn nicht sogar noch erkenntnisreicher, als so mancher Vortrag.

Darüber hinaus besitzen sie selbstverständlich auch einen gewissen Unterhaltungswert. Am Dienstag Abend saß ich mit einem US-Amerikaner und einem Russen zusammen. Wir tauschten uns über kulturelle Unterschiede und Herangehensweisen beim Betrieb von Rechenzentren aus. Und wir hatten eine Menge Spaß dabei.

Grundsätzlich besitzen Ceph und OpenStack eine recht offene und freundliche Community. Man konnte schnell Anschluss finden und auch für die vermeintlich naiven Fragen eines Einsteigers nahm man sich Zeit, um diese ausführlich zu diskutieren.

Mein größter Dank gilt der Teilnehmerin oder dem Teilnehmer, welche/r mein verlorenes Portemonnaie gefunden und abgegeben hat. VIELEN DANK an die bzw. den Unbekannte/n!

Fazit

Ich persönlich ziehe ein gemischtes Fazit. Der Ceph Day sowie der OpenStack Summit waren toll. Sowohl das offizielle Programm als auch die Menschen waren spitze. Es war eine tolle Erfahrung, dabei zu sein. Ich hoffe, dass sich mir diese Möglichkeit noch einmal bietet.

Bezüglich Ceph und OpenStack habe ich viele Anwendungsszenarien kennengelernt und einen guten Einblick in diverse Projekte gewonnen. Deutlich wurde dabei jedoch auch, dass OpenStack noch lange nicht fertig ist und es vermutlich auch nie sein wird. Die Entwicklung wird in alle möglichen Richtungen weitergehen. Mit dabei sind eine Menge Haken, Ösen und Dinge, die einfach noch nicht ausgereift sind.

Doch muss man sich von diesen lebendigen Projekten nicht abschrecken lassen. Die Fallstudien bspw. des CERN, des MeerKAT oder des Human Brain Projects zeigen, dass man diese Projekte mit den richtigen Voraussetzungen sehr erfolgreich betreiben kann.

Was wir in unserer Einrichtung daraus machen, wird die Zukunft zeigen.


  1. Ceph Project Homepage: https://ceph.com/
  2. Ceph – Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Ceph
  3. OpenStack Project Homepage: https://www.openstack.org
  4. OpenStack – Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/OpenStack
  5. Ceph Day Berlin 2018: https://ceph.com/cephdays/ceph-day-berlin/
  6. Full Schedule 2018: https://www.openstack.org/summit/berlin-2018/summit-schedule/full/
  7. Aufgezeichnete Tracks: https://www.openstack.org/summit/berlin-2018/summit-schedule/#day=2018-11-13&recorded=true
  8. Etherpad – Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Etherpad

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