Geschwindigkeit von PowerLAN mit iperf messen

PowerLAN, auch bekannt als dLAN oder Powerline, bezeichnet eine Technologie, zum Aufbau eines lokalen Netzwerks, unter Nutzung vorhandener Stromleitungen.

Adapter verschiedener Hersteller versprechen dabei eine Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 2000 Mbit/s. Doch ob diese Geschwindigkeit im eigenen Haushalt auch nur annähernd erreicht wird hängt von vielen Faktoren ab. Darunter fallen z.B. Alter und Zustand der Hausverkabelung, aber auch angeschlossene elektrische Geräte können die Übertragungsgeschwindigkeit negativ beeinflussen.

Um die Geschwindigkeit des PowerLAN zu messen bietet sich das Programm iperf an, welches unter allen gängigen Linux-Distributionen zur Verfügung steht.

Test der Messmittel

Bevor man mit der Messung beginnt und viel Mist misst, sollte man noch ein paar Dinge beachten.

Um mit iperf die Geschwindigkeit des Netzwerks zu messen, kommen in meinem kleinen Versuchsaufbau zwei Notebooks mit Ubuntu 16.04 LTS und Gigabit-Netzwerkkarte zum Einsatz. Denn selbstverständlich haben auch die Geschwindigkeit der verwendeten Netzwerkkarten und selbst der Netzwerkkabel einen Einfluss auf das Messergebnis. Verwendet man Netzwerkkarten mit einer Geschwindigkeit von 100 Mbit/s oder ist schon ein paar Mal mit dem Bürostuhl über das Netzwerkkabel gerollt, darf man sich nicht wundern, wenn man nicht mal annähernd an die versprochene Geschwindigkeit herankommt. Aber auch andere Programme, die evtl. zur gleichen Zeit ausgeführt werden und das Netzwerk nutzen, können die Messergebnisse beeinträchtigen. Es gilt diese Störfaktoren möglichst auszuschließen.

Die beiden Notebooks verbinde ich zuerst über einen Gbit-Switch miteinander. Dazu verwende ich die neuen LAN-Kabel, welche den PowerLAN-Adaptern beiliegen. Dank IPv6 ist keine weitere Konfiguration der Schnittstellen erforderlich. Es können direkt die link-local Adressen genutzt werden, um miteinander zu kommunizieren. Nun wird auf einem der beiden Notebooks iperf (iperf -s) im Servermodus gestartet, womit es auf eingehende Verbindungen wartet.

Auf dem anderen Notebook wird iperf im Client-Modus gestartet (iperf -c hostname), welches sich dann zum Server verbindet und mit der Messeung beginnt. Das Ergebnis einer solchen Messung ist der folgenden Ausgabe zu entnehmen:

------------------------------------------------------------
Client connecting to fe80::%eth0, TCP port 5001
TCP window size: 85.0 KByte (default)
------------------------------------------------------------
[  3] local fe80:: port 47748 connected with fe80:: port 5001
[ ID] Interval       Transfer     Bandwidth
[  3]  0.0-10.0 sec  1.07 GBytes   915 Mbits/sec

Bei ca. 10 Wiederholungen dieses Tests lag die Geschwindigkeit stets zwischen 910 Mbits/s und 936 Mbits/s. Für einen kleinen SoHo-Switch ein hervorragendes Ergebnis. Nun bin ich natürlich gespannt, ob die PowerLAN-Adapter die angepriesene Geschwindigkeit ebenfalls liefern können.

Messung der PowerLAN-Verbindung

Die PowerLAN-Adapter wurden direkt in Wandsteckdosen eingesetzt. Die integrierten Steckdosen sollen von weiteren Endgeräten verursachte Störungen auf der Leitung herausfiltern und so die bestmögliche Leistung garantieren.

In meinem Versuchsaufbau befand sich ein Adapter im Erdgeschoss, während der andere im darüberliegenden Raum im 1. OG angeschlossen wurde. Beide Adapter haben sich innerhalb kurzer Zeit gefunden und zu einem Paar verbinden lassen.

Anschließend wurde die Übertragungsgeschwindigkeit mit iperf gemessen. Die Messung wurde mehrfach wiederholt, um Ausreißer erkennen zu können. Das Ergebnis war leider sehr enttäuschend. Die durchschnittliche Übertragungsrate lag bei 31 Mbit/s. Ausreißer gab es ledigich nach unten, wo bei einigen Tests nur 7 Mbit/s übertragen wurden.

In der Folge habe ich noch weitere Messungen an anderen Steckdosen im Haus durchgeführt, kam aber nicht über eine maximale Übertragungsrate von 36 Mbit/s hinaus. Hinzu kommt die Beobachtung, dass die getesteten Adapter während einer Messung wiederholt die Verbindung zueinander verloren und Messungen wiederholt werden mussten.

Leider bestätigten sich damit Ergebnisse aus früheren Tests, so dass kein sinnvoller Einsatz dieser Technik in unserem Haus möglich scheint.

Fazit

PowerLAN verspricht die schnelle und einfache Vernetzung von netzwerkfähigen Geräten über das Stromnetz in der eigenen Wohnung bzw. im eigenen Haus. Die versprochenen Übertragungsraten von teilweise mehr als 1 Gbit/s werden dabei jedoch nicht in jedem Fall erreicht. Häufig liegen diese sogar deutlich unter den angegebenen Maximalwerten. Daher ist ein Test der Übertragungsgeschwindigkeit in jedem Fall empfehlenswert.

Bevor man jedoch mit der Messung beginnt, sollte man die eingesetzten Messmittel auf ihre Tauglichkeit und Leistungsfähigkeit hin überprüfen. Denn sonst gilt wieder: „Wer viel misst, misst viel Mist.“

5 Gedanken zu „Geschwindigkeit von PowerLAN mit iperf messen

  1. Gerald

    Nicht nur Geräte und Leitungen, vor allem Stromkreise. Jeder Leitungsschutz- und FI-Schalter enthält elektromagnetische Auslöser, also Induktivitäten, die hochfrequente Signale dämpfen.

    Hängen die Stromkreise dann noch an unterschiedlichen Phasen des Drehstromnetzes, funktioniert die Übertragung bestenfalls noch „zufällig“.

    Die volle Übertragungsrate hat man also nur im selben Stromkreis ohne sonstige angeschlosse Geräte.

    Antworten
    1. Jörg Kastning Beitragsautor

      Hallo Gerald,

      hab vielen Dank für Deine Ergänzungen, mit denen du selbstverständlich recht hast.

      Einige Hersteller raten bei schlechten Übertragungsraten zum Einbau sogenannter „Phasenkoppler“. Hast du zufällig Erfahrung damit und kannst etwas dazu sagen, ob ein Einbau sinnvoll sein kann?

      LG
      Jörg

      Antworten
      1. Vej

        Hallo!

        Hast du mal verschiedene Steckdosen in den beiden Räumen getestet (pro Test nur einen Adapter verwenden). Bei einer guten Elektroinstallation sollten sich die Phasen benachbarter Steckdosen abwechseln um die Last zu verteilen. Du solltest dann einen Sprung nach oben oder unten in deinen Messungen sehen (je nachdem ob du vorher auf gleicher Phase warst oder nicht).

        Gruß

        Vej

        Antworten
        1. Jörg Kastning Beitragsautor

          Hi.

          Ja, ich habe mehrere Steckdosen verwendet. Leider ist die Elektroinstallation in unserem Haus schon etwas älter und sicher nicht optimal für den Einsatz von PowerLAN.

          Meine Hoffnung mit einer neueren Generation Adapter mehr Glück zu haben, hat sich bei diesem letzten Test leider zerschlagen. Er bestätigte lediglich Erfahrungen vergangener Tests.

          Antworten
  2. Jan

    Hi
    Ein Artikel der genau das widerspiegelt, was sich bei mir daheim auch so dargestellt hat. Das Beste am dLan waren eindeutig die technischen Daten auf der Verpackung. Die Realität sieht leider ganz anders aus…

    Antworten

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