Kommentar zum geplanten Umstieg auf Open Source in Schleswig-Holstein

Wie heise online in diesem Bericht verkündet, will das Land Schleswig-Holstein die Abhängigkeit von Microsoft-Produkten verringern und die Verwaltung zukünftig komplett auf freie Software umrüsten.

Mir persönlich gefällt an dem Antrag der Fraktionen von
CDU, Bündnis`90/Die Grünen und FDP, dass diesmal nicht die Kostenreduzierung als oberstes Ziel formuliert wurde. Denn dass man mit freier Software durch den Wegfall von Lizenzgebühren IT-Kosten drastisch senken kann, ist ein häufiger Irrglaube.

Statt dessen formuliert der Antrag eindeutig die Absicht, die Abhängigkeit zu einzelnen Herstellern und deren Lizenzmodellen soweit wie möglich zu reduzieren. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine Umstellung um jeden Preis. Es soll nun nicht damit begonnen werden, alle etablierten Verfahren ohne besonderen Anlass auf freie Software umzustellen. Jedoch soll dies stets dann geprüft werden, wenn Neubeschaffungen anstehen, oder wesentliche Änderungen an bestehenden Verfahren/Programmen vorgenommen werden müssen.

Damit die Anwender nicht (wie so oft) auf der Strecke bleiben, sollen diese laut Antrag von Beginn an mit einbezogen werden. Frühzeitige Anwenderschulungen und eine Kommunikation von Sinn und Zweck einer Umstellung sollen die Akzeptanz bei den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen fördern.

Für mich klingt dieser Antrag durchdacht und schlüssig. Mir gefällt daran besonders, dass er die Punkte in den Mittelpunkt stellt, an denen bereits viele Open Source Projekte gescheitert sind. Dies sind in meinen Augen:

  • Keine Umstellung um jeden Preis, sondern sukzessive dort, wo dies sinnvoll und nachhaltig erscheint
  • Einbeziehung und Schulung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Beginn an
  • Kein Versprechen, das mit einer Umstellung eine drastische Kostenreduzierung einhergeht

Ob es wirklich so kommt, bleibt natürlich abzuwarten. Es besteht jedoch Hoffnung, dass hier mit Verstand und Augenmaß gehandelt wird und freie Software Schritt für Schritt Einzug in die Verwaltung des Landes Schleswig-Holstein erhält. Auf jeden Fall klingt es nach einem spannenden Unterfangen, welches sich im Auge zu behalten lohnt.

5 Gedanken zu „Kommentar zum geplanten Umstieg auf Open Source in Schleswig-Holstein

  1. Kathrin

    „Denn dass man mit freier Software durch den Wegfall von Lizenzgebühren IT-Kosten drastisch senken kann, ist ein häufiger Irrglaube.“ Hast Du da Zahlen und Primärquellen dazu oder ist das nur so bauchgefühlsmäßig in die Welt behauptet?

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    1. Jörg Kastning Beitragsautor

      Hallo Kathrin,

      der vorstehende Artikel ist ein Kommentar und stellt meine persönliche Meinung dar. Diese beruht im Falle der von dir zitierten Aussage auf der Erkenntnis, dass ich für den nachhaltigen Betrieb von Software entweder eigenes qualifiziertes IT-Personal bezahlen muss, oder entsprechendes Wissen über Support-Verträge einkaufen muss. Dies gilt für freie Software genauso wie für proprietäre Software, wo entsprechender Support meist in den entsprechenden Subskriptionen enthalten ist.

      In diesem Zusammenhang ist das Positionspapier Freie Software/ Open Source – Vitako (PDF) lesenswert, welches Hinweise für den Einsatz freier Software für öffentliche IT-Dienstleister und ihre Kunden gibt.

      Eine Total Cost of Ownership Analysis (TCO), die sich speziell mit dem Thema befasst kenne ich leider nicht. Dies mag daran liegen, dass laut einem älteren Artikel der Computerwoche nur wenige Unternehmen die TCO messen und noch weniger ihre Ergebnisse veröffentlichen.

      Viele Grüße
      Jörg

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  2. User

    Es ist sicher schön, solche Absichtserklärungen überhaupt mal zu formulieren, aber mehr als schöne Wortehülsen sind es erst mal nicht, als einig konkretes Ziel steht da drin, das ZIT möge bis 2020 prüfen. Das ZIT (zentrales IT Management) in Schleswig Holstein betreibt aber nur IT Verfahren für die Landesbehörden (und da auch nur einige große), hat von deren Konzeption aber keinen Schimmer, die findet in den jeweiligen Fachbehörden statt, bzw. da diese inzwischen auch keine IT Kompetenz mehr haben, durch private Dienstleister. Eine Softwarestrategie vermag ich weit und breit nirgends zu erkennen, schon gar keine vorausschauende. Dort wo OpenSource Software eingesetzt wird, geschieht das eher zufallsgesteuert, meist weil sich die entsprechenden Firmen gut verkaufen konnten oder auch mal weil sich Kosten sparen lassen. Der Unterschied zwischen Opensource und Freeware ist meist auch nicht bekannt. Das Papier, das 2020 vom ZIT kommen wird, wird zu Hundertprozent für die Tonne sein und außer wohlklingendem Geschwafel nichts enthalten.

    Und Ziele wie: …möglichst viele Verfahren bei wesentlichen Änderungen oder der Neuvergabe auf Open-Source-Software umzustellen. […] Wesentliche Zielgrößen im Rahmen der Softwarebeschaffung bei gegebener Funktionalität sollen dabei Sicherheit, Wirtschaftlichkeit, Usability (Bedienbarkeit), Interoperabilität und Zukunftssicherheit bleiben.“ werden genau gar nichts bewirken. Das ist so butterweich, das sich niemand von seiner liebgewonnen Software trennen muss. Und auch vor diesem tollen Beschluss wurde Software nicht nach den Kriterien Unbenutzbarkeit, Kostenexplosion und Unbenutzbarkeit ausgewählt (auch wenn im Ergebnis Zweifle daran erlaubt sind).

    Dieser Beschluss kann es im Einzelfall erleichtern, eine OpenSource Software einzuführen, wenn das gewünscht wird, mehr aber auch nicht.

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    1. Jörg

      Hm, du scheinst das ZIT zu kennen. Das kann ich von mir natürlich nicht behaupten.

      Ich denke, ein Antrag wie der verabschiedete ist die politische Voraussetzung, damit die Weichen für eine Umstellung auf freie Software gestellt werden können. Das er dabei eher allgemein gefasst ist, ist denke ich normal.

      Was daraus wird, werden wir hoffentlich in den nächsten Jahren beobachten können.

      Ich persönlich begrüßen es, wenn vorhandene Mittel eher in die Aus- und Weiterbildung von eigenem Personal gesteckt werden, als alles an externe Dienstleister zu vergeben. Leider gibt es in meinen Augen das Phänomen, dass Entscheider den externen Beratern stets mehr glauben, als ihren eigenen Leuten.

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      1. User

        >Entscheider den externen Beratern stets mehr glauben, als ihren eigenen Leuten.
        Das gibt es, und manchmal mag auch die eigentlich gebotene Distanz zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer fehlen. Vor allem ist aber das Personal im öffentlichen Dienst soweit ausgedünnt worden, das ohne Auslagerung an externe Dienstleiste die Aufgaben gar nicht mehr erfüllt werden können.
        >Ich denke, ein Antrag wie der verabschiedete ist die politische Voraussetzung, damit die Weichen für eine Umstellung auf freie Software gestellt werden können. Das er dabei eher allgemein gefasst ist, ist denke ich normal.

        Das stimmt schon und es ist ja auch begrüßenswert, dass das überhaupt als Ziel formuliert wird, und das sogar parteiübergreifend. Aber ohne eine echte Strategie dahinter wird das nicht. Und die wird weder vom ZIT noch vom zentralen IT Dienstleistet Dataport kommen. Die müsste in den zuständigen Ministerien und Landesbehörden erarbeitet werden, und da siehe ich in der Richtung gar nichts.

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