Man kann WhatsApp nicht entkommen

Bisher mache ich um WhatsApp einen Bogen. Ich möchte die Datenkrake nicht selbst noch weiter füttern und es stört mich nicht, dass ich meine knappe Zeit nicht auch noch auf/in WhatsApp verbringe.

Vor einigen Tagen wurde ich jedoch in Versuchung geführt, denn WhatsApp schien die einzige Möglichkeit zu sein, mit einem alten Bekannten in Kontakt treten zu können. Nach der Installation der App auf meinem Mobiltelefon, stellte ich fest, dass es keine sinnvolle Nutzungsmöglichkeit gibt, ohne der App Zugriff auf meine Kontakte zu geben, welche auf meinem Mobiltelefon gespeichert sind. Dies kommt für mich nicht in Frage, da ich die Telefonnummern meiner Kontakte, welche evtl. nicht bei WhatsApp sind, nicht in den Rachen dieser Datenkrake stopfen möchte. Das dies der Fall ist, bestätigen folgende Auszüge aus den WhatsApp Nutzungsbedingungen (Stand April 2019).

Adressbuch. Im Einklang mit geltenden Gesetzen stellst du uns regelmäßig die Telefonnummern von WhatsApp Nutzern und anderen Kontakten in deinem Mobiltelefon-Adressbuch zur Verfügung, darunter sowohl die Nummern von Nutzern unserer Dienste als auch die von deinen sonstigen Kontakten.

[…]

Deine Account-Informationen. Um einen WhatsApp Account zu erstellen, gibst du deine Mobiltelefonnummer und grundlegende Informationen (einschließlich eines Profilnamens) an. Im Einklang mit geltenden Gesetzen stellst du uns regelmäßig die Telefonnummern in deinem Mobiltelefon-Adressbuch zur Verfügung, darunter sowohl die Nummern von Nutzern unserer Dienste als auch die von deinen sonstigen Kontakten. Möglicherweise stellst du uns auch eine E-Mail-Adresse zur Verfügung. Du kannst auch andere Informationen zu deinem Account hinzufügen, wie beispielsweise ein Profilbild und eine Info.

https://www.whatsapp.com/legal/#privacy-policy-information-we-collect

Dass es auch anders geht, zeigt z.B. der Nachrichtendienst Threema. Dieser bietet die Möglichkeit Threema-IDs selektiv mit den Kontakten zu verknüpfen, die ebenfalls Threema nutzen. Hier wird nicht das komplette Adressbuch ausgelesen. Allerdings ist hier auch das Geschäftsmodell ein anderes. Die App ist kostenpflichtig und Datenschutz und Datensicherheit sind Produktmerkmale. Bei WhatsApp sind die eigenen Daten und die Daten anderer die Währung. Hier ist man selbst das Produkt.

Ich selbst habe mich entschieden, die Telefonnummern meiner Kontakte nicht ungefragt an WhatsApp weiterzugeben und habe die App wieder deinstalliert. Vielen Dank übrigens an all meine Kontakte, welche nicht so umsichtig waren und meine Telefonnummer frei Haus an WhatsApp geliefert haben. Das habt ihr großartig gemacht!

11 Gedanken zu „Man kann WhatsApp nicht entkommen

  1. Franz

    Schau dir mal https://matrix.org/blog/home/ an.
    Vorteile:
    Keine Verknüpfung mit einer Telefonnummer nötig, ein frei wählbarer Nutzername reicht. Nicht mal eine E-Mail Adresse ist nötig.
    Gleichzeitige Nutzung über Smartphone & Web ist möglich. Auch nur Web Nutzung ist möglich
    Dezentral, bei Bedarf, Lust, Zeit kannst du deinen eigenen Server betreiben und trotzdem mit allen Teilnehmern kommunizieren.
    Nachteile:
    Keine automatische E2E Verschlüsselung.
    Teilweise noch etwas umständlicher in der Einrichtung, da holen sie aber stark auf.

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  2. Peter

    Threema finde ich auch gut und überraschend viele meiner Arbeitskollegen (auch aus anderen Abteilungen ) verwneden es.
    Noch lieber ist mir das schon von Franz genannte matrix.org bzw. deren Client Riot.im. Die automatische Verschlüsselung ist in Vorbereitung und wird sicher bald kommen. Ich finde auch, dass matrix bei der Usability mit großen Schritten aufholt. Beim Datenschutz spielen sie sowieso in der 1. Liga.
    Und die Republik Frankreich setzt es auch ein.

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  3. Jörg Kastning Beitragsautor

    Hallo und Danke für eure Kommentare!

    Threema habe ich genannt, da ich es selbst nutze und sich einige meiner Kontakte dort wiederfinden. Daher würde ich mir persönlich wünschen, dass noch mehr meiner Kontakte diesen Nachrichtendienst verwenden, um die Fragmentierung klein zu halten.

    Ich erkenne an, dass WhatsApp es als erster Dienst geschafft hat, eine kritische Anzahl Teilnehmer zu erreichen. Dadurch wird man einem gewissen Gruppenzwang ausgesetzt oder grenzt sich freiwillig selbst aus. Die Nutzung eines alternativen Dienstes hilft mir nur bedingt, da ich dort nur eine kleine Teilmenge meiner Kontakte habe. Und Datenschutz ist kein Argument. Wie wichtig dieser vielen Menschen ist, erkennt man an der Zahl derer, die meine Telefonnummer ohne Erlaubnis an WhatsApp weitergegeben haben.

    Was mich daran stört ist, dass ich keine Kontrolle habe. Ich teile meine Kontaktdaten mit Personen, mit denen ich in Kontakt stehen möchte. Dies ist meine bewusste Entscheidung. Ich habe Profile in etlichen sozialen Netzwerken und Community-Plattformen. Die Einrichtung der entsprechenden Konten und Veröffentlichung von Profilinformationen war ebenfalls meine bewusste Entscheidung. Meine Telefonnummer und Hausanschrift nicht ins Telefonbuch und ähnliche Verzeichnisse eintragen zu lassen, war ebenfalls meine bewusste Entscheidung. Leider kann ich nicht verhindern, dass Besitzer meiner Kontaktdaten diese mit anderen teilen bzw. sie den gängigen Datenkraken einfach in den Hals stopfen. Ich bin mir sicher, dass dies nicht mutwillig geschieht, sondern meist aus Sorglosigkeit oder Unachtsamkeit. Dennoch ärgert mich dieses unbedachte Handeln. Denn die Kontrolle über meinen Datensatz ist damit futsch.

    In meinen Augen hätte Facebook WhatsApp niemals kaufen dürfen. Das Versprechen, die Daten nicht zusammenzuführen wurde bereits kurz nach der Fusion gebrochen, das Bußgeld dafür war lachhaft und wurde vermutlich aus der Porto-Kasse bezahlt [1]. Ich hoffe, dass das Bundeskartellamt das Verbot der Zusammenlegung der Daten aus Facebook Messenager, WhatsApp und Instagram durchhalten kann ([2] und [3]). Aktuell schätze ich die Macht der Großkonzerne und ihrer Lobbyorganisationen jedoch so ein, dass sie über so ein kleines unbedeutendes Amt in einem kleinen Staat in Europa nur müde lächeln, die nächste Strafe mit einem Augenzwinkern bezahlen und weitermachen wie bisher.

    Gruß
    Jörg

    [1] https://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/whatsapp-uebernahme-eu-kommission-verhaengt-strafe-gegen-facebook/19820184.html?ticket=ST-3366861-2hUYlBfGmlhz3PfSbmDH-ap3

    [2] https://www.sueddeutsche.de/digital/facebook-whatsapp-instagram-zuckerberg-fusion-1.4306126

    [3] https://www.mactechnews.de/news/article/Facebook-Bundeskartellamt-verbietet-die-Zusammenfuehrung-von-Nutzerdaten-aus-WhatsApp-und-Instagram-171585.html

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  4. Robert

    Ich weiß nicht was mir dieser Artikel sagen soll… WhatsApp ist evil? Das wissen mittlerweile wohl die meisten und ignorieren es.

    Es gab keine andere Möglichkeit der Kontaktaufnahme? Wenn er WhatsApp hat hat er also eine Telefonnummer ein Anruf oder SMS wäre nicht möglich gewesen?

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    1. Jörg Kastning Beitragsautor

      Zumindest sollten es die meisten Menschen mittlerweile wissen. Dass sie es ignorieren, ist bedauerlich aber wohl kaum zu ändern. Mir war es dennoch wichtig, noch einmal darauf hinzuweisen, was mich an diesem Geschäftsmodell und dem Handeln der WhatsApp-Nutzer stört. Auch wollte ich deutlich machen, dass man dank Apps wie dieser (und dies ist ja nur ein Beispiel für eine ganze Gruppe solcher Apps) keinerlei Selbstkontrolle über seine Daten hat. Egal wie viel Mühe man sich auch gibt.

      Darüber hinaus habe ich diesen Artikel genutzt, um meinem Unmut Luft zu verschaffen.

      Wir haben noch eine andere Möglichkeit der Kontaktaufnahme gefunden. Es ist noch ungeklärt warum die SMS aus dem Netz meines Mobilfunkanbieters nicht an den Empfänger des ausländischen Mobilfunkanbieters zugestellt wurden.

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  5. Timotheus

    Hei,

    ich finde es ganz schrecklich, dass die echten Alternativen matrix (gute idee, funktioniert imho noch lange nicht benutzerfreundlich genug für die Massen. Ehrlich gesagt schnall ichs auch noch nicht. Keine Anmeldung usw hat je funktioniert. Aber, wie gesagt, gute Idee) und XMPP (Conversations für Android und Chatsecure für Ios – beides funktioniert schon benutzerfreundlich genug aber eben noch nicht perfekt für die Massen, bzw. zu wenig Lobby mit viel Kohle dahinter :-)

    Da ich die Diskussion, wie wir aus diesem messanger-Dilemma rauskommen, sehr wichtig finde, hab ich das auf meinem privaten, unkommerziellen Blog auch mal meinen Senf gegeben, ich hoffe es ist in Ordnung, wenn ich den verlinke: https://vierzweidrei.de/messenger/

    Ich habe noch einen Gedanken, den ich weitergeben möchte: Wir sind heute so weit „entwickelt“ (von der Wirtschaft beherrscht, nicht mehr ohne Profit), dass wir E-Mail nicht mehr erfinden könnten. Apple würde seine eigene Mail, Facebook, Google usw. so wie es jetzt eben mit Messengern passiert. Anstatt, dass sich alle an einen Standard halten, so wie bei mail eben.
    Freuen wir uns, dass Mail vor den großen Monopolisten erfunden wurde.

    Schöne Grüße

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    1. Jörg

      Hallo Franz,
      vielen Dank für den Link, hinter dem sich Informationen zu „Chat over IMAP“ (COI) verbergen.

      Kannst du, oder sonst jemand, evtl. auch noch einen Link beisteuern, der einen etwas anderen Blick auf COI hat?

      LG
      Jörg

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