Kommentar: VMware vSphere Web Client – Welch ein Fluch

Es war einmal vor langer Zeit, als einzig und allein der vSphere Client für Windows existierte, um einen ESX-Host bzw. einen vSphere Cluster zu verwalten. Und die vSphere-Admins waren glücklich und froh.

In dieser guten und glücklichen Zeit war der einzige Wermutstropfen, dass der vSphere Client nur für Microsoft Windows existierte und man als Linux-Liebhaber darauf angewiesen war, für die Administration der vSphere-Umgebung ein anderes Betriebssystem zu booten. Doch konnte dies die Freude nicht mindern. Und alle freuten sich und waren froh.

Doch in dieser Welt des Frohsinns und der Glückseligkeit gab es einen Dämon, dem dies alles gar nicht gefiel. Und dieser Dämon beeinflusste die guten Software-Engineers bei VMware und veranlasste sie dazu, den vSphere Web Client auf Basis von Flash zu entwickeln. Dies war der Beginn von dunklen Zeiten, welche bis in die Gegenwart anhalten.

Wer den vSphere Client kennt und sich den Web-Client ansieht, fragt sich vermutlich: „Warum? Warum investiert man Zeit, um so einen Mist zu entwickeln?“

Der vSphere Web Client ist langsam, kann nichts besser als der Fat-Client, bietet keine neuen Funktionen und basiert auf Flash. Letzteres sorgt dafür, dass es für Linux weiterhin keinen nutzbaren Client gibt. Doch den Göttern sei Dank, wir konnten weiterhin den althergebrachten Fat-Client nutzen und das Flash-Gespenst links liegen lassen. Und nachdem wir uns alle von dem Schreck erholten hatten, waren wir wieder glücklich und froh.

Dies gefiel dem Dämon nicht und so lies er verkünden, dass die Entwicklung des guten etablierten vSphere Client eingestellt wird, da man sich in Zukunft auf den Web-Client konzentrieren will. Dachte man anfangs noch an einen Aprilscherz, so wurden die Zeiten nun richtig finster. Denn der vSphere Web Client war immer noch mies und unbenutzbar. Der Unmut vieler Nutzer entlädt sich seit April 2014 in diesem Thread, welcher bis in die aktuelle Zeit Updates erfährt. Denn das Grundproblem ist immer noch nicht gelöst. Der vSphere Web Client ist immer noch nicht zu gebrauchen.

Um es noch einmal zusammenzufassen, der vSphere Web Client:

  • Ist so langsam, dass ich meinen Bart wachsen höre
  • Zwingt mich Flash auf meiner Admin-Workstation zu installieren, um ihn überhaupt nutzen zu können
  • Funktioniert nicht in allen Browsern
  • Funktioniert mal in dem einen, mal in dem anderen Browser (scheint mit der Mondphase zu wechseln)
  • Benötigt für volle Funktionalität das Client Integration Plugin (CIP), welches noch bescheidener funktioniert, als der Rest des Clients

Dieser Drecks-Web-Client raubt mir den letzten Nerv. Warum beschäftige ich mich überhaupt damit? Weil Client-Probleme im Web-Client reproduziert werden müssen, damit der VMware-Support helfen kann. Dies zieht einen Service Request nicht selten in die Länge, da man mit dem Support erstmal den Web-Client zum Laufen bringen muss, bevor man das eigentliche Problem analysieren kann. Eine echte Lösung gab es für den Client nie. Ein Workaround folgte dem Nächsten.

Unter uns, die Arbeit im VMware-Support kann doch auch keinen Spaß machen, wenn man so ein Drecks-Werkzeug supporten muss. Die Aussage eines Supporters dazu: „Ich gehe groß feiern, wenn der HTML5-Client endlich fertig ist.“

Der neue vSphere Client (HTML5) verspricht Licht am Ende des Tunnels. Die Kritik am verhassten vSphere Web Client scheint VMware erreicht zu haben. Doch offensichtlich muss es erst noch einmal schlechter werden, bevor es besser werden kann. Denn mit vSphere 6.5 hat uns VMware eine Version spendiert, in der sich der ausgereifte vSphere Client nicht mehr verwenden lässt, der vSphere Web Client immer noch totaler Mist ist und der vSphere Client (HTML5) noch nicht voll funktionsfähig ist. Super. Ganz toll. Statt eines gut funktionierenden Clients gibt es jetzt einen gammeligen und einen erst teilweise fertiggestellten.

Was bleibt ist die Hoffnung, dass der HTML5-Client in der nächsten vSphere-Version voll funktionsfähig ist und ein würdiger Nachfolger des guten alten Clients wird, welchen VMware so lieblos sterben lies. Und vielleicht kommt das VMware-Marketing auf der Suche nach Innovationen dann ja auf die Idee, einen schnellen, stabilen Fat-Client zu entwickeln. Und damit sind wir Admins wieder glücklich und zufrieden, bis ans Ende unserer (Arbeits-)Tage.

TLDR;

VMware vSphere ist ein gutes Produkt. Auch im Fall von Störungen in der IT-Infrastruktur lässt einen diese Lösung nur selten im Stich. Virtuelle Maschinen werden bis zuletzt korrekt ausgeführt, während der sie umgebene Rest schon am Boden liegt.

Warum das Unternehmen die Admins über die letzten Jahre mit einem vSphere Web Client straft, der einem jeglichen Spaß an der Arbeit nimmt, wird vielleicht für immer ein Rätsel bleiben.

Hoffentlich bekommt das Unternehmen mit dem neuen vSphere Client (HTML5) endlich die Kurve. Denn die Mitbewerber haben bereits aufgeschlossen und sind einen Blick wert, wenn einem bei Nutzung der Client-Anwendung übel wird.

Nun, wo der Frust einmal raus ist, geht es mir schon besser und ich wünsche euch ein schönes und erholsames Wochenende.

4 Gedanken zu „Kommentar: VMware vSphere Web Client – Welch ein Fluch

  1. MaM

    Hmm ja auf der Arbeit habe ich auch dies „Vergnügen“ und das trotz Windows. Aktuelle Browser blockieren zu Recht Flash. Dazu kommen noch gammelige HTTPS Zertifikate, so macht Administrieren Spaß *grummel*

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    1. Jörg Kastning Beitragsautor

      Bei der Verwaltung der HTTPS-Zertifikate hat VMware mit vSphere 6.0 schon einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Im Vergleich zu Version 5.1 war dies schon ein großer Schritt nach vorne. Schade, dass man für den vSphere Update Manager weiterhin auf das alte BATCH-Skript angewiesen ist.

      Aber man spürt immer noch, dass die Implementierung von TLS in Produkte eine große Herausforderung für viele Unternehmen zu sein scheint. Dies ist nicht auf auf VMware beschränkt.

      Ich frage mich manchmal, ob die Entscheider bei VMware ihre eigenen Produkte noch regelmäßig benutzen. Mein Workflow zur Bereitstellung einer vCenter Server Appliance (VCSA) sah zuletzt wie folgt aus:

      1. Release Notes lesen
      2. Dokumentation zum Update-Prozess studieren
      3. VCSA-Datei herunterladen
      4. Feststellen, dass das Client Integration Plugin (CIP) in keinem einzigen Browser mehr funktioniert
      5. Die bekannten KB-Artikel zu CIP-Problemen durchturnen
      6. Am Ende entnervt einen Service Request stellen
      7. SR durchturnen
      8. Wenn alles gut geht, nach einer Woche endlich das geplante Update machen

      Da wünscht man sich doch, man hätte etwas Anständiges gelernt.

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  2. /)/)

    Spricht uns aus der Seele. Die beste Lösung für alle beteiligten wäre, die Fat-Client Funktionen in VMware Workstation (Windows, Linux) und VMware Fusion (macOS) zu integrieren. Rudimentär funktioniert die Verwaltung von vSphere Infrastrukturen damit ja jetzt schon (wirklich rudimentär, aber für „mal schnell in eine VM reinsehen und fernsteuern“ benutz ich diese Funktion regelmäßigst) und den Rest an features reinpacken wäre sicher keine unmögliche Aufgabe.

    Dann hätten wir wieder Fat clients, nichts muss separat gewartet und gepflegt werden und auf allen Major Platforms wäre die Software auch noch verfügbar. Die einfachste Lösung wäre es allemal.

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  3. Gerd

    jetzt gibt es endlich einen vollständigen HTML5-Client (hört man).
    Dummerweise nur unter 6.7. Nochmal dummerweise haben wir noch Server mit Prozessoren die von 6.7 nicht mehr unterstütz werden.
    Schon wieder schöne neue Welt!

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