How to shut Windows 10 up!

Microsoft Windows wird spätestens seit der Version XP vorgeworfen, dass es ohne Wissen des Anwenders nach Hause telefoniert. Häufig erfährt der Benutzer davon wenig bis gar nichts. Auch Windows 10 steht wieder in der Kritik, automatisiert Daten zu sammeln und diese an die Zentrale in Redmond zu senden. Um Windows dieses schlechte Benehmen abzugewöhnen, gibt es seit jeher Software-Tools, die den Anwender dabei unterstützen, all die Stellen zu finden, an denen man Windows das heimliche Ausplaudern von Nutzungsinformationen abgewöhnen kann.

In diesem Artikel werfe ich einen Blick auf die Freeware O&O ShutUp10. Die Software verspricht dem Anwender, die Kontrolle darüber zurückzugewinnen, welche Daten Windows sammelt und weitergibt. Diese Software ist für Privatanwender kostenlos erhältlich. Man muss sich dafür nicht einmal registrieren und seine persönlichen Daten preisgeben. Die Software muss auch nicht auf dem System installiert werden. Sie kann direkt ausgeführt werden, um Windows 10 eine zu freigiebige Plauderei abzugewöhnen. [1. O&O ShutUp10]

Als Nutzer von Windows 10 wird man in den meisten Fällen nicht wissen, welche Informationen das Betriebssystem sammelt und an wen es diese Informationen weitergibt. Das macht es jedoch auch schwierig zu kontrollieren, ob eine Software wie O&O ShutUp10 überhaupt etwas bewirkt. Um zu beurteilen, ob O&O ShutUp10 das Betriebssystem wirklich zur mehr Zurückhaltung zwingt, führe ich folgenden Test durch.

Ich installiere ein Windows 10 in einer virtuellen Umgebung und analysiere den Netzwerkverkehr mit Wireshark.[2. Wikipedia (de) – Wireshark] Dabei werde ich analysieren, zu welchen IP-Adressen sich Windows 10 nach der Installation verbindet und Daten austauscht. Der Theorie nach sollte sich das Betriebssystem mit weniger Ziel-IP-Adressen verbinden, nachdem es mit O&O ShutUp10 konfiguriert wurde. Daher werde ich den Netzwerkverkehr nach der erfolgten Konfiguration mit O&O ShutUp10 erneut analysieren. Anschließend werde ich einen kurzen Vergleich durchführen, ob die Anzahl der IP-Adressen, zu denen sich Windows 10 verbindet, verändert hat.

Installationsumgebung

Die Installation von Windows 10 erfolgt in einer virtuellen Umgebung. Dazu wird Windows 10 als Gast-Betriebssystem in VirtualBox 5.0 installiert. Der virtuellen Maschine wurden 2 vCPU, 2 GB RAM und 40 GB HDD zugewiesen. Zur Installation wurde Windows 10 Education N ausgewählt. Dabei handelt es sich um eine Edition, die vom Funktionsumfang Windows 10 Enterprise entspricht. Sie ist für Schulen und Universitäten gedacht und wird über das Academic Volume Licensing Programm ausgeliefert. Das „N“ bedeutet, dass diese Version nicht mit dem Windows Media Player ausgeliefert wird. [3. Wikipedia (en): Windows 10 Editions]

Die Installation kann ohne eine aktive Netzwerkverbindung durchgeführt werden. Da vermutlich die meisten Anwender keine Änderungen während der Installation vornehmen, wähle ich in diesem Fall die „Express-Einstellungen“. Nach Abschluss der Installation werden noch die VirtualBox Guest Additions[4. VirtualBox Guest Additions] installiert.

Untersuchung des Netzwerkverkehrs

Um den Netzwerkverkehr der virtuellen Maschine untersuchen zu können, wird VirtualBox verwendet.[5. VirtualBox VBoxManage Network Settings] [6. Network Lab – VirtualBox]

Windows 10 kurz nach der Installation

Nachdem die Installation von Windows 10 abgeschlossen war, habe ich das System neugestartet und für 15 Minuten den Netzwerkverkehr aufgezeichnet. Bei der anschließenden Analyse habe ich folgende IP-Adressen gefunden, zu denen sich Windows 10 verbindet:

  1. 131.253.61.80
  2. 134.170.58.190
  3. 184.31.86.159
  4. 191.232.139.253
  5. 191.232.139.254
  6. 191.232.80.60
  7. 191.237.208.126
  8. 204.79.197.200
  9. 207.46.101.29
  10. 207.46.7.252
  11. 212.201.100.135
  12. 23.57.28.45
  13. 65.55.252.43
  14. 65.55.54.41
  15. 65.55.54.43

Noch einmal zum Verständnis. Ich habe nicht mit dem System gearbeitet. Ich habe das System lediglich hochgefahren und mich angemeldet. Ohne weitere Aktion seitens des Benutzers hat sich Windows 10 zu insgesamt 15 IP-Adressen verbunden und Daten gesendet bzw. empfangen. Dabei war nicht durchgängig ersichtlich, um welche Daten es sich dabei handelt. Die Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Der Messzeitraum betrug nur 15 Minuten. Zum Vergleich, im gleichen Zeitraum baute ein Ubuntu 14.04 lediglich zu drei IP-Adressen Verbindungen auf, um die Uhrzeit zu synchronisieren.

Windows 10 mit ShutUp10!

O&O ShutUp10! kann ohne Registrierung einfach von der Website des Herstellers heruntergeladen werden. Es muss nicht installiert werden. Man entpackt lediglich das Zip-Archiv und startet die darin befindliche EXE-Datei als Administrator. Der Rest des Programms ist selbsterklärend. Bevor Änderungen am System vorgenommen werden, fragt das Programm nach, ob man einen Wiederherstellungspunkt erstellen möchte. Dies ist sehr zu empfehlen. So können die gemachten Einstellungen in jedem Fall rückgängig gemacht werden.

Der Einfachheit halber habe ich die vom Programm empfohlenen Änderungen vorgenommen. Anschließend habe ich erneut für 15 Minuten den Netzwerkverkehr mit Wireshark analysiert. Das Ergebnis ist etwas ernüchternd. Denn Windows 10 kommuniziert im Messzeitraum weiterhin mit immerhin 12 IP-Adressen. Ich habe doch mit deutlich weniger gerechnet.

  1. 137.117.235.16
  2. 184.31.86.159
  3. 191.232.139.253
  4. 204.79.197.200
  5. 207.46.101.29
  6. 207.46.7.252
  7. 212.201.100.135
  8. 23.57.28.45
  9. 64.4.54.22
  10. 65.52.108.33
  11. 65.55.163.222
  12. 65.55.54.43

Fazit

Zusammengefasst muss ich sagen, dass die angewendete Testmethode nicht geeignet ist, um belastbare Schlüsse ziehen zu können. Es kann nicht sichergestellt werden, dass sich das Betriebssystem im jeweiligen Messfenster gleich verhält. Die Ergebnisse sind daher mit Vorsicht zu genießen.

Dennoch kann von „ShutUp!“ nicht die Rede sein. Selbst nach Übernahme der empfohlenen Einstellungen der O&O Software quatscht Windows 10 munter weiter. Verbindungen zu 12 IP-Adressen und keinerlei Information, was das Betriebssystem dort eigentlich tut, sind in meinen Augen zu viel. Man könnte meinen, dass die Software wenig bis gar keine Auswirkung auf das Kommunikationsverhalten des Betriebssystems hat.

Was unternehmt ihr, um Windows 10 die Plauderei abzugewöhnen?

3 Gedanken zu „How to shut Windows 10 up!

  1. sebstian

    danke für den beitrag. auf kowabit.de wurde das ebenfalls festgestellt. die ganzen it-portale empfehlen das tool. völlig ungeprüft. das nervt.

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  2. Günter Born

    Bin durch einen Nutzerkommentar auf den Artikel gestoßen. Dass die „ganzen IT-Portale“ das Tool ungeprüft empfehlen, stimmt nicht so ganz. Ich hatte einen Artikel im August im Blog (http://www.borncity.com/blog/?p=165416) in der ich das Ganze als Placebo bezeichnet und darauf hingewiesen, dass es vermutlich eine Kopie von DoNotSpy10 ist – leider hat sich der DoNotSpy10-Autor auf meine Anfrage nie gemeldet.

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