Ich bin in meiner Familie der Nerd. Ich kümmere mich um den Internetzugang, das WLAN, die Speicherung der Familienfotos, etc. Ja manchmal kümmere ich mich sogar um Drucker.
Meine Familie vertraut darauf, dass das Heimnetzwerk die meiste Zeit des Jahres reibungslos funktioniert. Und wenn dies nicht der Fall ist, ist es mein Job, die Sache wieder in Ordnung zu bringen.
Erkennt ihr euch in dieser Beschreibung wieder? Dann habe ich gleich noch weitere Fragen an euch.
Stellt euch vor, dass ihr eines Tages nicht mehr für eure Familie da sein könnt und eure Angehörigen plötzlich allein mit der IT-Umgebung zurechtkommen müssen, die ihr hinterlassen habt.
- Wie bereitet ihr eure Familie auf diesen Fall vor?
- Habt ihr mit euren Angehörigen mal über dieses Thema gesprochen?
- Wie dokumentiert ihr euer Heimnetzwerk, sodass eure Angehörigen etwas mit der Dokumentation anfangen können?
Bitte teilt eure Erfahrungen und Ideen in den Kommentaren zu diesem Beitrag. Habt ihr selbst schon zu diesem Thema gebloggt? Dann teilt doch bitte den Link zu eurem Beitrag mit mir und den Leserinnen und Lesern dieses Blogs.
Gedanken zur Dokumentation
- Die Dokumentation soll in ausgedruckter Form vorliegen, um auch bei einem Totalausfall des Heimnetzwerks nutzbar zu sein
- Es ist eine leichtverständliche Sprache zu wählen, die ohne Fachchinesisch auskommt oder notwendige Fachbegriffe erklärt, damit auch Nicht-IT-Personal den Text verstehen und Anweisungen folgen kann
- Hinzugezogenem IT-Support-Personal soll die Dokumentation ebenfalls nützlich sein
- Die Gliederung orientiert sich an Anwendungsfällen der Nutzer; mögliche Überschriften sind
- Wie kommt das Internet ins Haus?
- Wie wird das Internet im Haus verteilt?
- Wo finde ich unsere Fotos, Videos, Dokumente und digitalen Einkäufe?
- Was kann ich tun, wenn
- das Internet nicht geht
- das WLAN nicht geht
- das weiße Ding im Keller blinkt/piept
Gerade der Abschnitt zur Entstörung von IT-Komponenten wird sicherlich eine Herausforderung. Generationen von Supportern werden ein Lied davon singen können, doch es hilft ja nunmal alles nichts. Wir sind unseren Angehörigen diese Informationen schuldig, wollen wir sie nicht hilflos zurücklassen.
Für mich ist eine Dokumentation, mit der ein Mensch mit IT-Affinität arbeiten kann das Muss und Hinweise zur Entstörung für technische Laien die Kür.
- Was denkt ihr?
- Könnt ihr meinem Ansatz folgen?
- Habe ich etwas vergessen?
Trennung von Heimlabor und Heimnetzwerk
Wie viele Nerds betreibe auch ich ein kleines Heimlabor. Beim Aufbau des Heimnetzwerks habe ich darauf geachtet, dass mein Heimlabor komplett abgeschaltet werden kann, ohne die Funktion des Heimnetzwerks und den Internetzugang negativ zu beeinflussen.
Dies ermöglicht es mir, in meinem Heimlabor häufige Änderungen durchführen zu können, ohne dass dadurch Änderungen an der Notfalldokumentation notwendig werden.
Frisch ans Werk
Dann werde ich mal ein Git-Repository im Heimnetzwerk erstellen und ein LaTeX-Dokument beginnen.
Ich freue mich, an dieser Stelle von euren Ideen und Vorgehensweisen zu lernen und das Thema mit euch zu diskutieren.
An dein beschriebenes Szenario habe ich noch gar nicht nachgedacht. Hat aber einen berechtigten Sinn. Nicht nur für die IT im Haus, sondern auch für andere Themen, wie z.b. die Gas-Heizung.
Ich habe nur ein Problem damit, die Dokumentation auszudrucken. Ich sehe mich schon X Versionen zu erstellen und zu drucken.
Eventuell wäre das etwas, was ich über gdrive oder so mit meiner Frau teilen würde. Ich habe auch überlegt, für so allgemeine Infos eine gratis Confluence-Instanz zu verwenden?
Ich habe die wirklich wichtige Heim-IT so ausgelegt, dass sich nur selten etwas ändert. Zur weiteren Minimierung der Ausdrucke überlege ich, Fleder wie Benutzernamen, Passwörter und IP-Adressen ggf. handschriftlich zu pflegen und Raum für Änderungen und Ergänzungen zu lassen, so dass nicht jedes Mal ein komplett neuer Ausdruck erfolgen muss.
Aber ein Ausdruck ist für mich Pflicht. Was nützt es meinen Ängehörigen, wenn das Dokumentationsmanagementsystem nicht verfügbar ist, oder sie die URL nicht mehr kennen?
Interessant das dieser Artikel gerade jetzt kommt. Meine Frau liegt mir seit einigen Tagen mit ähnlicher Problematik im Ohr.
Ich werde wohl mal anfangen (nur wann?) unsere Infrastruktur zu beschreiben, und diese Beschreibungen nach und nach mit Bedienungsanleitungen erweitern. Diese Texte (ja, ASCII und .txt Dateien) werde ich auch ausdrucken, weil ich es nach den letzten Vorkommnissen für nicht abwegig halte das der Russe uns Infrastruktur weg sprengt. Dann soll meine Frau wissen, wie man die PV-Anlage im Inselbetrieb fährt, ohne dazu das NAS aus der Autobatterie zu betreiben.
Mein Problem ist aber die Zeit.
Ich glaube, das hat eher mit Priorisierung als mit Zeit zu tun.
Das Parkinsonsche Gesetz sagt, dass immer so viel Arbeit da ist, wie Zeit zu ihrer Erledigung zur Verfügung steht. Welche Arbeit wir in der zur Verfügung stehenden Zeit erledigen, können wir zu einem gewissen Maß selbst bestimmen.
Für mich persönlich ist das größe Problem, die Motivation zu beginnen.
Ich hatte mich damit schon etwas beschäftigt.
Habe auch schon auf der lokalen BookStack-Instanz angefangen unser Heimnetzwerk zu beschreiben.
Ausserdem hat jeder von uns als Startpage in Firefox eigenes Heimdall-Dashboard mit links zu allen Heimnetz-Diensten (Nextcloud & Co).
Mein Problem ist, wenn ich mich als Nerd bezeichne, dann wäre meine Frau ein Anti-Nerd.
Die Hoffnung liegt auf den Kindern, die schon im Teenager-Alter sind.
Hier müsste man auch auf die eigenen Passwörter denken und dafür sorgen, dass auch die Familie auf die Passwörter bzw. auf die SSH-Keys zugreifen kann um wenigstens ein Update machen zu können.
Entweder mache ich es noch über eine lokale Vaultwarden-Instanz und/oder Nitrokeys.
Fehlersuche im Heimnetz ist schwierig wenn man keine Ahnung von der Materie hat.
Eine FritzBox zu ersetzen hilft auch nicht wenn man alles bei Standardeinstellungen belässt.
Ich habe einen Briefumschlag erstellt und darin den Weg in meinen Computer beschrieben (Festplattenverschlüsselung und Anmeldepasswort) und das Kennwort zu meinem Keepassxc Passwortmanager.
Vieles wird einfach irgendwann gelöscht werden, was nicht wichtig ist. Aber was wichtig ist, findet sie dann dort.
Das Einzige, was zu Problemen führen könnte, ist der eigene DNS Server auf dem NAS. Danke für den Hinweis, das werde ich noch ergänzen.
Thoys
Guter Vorsatz!
Ich hatte mal Ende 2022 damit angefangen und eine Dokumentation mit zim erstellt.
Da ist bisher vielleicht 1% hinterlegt, soviel dazu.
Dabei fällt mir auf, dass die Passphrase für z.B. keepassxc in Ausgedruckter Form irgendwo hinterlegt werden muss.
Bloß wo?
Den letzten Ort habe ich gerade kontrolliert, ist da nicht mehr…
Wir haben einen Ort für alles was uns wichtig ist. Dort deponiere ich auch Umschläge mit Passwörtern.
Die Umschläge mit den Passwörtern, versehe ich mit einem Datum und überklebe sie zusätzlich mit einem Klebestreifen. So sehe ich auf den ersten Blick, ob ein Umschlag geöffnet wurde. Das ist etwas paranoid aber erzeugt auch keinen großen Aufwand.
Total spannendes Thema,
und bei mir gerade leider auch top-aktuell. Muss ich jetzt mal runter schreiben.
Mein Schwiegervater liegt aktuell nach schwerem Herzinfarkt im (künstlichen) Koma.
Er ist derjenige, der sich in der Familie um die Finanzen, Verträge etc. kümmert.
Dank 1Password (habe ich erst vor einem halben Jahr für die Verwandtschaft eingerichtet) haben wir auf das allermeiste Zugriff.
Aber es gibt so Vieles, an das man nicht denkt.
Zugangsdaten zum Online-Banking sind z.B. vorhanden, doch was fehlt?
Die PIN für die Banking App,
ohne die du dich auch im Browser nicht ins Online-Banking einloggen kannst.
Zumindest bei der ING.
Ist zwar alles kein akutes Problem, es gibt Vollmachten,
es gibt die Möglichkeit, die App per Brief zu resetten usw.
Aber es bringt mich zum Nachdenken.
Wie ist das, wenn mir was passiert?
Ich bin Anfang 30, fahre z.B. leidenschaftlich gern Motorrad. Kann mal schnell gehen.
Ich wünsche niemandem, sich durch mein 1Password zu „wühlen“.
Gerade, wenn man dringend etwas sucht.
Die „wesentlichen“ Themen und Verträge für jemand Dritten direkt greifbar zu machen, der Aufwand wäre schon gewaltig.
Kann man das Thema mit „Technik“ bewerfen? Z.B. bei Google, Facebook und Co. gibt es ja so einen „Nachlassmodus“.
Ich habe schon den ein oder anderen Anbieter gefunden, der soetwas wie „Digitale Nachlassverwaltung“ anbietet, aber weiß man ob es den in ein paar Jahren noch gibt?
Ich habe auch das Gefühl, dass Vieles auf „normale Menschen“ ausgerichtet ist, mit 30 Passwörtern. Und nicht für ITler mit 20 SSH-Keys, 5 Bitcoin-Wallets und zig verschlüsselten Festplatten.
Vielleicht übertreibe ich, aber ich hoffe, ihr wisst, was mich meine.
Eigentlich müsste es soetwas zum Selber hosten geben. So eine Art Webanwendung, die Zugriff auf Secrets gibt, wenn man lang genug nicht auf den „Totmannschalter“ gedrückt hat.
Wer, wenn nicht wir, könnten soetwas betreiben?
Tut mir leid wegen deinem Schwiegervater. Ist sicher eine schwierige Zeit.
Ich versteh deine Gedankengänge. So ähnlich gehts mir auch. Meine Frau kann ihe Office Suite bedienen und das war es. Da braucht es eine einfache Möglichkeit, wie sie zurecht kommt wenn ich nicht mehr bin.
>Eigentlich müsste es soetwas zum Selber hosten geben. So eine Art Webanwendung, die Zugriff auf Secrets gibt, wenn man lang genug nicht auf den „Totmannschalter“ gedrückt hat.
>Wer, wenn nicht wir, könnten soetwas betreiben?
Interessanter Gedankengang :D Klingt nach einem netten Nebenprojekt. Möchtest du dich dazu mal austauschen?
Mit einer Webanwendung schaffst du aber ein weiteres technisches Konstrukt, welches von einem Server über ein Netzwerk ausgeliefert werden muss.
Mir fallen dazu direkt folgende Punkte ein:
– Meine Angehörigen benutzen diese Webanwendung im Alltag vermutlich nie und werden die URL zwei Minuten nach Bekanntgabe vergessen haben
– Was passiert, wenn die Webanwendung genau dann, wenn es darauf ankommt, nicht verfügbar ist? Die Gründe dafür können vielfältig sein: Dienst kaputt, Server kaputt, Netzwerk gestört, startet nach Stromausfall nicht mehr automatisch, Bookmarks wurden gelöscht, …
Ich habe Zweifel, ob sich eine entsprechende Anwendung hinreichend robust gestalten lässt.
Ich mache mir dazu auch schon seit ein paar Jahren Gedanken. Ist ja im Grunde genommen nichts anderes als ein „Backup“. Du legst es an, und im Notfall muss jemand anderes in der Lage sein es „wiederherzustellen“.
Und da kommt eine der wichtigsten Regeln bei Backups in Spiel: Ein ungetestetes Backup ist kein Backup!
Heißt: Diese Dokumentation für die Familie anzulegen ist eine super Idee; aber als „für den Notfall abgesichert“ würde ich es erst bezeichnen, wenn du tatsächlich mal (absichtlich) das Netzwerk zerschossen hast, und deine Angehörigen dann ohne Hilfe in der Lage waren, es wieder zum Laufen zu bringen.
Hallo Jörg
Ein Thema das gerade aktuell sicher viele anspricht.
Zwei Punkte auf Deiner Massnahmenliste sehe ich auch als Fundament:
A: Bastelnetz von Produktiv strickt separat halten
B: Wichtige Informationen analog speichern / editieren
B1: Wie werden die Informationen gefunden? Tresor oder anderes mechanisches „Gerät“ macht Sinn
Aus meiner Sicht sind das zwei Themen. „Daily Business“ Handbuch (kein WLAN / Internet) und eine Planung für gröbere Situationen wie Cyber Attacke, Brownout / Blackout, soziale Unruhen, ggf. Naturkatastrophen (Wasser, Erdrutsch, etc.). Wie Du schreibst, kostet das Zeit und ist öde.
Eine Ersatz Fritzbox mit einem Konfigfile auf einem USB Stick kann man bereit legen. WLAN Ausfall kann man eingrenzen (alle Geräte gleichzeitig? / Led leuchten wie?). Aber bei Themen die nicht so dringend ist, schreibe ich Alternativen auf (beim Nachbarn drucken, wenn es nicht warten kann).
Für beide Ausgangslagen braucht es in erster Linie das Big Picture. Danach Triage. Was ist wirklich kritisch, mit welchem Aufwand kann man es absichern. Checklisten erstellen / pflegen. Vielleicht auch ein Gedanke, dass man periodisch wichtige IT Daten an einen sicheren Ort auf einem verschlüsselten Datenträger auslagert? Mein langjähriger Kollege und ich wohnen zirka 24km entfernt. 1x pro Monat tauschen wir USB Sticks aus. Eine Variante des toten Briefkastens.
Last but not least: Danke für die Informationen die Du in Deinem Blog bereit stellst
Grüsse
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Hallo Jörg,
danke für den Post, es ist spannend zu sehen dass sich auch andere darum Gedanken machen. Diese Art der Notfallvorsorge ist eine extrem berechtige Frage die man schnell aus dem Blick verliert.
Mein Ansatz dafür wurde teilweise auch schon aufgegriffen, gerade für die wichtigen Dinge gilt für mich hier keep it simple, hier versuche ich Lösungen zu verwenden die auch nicht-IT-Menschen einsetzen, z.B. einen handelsüblichen Router. Das war für mich auch immer ein großes Argument einen E-Mail-Server nicht selbst zu hosten und keine komplexen Smart Home Lösungen zu verwenden.
Das klappt zugegebenermaßen aber auch nicht perfekt, wir haben eine NAS im Haus auf der wichtige Daten liegen. Das Gerät braucht entweder Pflege oder muss ersetzt werden, beides ist aus meiner Sicht für nicht-IT-Menschen nicht einfach.
Realistisch gesehen wird sich im Falle meines Ablebens niemand um die IT kümmern, kurz- bis mittelfristig sind sowieso nicht, aber auch langfristig wird das wahrscheinlich nicht oder nur sehr oberflächlich der Fall sein.
Zumindest die Zugangsdaten zu den Geräten im Haus müssten für andere in irgendeiner Form verfügbar gemacht werden.
Viele Grüße
Tobias
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